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Sebastian Kurz im Porträt

Sebastian Kurz, ÖVP APA/HANS KLAUS TECHT
Nach einer unfreiwilligen Pause kehrt Sebastian Kurz wieder zurück ins Kanzleramt.

Sebastian Kurz (ÖVP) fügt seiner an Superlativen ohnehin nicht armen Polit-Karriere ein neues hinzu. Der ÖVP-Chef ist der erste, der den alten Boxerspruch "They never come back" Lügen straft und nach einer Abwahl ins Kanzleramt zurückgekehrt. Davor war der heute 33-Jährige unter anderem schon jüngster Außenminister, Regierungschef und Altkanzler.

Für Kurz war 2019 wohl ein lehrreiches Jahr, das erste seit vielen, in dem es nicht nur aufwärts ging. So soff nicht nur sein Prestigeprojekt Türkis-Blau auf Ibiza ab, er wurde auch noch von einer rot-blau-JETZT-Mehrheit aus der Regierung gejagt - eine Demütigung für den erfolgsverwöhnten Jung-Kanzler.

Zielsicherer Blick auf Kanzler-Comeback

Doch es wäre nicht Perfektionist Kurz, hätte er nicht vom ersten Moment das Comeback zielsicher im Auge gehabt. Auf die Rückkehr ins Parlament verzichtete er und tourte dafür durch das Land, wo er sich bei Wanderungen Hansi Hinterseer-gleich von seinen Bewunderern feiern ließ und wohl schon die Basis für den späteren Wahltriumph schuf.

Freilich, einmal griff sein Parteitross dann doch daneben, als man den VP-Chef zu einem religiösen Event in die Wiener Stadthalle schickte, wo er auf offener Bühne von einem charismatischen Prediger gesegnet wurde. Man musste Kurz nicht gut kennen, um ihm anzusehen, dass ihm die euphorische Preisung doch mehr als ein wenig unangenehm war.

Ansonsten tat Kurz das, was ihn seit seinem Eintritt ins Integrationsstaatssekretariat im zarten politischen Alter von 24 auszeichnet. Höflich zuhören, freundlich schauen und auf Botschaften drauf bleiben, die er als publikumswirksam erachtet.

Bemerkenswerte Spannbreite in der Migrationspolitik

Ein starrer Ideologe ist Kurz soundso nicht. So hat er etwa in der Migrationspolitik vom verständnisvollen Integrationsstaatssekretär bis zum beinharten Balkanrouten-Schließer eine bemerkenswerte Spannbreite. Da überrascht es dann auch wenig, dass der VP-Chef sowohl mit Heinz-Christian Strache (FPÖ) als auch mit Werner Kogler (Grüne) Koalitionen abschließen kann.

Was eher nicht Kurz' Sache ist, ist der Kammerstaat bzw. die Sozialpartnerschaft. Monatelange Verhandlungen wie unter Rot-Schwarz üblich sind dem VP-Chef ein Gräuel, nicht umsonst beendete er schon die Regierungszusammenarbeit mit den Sozialdemokraten. Dementsprechend versuchte er in seiner Koalition mit den Blauen alles mögliche an Roten aller Art vorbei zu pressen, das auch um den späteren Preis von Aufhebungen durch den Verfassungsgerichtshof.

Viel anhaben konnte das dem Langzeit-Jus-Studenten, dessen erste politische Meter als JVP-Politiker noch im "Geil-o-mobil" zurückgelegt wurden, nicht. Kurz, der einst von Michael Spindelegger und Johannes Hahn gefördert wurde, punktet durch eine ganz eigene Art von Volksnähe. Sein Auftreten ist betont bescheiden, seine Hobbys wie Wandern und Segeln geben ebenso wenig Anlass zu Neid wie seine Reiseziele Kroatien oder Südtirol oder seine Wohnung im nicht allzu prestigeträchtigen Wiener Bezirk Meidling, dem er von Geburt an treu geblieben ist.

Kurz brachte Ruhe in die ÖVP

Von seinem Privatleben gibt Kurz gerade das nötigste preis: dass er seit vielen Jahren mit einer Ministeriumsmitarbeiterin liiert ist, dass sein Vater sich selbst aus der Arbeitslosigkeit herausgekämpft hat und dass er familiäre Wurzeln im Waldviertel hat, was ihm beim ländlichen Wahlvolk wohl auch nicht schadet. Fast familiär mutet auch Kurz' politisches Umfeld an. Seit Jahren umgibt er sich mit dem selben Beraterstab und diejenigen in der Partei, die nicht zum engsten Kreis gehören, werden wenigstens am Laufenden gehalten. So schaffte es Kurz, dass in der ÖVP eine über Jahrzehnte nicht gekannte Ruhe eingekehrt ist.

Dass das so bleibt, wird eine der Hauptaufgaben seiner zweiten Kanzlerschaft sein. Von den Grünen sind zwar keine Ausritte nach ganz außen zu erwarten wie von der FPÖ, doch werden sie der viel kritischere Koalitionspartner sein, mit dem man in etlichen Fragen ideologisch so gar nicht harmoniert, weshalb die Zusammenarbeit in Europa auch ziemlich einzigartig ist. Die Elite der Grünen hat Kurz schon von sich eingenommen, das größere Kunststück wird sein, das nämliche auch bei deren launischer Basis zu bewerkstelligen.

Zur Person: Sebastian Kurz, geboren am 27. August 1986 in Wien. 2007-2012 Vorsitzender der Wiener JVP, 2009-2017 Obmann der Bundes-JVP. 2010-2011 Abgeordneter zum Wiener Landtag. Ab Juni 2011 Staatssekretär für Integration, seit Dezember 2013 Außen- und seit März 2014 Außen- und Integrationsminister. Seit Mai 2017 ÖVP-Obmann, von Dezember 2017 bis Mai 2019 Bundeskanzler.

(Quelle: APA)

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