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Salzburg Biennale: Georg Friedrich Haas im "Musikpreis"-Konzert

Gabi Burgstaller überreichte bei der Salzburg-Biennale den Landespreis an Georg Friedrich Haas. Wildbild
Gabi Burgstaller überreichte bei der Salzburg-Biennale den Landespreis an Georg Friedrich Haas.

"Der Preis ist hoch, aber wenn ich bedenke, was ich alles investiert habe, dann reicht das Preisgeld bei weitem nicht." Das sagte Georg Friedrich Haas Sonntagabend in seiner Dankesrede für den mit 60.000 Euro dotierten Internationalen Kompositionspreis des Landes Salzburg.

"Ich bin in Österreich oft mit Verletzungen bedacht worden, aber die Auszeichnung einer derart kompetenten Jury versöhnt und macht Mut", so Haas, der an den Musik-Unis von Graz und Basel lehrt und dessen Werke an einer Reihe von Opernhäusern (darunter Bregenz und Paris) sowie auf allen wesentlichen Klassik-Festivals Europas gespielt werden.

Hoch dotierter Kompositionspreis an Haas

Der Salzburger Musikpreis ist einer der international höchst dotierten Kompositionspreise. 2013 wurde Georg Friedrich Haas von den Juroren Pierre Laurent Aimard (Konzertpianist), Claus Spahn ("Die Zeit"-Feuilletonist) und Markus Hinterhäuser (Pianist und Kulturmanager) als Preisträger ausgewählt. Der mit 20.000 Euro dotierte Förderpreis wurde dem italienischen Komponisten Aureliano Cattaneo zugesprochen.

Die Salzburg Biennale präsentierte gestern Abend im Großen Saal des Mozarteums zwei Haas-Stücke. Das Hauptwerk dieses Preisträgerkonzertes "...wie stille brannte das Licht" für Sopran und Kammerorchester aus dem Jahr 2009 ist eine Mikroton-Komposition, der bemerkenswerterweise romantische Gedichte von Theodor Storm, August Stramm, Else Lasker-Schüler und Georg Trakl zugrunde liegen. Auch das mit Dirigent Michel Galante und sechs Instrumentalsolisten des Österreichischen Ensembles für Neue Musik (OENM) realisierte "Tria ex uno" aus dem Jahr 2002 weist starke Vergangenheitsbezüge auf. So beginnt dieses Auftragswerk der Münchner Biennale mit einer Bearbeitung eines "Agnus Dei" von Josquin Desprez und mutiert daraufhin in eine Klang-Assoziation über das Werk des Renaissance-Komponisten. Beide dieser Haas-Kompositionen sind geprägt von gediegenen und facettenreich ausgetüftelten Klangflächen bei geringer motorischer Energie.

Förderpreis an Aureliano Catteneo

Vitaler und im besten Sinne des Wortes unterhaltsamer wirkte "Canto" von Aureliano Cattaneo. Der 1974 geborene Italiener verwob in seinem Ensemble-Stück unzählige kleine Motive des Schlagzeugs mit spritzigen Unisono-Passagen von Cello und Sopransaxofon, lies die Posaune über Streicherflächen herzhaft klingen und präsentierte virtuos-lebendige Farben in klarer musikalischer Organisation. Strukturell nicht neue, aber klanglich und musikalisch inspirierend frische Musik.

Durchwegs gut gearbeitet hat das OENM. Besonders im Cattaneo kam die locker-verspielte und zugleich kontrollierte Interpretation der Musiker auch ohne Dirigent gut zur Geltung. Explizit erwähnt werden muss zudem Sarah Wegener. Die Sopranistin bewältigte das zweite Haas-Werk - "...wie stille brannte das Licht" - mit außergewöhnlich brillanter Intonation. Haas komponierte den Sopran häufig als Mikro-Reibung zur Trompete, um die Stimme dann wieder in Harmonie einzubetten. Und Wegener traf alle noch so kühnen Tonsprünge ohne an klanglicher Qualität einzubüßen. Diese Stimmpräzision ist außerordentlich und verhalf der Sopranistin zu verdientem Extraapplaus.

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 18.06.2019 um 11:22 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/salzburg-biennale-georg-friedrich-haas-im-musikpreis-konzert-42647554

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