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Prozess um Misshandlung in NÖ Erziehungsheim

Mit Zeugenbefragungen ist am Landesgericht Krems ein Prozess um die angebliche Misshandlung eines ehemaligen Zöglings in der "Kinderwelt Stiefern" (Bezirk Krems-Land) fortgesetzt worden. Wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung ist der Gesellschafter der Einrichtung angeklagt. Am Dienstagnachmittag haben u.a. die pädagogischen Führungskräfte der Einrichtung als Zeugen ausgesagt.

Dem 25 Jahre im Haus tätigen, 2009 pensionierten Leiter zufolge war der Angeklagte in das operative Geschäft nicht eingebunden, er sei ihm im Haus auch nie über den Weg gelaufen. Die Frau des Beschuldigten sei nach dem Tod ihrer Schwiegermutter 2007 als Geschäftsführerin seine Ansprechpartnerin gewesen, erklärte der 65-Jährige. An den Buben könne er sich erinnern, weil er "nicht einfach" gewesen sei, und immer wieder auch abgängig.

Die aktuelle pädagogische Leiterin, seit 20 Jahren in der "Kinderwelt" beschäftigt, gab an, dass ihr die 2008 gekündigte Betreuerin nie von jenem Vorfall, mit dem sich das Gericht nun befasst, berichtet hatte. Auch der Bursch selbst habe ihr nicht erzählt, dass er verletzt worden war. Der Kontakt mit den Pflegeeltern sei nicht unterbunden worden, und die Termine der Heimaufsicht seien immer "sehr offen" abgelaufen, meinte die Zeugin. Am Mittwoch sollen weitere Zeugen zu Wort kommen.

Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2008 einen damals Zwölfjährigen mit einem Gehstock am Fuß verletzt, ihn am Genick gepackt und ins Bad geschleift und dort seinen Kopf unter Wasser gedrückt haben. Der Arzt hatte sich nicht schuldig bekannt, mit dem Zögling sei er nie zusammengetroffen. Sein Verteidiger ortete in der Verhandlung im September eine "Hetzkampagne" gegen seinen Mandanten.

Hauptbelastungszeugin ist eine ehemalige - im Februar 2008 gekündigte - Betreuerin. Ihr wurden heute einige unterschiedliche Aussagen vorgehalten, u.a. ob sie an jenem Wochenende über das interne "Nottelefon" oder die Rufbereitschaft Alarm geschlagen hatte, weil der Bub mit Gegenständen um sich geschmissen hatte. Nach dem Vorfall im Bad sei der Zwölfjährige - nass bis auf die Schultern - nicht ansprechbar und im Nacken "blau" gewesen. An blutende Wunden, wie sie vor der Polizei angegeben hatte, konnte sie sich nicht mehr erinnern. Anwalt Hubert Sacha zeigte auf, dass sich die Frau nicht an die Heimaufsicht gewandt hatte und dann 2008 bei der Polizei zwar Missstände in 18 Punkten anprangerte, den Vorfall aber nicht erwähnte.

Die Pflegemutter des heute 18-Jährigen gab an, dass ihr Sohn von diesem "Untertauchen" erzählt hatte, was ihr die Betreuerin in einem Telefonat dann bestätigt habe. In einem E-Mail an den Jugendgerichtshof 2008 hatte sie geschildert, dass ihrem Sohn der Kopf in ein Waschbecken unter rinnendes kaltes Wasser gedrückt worden sei. Die 54-Jährige meinte, der Bub habe "diverse Störungen" gehabt - in Stiefern hätte ihm geholfen werden sollen. In das Heim kam er nach einem Vorfall daheim: Im Zuge eines Wortwechsels darüber, ob er fortgehen dürfe, sei er ihrem Mann beim Umdrehen in den Ellbogen gerannt - tags darauf erklärte er in der Schule sein blaues Auge damit, dass sein Vater ihn geschlagen habe. Das sei der größte Fehler seines Lebens gewesen, sage er heute noch - "wir sind heute nach wie vor Mama und Papa für ihn".

"So einen Vorfall hat es nie gegeben", erklärte die Frau des Beschuldigten. Dieser sei nicht ins operative Geschäft eingebunden. Die ehemalige Betreuerin "führt einen Vernichtungskrieg gegen Stiefern und insbesondere gegen meinen Mann", meinte sie. Von niemandem sonst seien irgendwelche Vorwürfe zu hören. Andere belastende Aussagen von Kindern so um 2005 herum, die Opferanwältin Eva Plaz nachfragte, seien "erst viel später" gekommen - von Kindern aus der Gruppe der Erzieherin.

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