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Hype-Apps vs. Klassiker

Wie sich unsere Social-Media-Welt 2021 ändert

Clubhouse, Chatbots & „FOMO“

Social Media, Facebook, Instagram APA/HELMUT FOHRINGER
Die neue Audio-App Clubhouse habe das Potenzial, sich dauerhaft durchzusetzen, sagt Social-Media-Experte Lukas Fabi. Whatsapp werde weiter der beliebteste Messenger bleiben. (SYMBOLBILD)

2021 hat für Social-Media-User schon spannend begonnen: Die Audio-App Clubhouse ist in Österreich aufgetaucht und zahlreiche Nutzer sind vom Messenger-Dienst Whatsapp zu Alternativen wie Signal oder Telegram gewechselt. Welche Apps heuer besonders im Trend liegen und welche Rolle Chatbots und "FOMO" spielen, zeigen wir euch im Überblick.

In aller Munde ist seit Anfang des Jahres die Audio-App Clubhouse. Hier können User eigene Räume gründen und sich dort über Themen ihrer Wahl unterhalten. Wer Interesse hat, kann in den Raum kommen und sich in das Gespräch einbringen. Aktuell ist Clubhouse nur für Apple-User nutzbar. Außerdem kann nicht jeder beitreten, man braucht eine Einladung einer Person, die bereits Mitglied ist. Diese sind jedoch begrenzt. Lukas Fabi, Social-Media-Experte des Salzburger Nachrichten Verlags, sieht großes Potenzial in der App. Clubhouse habe eine Sparte erwischt, die es in dieser Form noch nicht gebe: „Diese Funktionen einfach nur nachzubauen, wie es Instagram mit den Reels bei TikTok gemacht hat, wird eher schwierig, weil sich hier schon eine eher geschlossene Community aufbaut.“

"FOMO" als Erfolgsgarant für Clubhouse?

„FOMO“ (fear of missing out), also die Angst, etwas zu verpassen, spiele hier eine große Rolle, da Android-Nutzer noch gar nicht die Möglichkeit haben, die App herunterzuladen. Marketing-technisch werde das gut gemacht, deshalb rechnet der Experte trotzdem mit Zuwächsen. „Gerade für Veranstaltungen kann diese App interessant sein, weil User die Möglichkeit bekommen, Podcasts live zu hören und auch selbst mitsprechen können.“ Anders als bei Plattformen wie Spotify können User die Gespräche nicht im Nachhinein hören.

 

TikTok für Generation Z

Aber nicht nur die Audio-Plattform könnte 2021 boomen, auch die Video-App TikTok konnte im vergangenen Jahr Riesen-Zuwächse verzeichnen. Gerade bei der jüngeren Generation komme die Plattform sehr gut an: „Es kann sein, dass Jüngere sich mehr mit TikTok identifizieren, weil sie damit groß werden. Das war bei den Älteren eben zum Beispiel bei Facebook oder ICQ der Fall. Dieser Trend ist vielleicht mit Musik zu vergleichen: Das, was die Eltern gehört haben, ist automatisch uncool.“ TikTok treffe das Schnelle, das Gefühl, immer dabei zu sein und spreche auch das Belohnungssystem an. Indem man weiter geht, bekommt man sofort ein neues Video. Da könne schon große Suchtgefahr entstehen. „Das ist auch bei mir selbst so. Wenn ich nicht konkret etwas nachschauen will, gehe ich zu TikTok und lasse mich berieseln“, meint Fabi.

Frage der Zugehörigkeit

Da die großen Social-Media-Plattformen wie Instagram, Facebook oder TikTok immer multifunktionaler werden und man meist ähnliche Funktionen nutzen könne, werde es mehr und mehr zu einer Identifikationsfrage, welche App man am liebsten nutzt: „Es stellt sich die Frage, welcher Marke ich mich zugehörig fühle: Bin ich ein Facebooker, Instagrammer oder TikToker? Hier ist die Frage zentral, wo sich meine Freunde aufhalten.“

Kombination aus Funktionalität und Kommunikation

Fabi sieht 2021 einen weiteren großen Trend, der sich aber nicht auf einen Anbieter beschränkt. Apps, die Funktionalität und Kommunikation vereinen, könnten dieses Jahr große Erfolge verzeichnen. Das könne man am Beispiel eines Online-Mode-Shops erklären. Einerseits würden viele gerade während des Lockdowns vermehrt online einkaufen, andererseits wolle man dann mit Freunden oder Familie besprechen, was sie von einem Kleidungsstück halten, ob man es kaufen soll oder nicht. „Man geht also mit seinen Freunden, die die gleichen Interessen teilen, gemeinsam online shoppen. Diese Kombination aus Funktionalität und Kommunikation, glaube ich, wird vermehrt kommen, weil es einfach auf der Hand liegt und man noch nicht absehen kann, wie lang die Pandemie noch dauern wird.“

Corona beeinflusst Nutzerverhalten

Die Corona-Pandemie hätte aber noch weitere Auswirkungen auf unser Nutzerverhalten. Das, was in der Gesellschaft passiert, würde sich auch in der Social-Media-Welt widerspiegeln: „Das heißt, bedingt durch den Lockdown haben sich viele Leute eher zurückgezogen und nicht mehr das Bedürfnis, das Privatleben öffentlich zu teilen. Das führt zu einem Aufleben von Messenger-Diensten.“

 

Messenger-Dienste wieder wichtiger

Das bedeutet, dass Einblicke aus dem Privatleben vermehrt in Familien- oder Freundesgruppen und weniger öffentlich geteilt werden. Usern sei wieder wichtiger, selbst zu entscheiden, wer Beiträge sieht. Es sei zu erwarten, dass sich dieser Trend 2021 fortsetzt und Messenger-Dienste verstärkt genutzt werden.

Turbulent ins neue Jahr gestartet ist Whatsapp: Neue Datenschutzrichtlinien haben für große Aufregung gesorgt. Konkurrent Signal hat davon massiv profitiert, denn Millionen von Nutzern sind innerhalb kürzester Zeit hierhin gewechselt. Auch Telegram hat innerhalb von nur 72 Stunden einen Zuwachs von 25 Millionen Usern verzeichnet. Allerdings habe Telegram häufig den Stempel als Plattform für Verschwörungstheoretiker, meint Fabi.

Whatsapp trotz Datenskandal Nummer eins

Dennoch sei es wahrscheinlich, dass Whatsapp auch 2021 seine Position als meistgenutzter Messenger-Dienst beibehalten werde. „Es kommt immer darauf an, welche Angebote deine Freunde nutzen. Es wird zum Beispiel schwierig, eine Geburtstagsfeier über Signal zu organisieren, wenn dein Freundeskreis den Dienst gar nicht nutzt. Es wird sich auch kaum jemand so viel Arbeit machen und seine Freunde dann über fünf oder sechs verschiedene Messenger-Dienste kontaktieren.“

 

Chatbots: Chance oder zu unpersönlich?

Aber in diesem Jahr könnte uns eine Besonderheit in der Online-Kommunikation erwarten. Und zwar rechnet der Social-Media-Experte damit, dass Chatbots neben Messenger-Diensten und Newslettern eine immer größere Rolle einnehmen werden. Bei der niederländischen Fluglinie KLM sei es mittlerweile möglich, alles vom Ticketkauf bis zum Check-in und Boarding über den Facebook-Messenger zu erledigen. Es vereinfache vieles. Man brauche kein Ticket auszudrucken, müsse am Flughafen keine E-Mail öffnen und vorzeigen. „Auch aus Sicht der Unternehmer erleichtern Bots die Arbeit, da häufig dieselben Fragen auftreten und man diese dann schneller beantworten kann. So wird die Kommunikation mit dem Kunden vereinfacht.“

Der Durchschnittsösterreicher verbringt täglich ca. 80 Minuten in den sozialen Netzwerken, wie aus Daten von statista.com hervorgeht. Es bleibt abzuwarten, wie die Salzburger sich im Jahr 2021 ihre Zeit zwischen Clubhouse, TikTok, Facebook oder Messengerdiensten aufteilen.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 01.03.2021 um 05:23 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/social-media-welche-rolle-clubhouse-chatbots-und-fomo-spielen-99206227

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