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Kinder und Jugendliche

Psychischer Druck wird immer größer

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Für Österreich geht die Kinder-und Jugendanwaltschaft davon aus, dass 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen durch psychische Probleme belastet sind. (SYMBOLBILD)

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Essstörungen, selbstverletzendem Verhalten, Angststörungen oder Suizidgedanken. Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie ortete die Kinder- und Jugendanwaltschaft einen Mangel an diagnostischen und therapeutischen Angeboten sowie an Betten und an Kassenverträgen.

Denn mangelhafte Versorgung bedeute, dass leichte zu schweren Erkrankungen werden können und innerhalb von Wochen heilbare Krankheiten zu chronischen Krankheitsverläufen, warnte die Kinder-und Jugendanwaltschaft Wien am Mittwoch in einer Aussendung im Vorfeld des Welttags der psychischen Gesundheit am 10. Oktober.

Mangel an Kassenverträgen

Während einerseits das Bewusstsein der betroffenen Familien steige und diese aktiv Hilfe suchen, sei demnach auf der anderen Seite das diagnostische und therapeutische Angebot für psychisch kranke Kinder nicht ausreichend vorhanden. Die Wartezeiten für Therapien seien oft nicht zumutbar. Der Mangel an Kassenverträgen für Kinder- und Jugendpsychiater verschärfe die Lage zusätzlich. Wenn etwa Minderjährige mangels Bettenkapazitäten auf Erwachsenenstationen untergebracht werden, steige dadurch das Gewalt- und Gefährdungspotenzial. Zur Abdeckung des großen und weiter steigenden Bedarfs seien neben der Aufstockung der Kassenverträge, kostenfreier Therapien sowie der Bettenkapazität auch ausreichend Ausbildungsplätze für Fachärzte der Kinder- und Jugendpsychiatrie notwendig.

Woher der Druck kommen kann

Ein Schul- und Ausbildungssystem, das auf soziale Selektion ausgelegt sei, Armutsgefährdung der Eltern sowie beengter Wohnraum üben enormen Druck aus. Hinzu komme eine Zunahme von sozialem Stress und Erholungsmangel. Die Folge sei ein Anstieg psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen. Für Österreich geht die Kinder-und Jugendanwaltschaft davon aus, dass 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen durch psychische Probleme belastet sind.

Der Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) wies am Mittwoch darauf hin, dass Suizid die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 24 ist. Es brauche daher maßgeschneiderte Angebote, denn die Lebens- und Gefühlswelten von Jugendlichen unterscheiden sich deutlich von denen Erwachsener. "Für viele wird dieser Druck immer unerträglicher, Depressionen und das Gefühl, 'ausgebrannt zu sein' sind mitunter die Folge und können auch zu suizidalen Gedanken führen. Wenn der Sog negativer Gedanken zu stark wird, ist es schwer, alleine aus dieser Abwärtsspirale herauszufinden", so Andreas Prenn vom FGÖ.

"Versorgungsmangel wird größer"

"Es kann nicht sein, dass wir psychisch kranke Kinder und Jugendliche dermaßen im Stich lassen", kritisierte Kinder- und Jugendanwältin Dunja Gharwal. Wartezeiten auf eine Rehabilitationsmaßnahme von bis zu zwei Jahren seien kinderrechtlich hoch problematisch. "Letztlich wird der Versorgungsmangel noch größer, weil sich die Dauer der Behandlungen erhöht und so die knappen Ressourcen erst recht nicht ausreichen."

Notfall-Kontakt bei Suizidgedanken

Telefonseelsorge 142 (ohne Vorwahl)
Psychologischer Hilfsdienst Pro Mente: 06542/ 72600
Ambulante Psychosoziale Rehabilitation Salzburg: 0662/ 876 333
HIER geht’s zur Psychotherapeuten-Suche.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 18.10.2019 um 08:34 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/psychische-erkrankung-kinder-und-jugendliche-unter-belastung-77479054

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