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Deutschtests gegen Geld manipuliert

Im Landesgericht Linz kam es am Montag zu einem Bestechungsprozess gegen eine Ex-Prüferin, die in 68 Fällen Sprachtests gegen Bezahlung manipuliert haben soll. Die 43-Jährige und drei Mitangeklagte kamen mit bedingten Haftstrafen davon. Die Schwester der 43-Jährigen muss 480 Euro zahlen. Die Hauptangeklagte fasste zwölf Monaten bedingt und eine unbedingte Geldstrafe von 3.600 Euro aus. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Die zwei mitangeklagten Vermittler erhielten jeweils neun Monate bedingte Haft. Ein Prüfling, der sich sein positives Testergebnis erkauft hatte, bekam vier Monate bedingt. Die Staatsanwältin nahm sich Bedenkzeit, gegen das Strafmaß für die Hauptangeklagte kündigte sie Berufung an.

Prozess um insgesamt 68 Bestechungsfälle

Konkret geht es um 68 Bestechungsfälle zwischen 2013 und 2016. Durchschnittlich 400 Euro habe die ehemalige Prüferin, die bis zum Auffliegen der Manipulationen fallweise für den Österreichischen Integrationsfonds die Tests abnahm, für ein positives Ergebnis von Kandidaten verlangt. Das gestand sie gleich zu Prozessbeginn. Auch ihre Schwester, die ebenfalls prüfte, gab zu, Tests von ihren Kandidaten der 43-Jährigen weitergeleitet zu haben.

Auch zwei Vermittler, die offenbar fleißig Kunden an die Hauptangeklagte vermittelt und dafür Provisionen kassiert haben sollen, räumten dies vor Gericht ein: "Habe es nicht ohne Geld gemacht", leugnete einer von ihnen nicht länger.

37 von 45 Fragen verändert

Anders hingegen ein Prüfling. Dieser blieb dabei, für einen bestandenen Test nichts gezahlt zu haben. Im Gegensatz zu einem Kollegen, der sehr wohl zugab, 1.500 Euro für ein positives Ergebnis an einen der angeklagten Vermittler gezahlt zu haben. Wegen der Geständnisse könnten sich Zeugenaussagen erübrigen und der Prozess überraschend bereits am Montag abgeschlossen werden.

400 bis 1.000 Euro hat die ehemalige Prüferin, die von 2011 bis 2016 fallweise für den Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) die Tests abnahm, laut Anklage für ein positives Ergebnis von Kandidaten verlangt. Als Gegenleistung habe sie mit Bleistift angekreuzte falsche Antworten im Multiple-Choice-Teil der dreiteiligen Prüfung im Nachhinein ausgebessert. "Als Rekord wurden bei 37 von 45 Fragen Ausradierungen vorgenommen", erzählte Staatsanwältin Renate Lachberger.

Ex-Prüferin half bei Verfassen von Text

Den frei zu verfassenden Text schrieben die Kandidaten mit ihrer Hilfe, bevor die Aufsätze zur zentralen Auswertung nach Wien weitergeleitet wurden. Bei einem Gespräch mit zwei Prüfern, dem dritten Teil der Prüfung, ging sie mit ihnen die Fragen vorher durch. Oder aber sie änderte negative Anmerkungen der Kollegen nach dem Gespräch in positive um.

68 derartige Fälle zwischen 2013 und 2016 sind in dem Verfahren angezeigt. Das Agieren der Prüferin bezeichnete Lachberger als "besonders verwerflich", denn es wurde "mit Geld der Integrationsgedanke hintergangen". Die Sprachtests sind laut Gesetz Voraussetzung für sogenannte niedergelassene Fremde, um entweder den Aufenthaltstitel oder die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Schwindel sorgt für erhöhte Sicherheitsstandards

Aufgeflogen sind diese Manipulationen 2016. Nachdem in der Qualitätssicherung des ÖIF Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren, erstattete der Integrationsfonds Anzeige. Danach verstärkte er die Sicherheitsstandards. Inzwischen werden laut ÖIF alle Prüfungsunterlagen in einem Kuvert versiegelt.

Der Montagfrüh begonnene Prozess ist nicht der einzige in dieser Causa. Bereits Mitte März musste sich eine 54-jährige türkische Testkandidatin vor dem Gericht wegen Bestechung verantworten. Voraussichtlich wird im Mai weiterverhandelt. Darüber hinaus könnten noch weitere Prozesse folgen, denn es sollen Prüflinge aus ganz Österreich zu diesen "frisierten" Deutschtests nach Linz vermittelt worden sein.

(APA)

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 17.07.2019 um 05:14 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/ooe-ex-prueferin-gesteht-manipulation-von-deutschtests-68494900

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