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Psychische Gewalt: Erniedrigung und Bedrohung

Erniedrigung, Kontaktverweigerung, Verlust der Selbstbestimmung, Erzeugung von Unsicherheit und Attackierung - in diese Themenbereiche haben betroffene Frauen die ihnen vom Partner zugefügte psychische Gewalt zusammengefasst. Das Institut Karmasin führte eine qualitative Untersuchung im Auftrag des Vereins Wiener Frauenhäuser durch, der zufolge 94 Prozent der Bewohnerinnen bedroht werden.

50 Frauen, die entweder aktuell im Frauenhaus wohnen oder in der Vergangenheit dort gelebt haben, wurden im August interviewt. Etwa drei Viertel kannten Aussagen wie "Ich bringe dich um, wenn du mich verlässt" oder "Dich finde ich überall". 68 Prozent wurde gedroht, die Kinder wegzunehmen, 62 Prozent erlebten Drohungen in Hinblick auf eine Abschiebung in ihr Heimatland.

84 Prozent wurde vom Partner ein Kontaktverbot zu anderen Personen auferlegt, 64 Prozent verboten, Hobbys auszuüben oder an Freizeitaktivitäten teilzunehmen. Die Hälfte der Befragten wurde schon einmal eingesperrt oder daran gehindert, die Wohnung zu verlassen.

Kontrolle ist ein wesentliches Thema psychischer Gewalt, so die Zusammenfassung des Meinungsforschungsinstituts. Das Einkommen von 70 Prozent der Frauen wurde kontrolliert, 68 Prozent wurden überprüft, mit wem sie unterwegs waren. Das Öffnen von Post bzw. die Kontrolle des Handys waren bei 60 Prozent ein Thema. 58 Prozent bekamen Schwierigkeiten mit dem Partner, wenn sie sich verspäteten. Demonstration von Macht erlebten 86 Prozent der Frauen in Form eines spürbaren Abhängigkeitsverhältnisses; 78 Prozent mussten um Geld bitten, 66 Prozent bekamen Kleidungs-, Schmink- und Fernsehvorschriften.

84 Prozent wurden im Beisein der Kinder beleidigt, 86 Prozent mit Erniedrigungen wie "Du bist ein Nichts" konfrontiert. Rund drei Viertel der Frauen wurden wegen ihres Aussehens oder Charakters beleidigt, fast ebenso viele durch sexuelle Beschimpfungen.

Die Reaktion der Betroffenen verläuft meist nach folgendem Modell: Nach einer anfänglichen Rechtfertigungsphase folgt die Phase des passiven Akzeptierens und schließlich die der Resignation. Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Ängste, Alkoholmissbrauch sind einige Folgen. Überlegungen zur persönlichen Zukunft werden meist völlig ausgeblendet, die primäre Sorge gilt meist dem Wohl der Kinder und dem Aufrechterhalten des Alltags.

Aufgerufen am 22.03.2019 um 01:42 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/psychische-gewalt-erniedrigung-und-bedrohung-44325211

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