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Kein Shopping-Rausch

Salzburger Handel mit Sonntagsöffnung zufrieden

Verhaltener Ansturm österreichweit

Shopping am Sonntag. Aufgrund einer Ausnahmeregelung hat der Großteil des Handels in Österreich heute geöffnet, um den Ausfall im Weihnachtsgeschäft in Grenzen zu halten. Österreichweit war der Ansturm verhalten, in Salzburg war man durchaus zufrieden.

Ein großes Einkaufswochenende samt Sonntagspremiere sollte dem Handel in Österreich das heurige Weihnachtsgeschäfts retten. Der Samstag spülte geschätzte 380 Mio. Euro in die nach dem Lockdown leeren Kassen. Doch am heutigen, ausnahmsweise verkaufsoffenen Sonntag, dürften die Umsätze deutlich dahinter zurückbleiben. Die Branche erwartet weniger als ein Drittel des Samstagumsatzes. In den Einkaufsstraßen und -zentren war das Besucheraufkommen zu Mittag überschaubar.

Salzburger waren kauffreudiger

Im Bundesland Salzburg schien die Kauflust der Menschen höher zu sein. Johann Höflmaier, Geschäftsführer der Sparte Handel in der Salzburger Wirtschaftskammer zeigte sich zufrieden. Von den Zahlen her liege man zwar nicht bei jenen eines Einkaufssamstags, die Frequenz sei eher mit einem Freitag vergleichbar. Er sah mit dem Aufsperren am Sonntag "ein starkes Signal, wieder für den Kunden da zu sein", wie er betonte. Man müsse wieder etwas bieten, "denn das Christkind ist stationär und nicht online." Die Sonntagsöffnung bezeichnete er als einen "Akt der Selbstverteidigung". Zu Unrecht werde der Handel immer als Treiber der Infektion dargestellt. Dabei würden alle Kunden vorbildlich die Masken tragen.

Europark Salzburg zufrieden

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäftsverlauf nach dem Lockdown und am vierten Adventwochenende. Die Stimmung unter den Händlern und Kunden ist sehr positiv. Die Frequenzen lagen sogar über jenen von 2019. Auch für den heutigen Sonntag zeichnet sich eine gute Besuchsfrequenz ab", berichtet Europark-Center-Manager Manuel Mayer in einer Aussendung.

Starker Kundenstrom im Designer Outlet

Ähnlich fällt das Resümee im Designer Outlet in der Stadt Salzburg aus. "Den heutigen verkaufsoffenen Sonntag nutzen noch viele Last-Minute-Shopper, um die letzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Wir sehen am starken Kundenzustrom, dass der zusätzliche Einkaufstag gut genutzt wird", so Center-Manager Markus Gratz. "Mit den Umsätzen an diesem vierten Adventwochenende sind wir zufrieden, zu dem guten Ergebnis des Shopping-Wochenendes trägt vor allem auch die gesteigerte Kaufbereitschaft unserer Gäste bei, was sich in einer deutlichen Erhöhung der Pro Kopf Kundenumsätze niederschlägt", resümiert Gratz.

Sonntagsöffnung rechnet sich nicht

Brigitte Hirschegger, Geschäftsfrau in der Linzergasse in der Salzburger Innenstadt, freute sich, dass seit dieser Woche die Straße wieder voller Menschen mit Einkaufstaschen sei. Das Minus aus dem Lockdown sei aber nicht mehr aufzuholen. Die Stammkunden seien zurückgekehrt, ein Teil des Geschäfts habe man aber an den Onlinehandel verloren, dies sei aber auch vor der Pandemie schon der Fall gewesen. Zum außertourlichen Einkaufen am Sonntag meinte Hirschegger: "Heute hat's gepasst, die Sonntagsöffnung sollte aber eine einmalige Sache bleiben." Als Betreiberin eines kleinen Geschäfts sei sie eine große Gegnerin einer allgemeinen Sonntagsöffnung. Für kleine Geschäfte rechne es sich nur, wenn man selber drinnen stehe, dann müsse man keinem Mitarbeiter einen Sonntagszuschlag zahlen.

Zweckoptimismus in Kärnten

Zweckoptimismus herrschte in Kärnten. Heinz Achatz vom Südpark in Klagenfurt sprach gegenüber der APA zwar von einer "nicht schlechten Kundenfrequenz", aber es sei deutlich weniger als am gestrigen Samstag. Dieser sei jedoch auch einer der stärksten Samstage der vergangenen Jahre gewesen. Allerdings sei das heutige Sonntagsgeschäft auch "viel schlechter als am 8. Dezember". Viele kämen auch nicht, glaubt er, weil "einiges nicht geöffnet ist: Supermärkte, Drogerien oder Optiker". Auch das gute Wetter spiele dem Handel nicht in die Karten. "Nach der langen Nebelphase gehen die Leute beim Sonnenschein heute vielleicht auch lieber spazieren oder Ski fahren", so Achatz. Positiver gestimmt war Richard Oswald vom Atrio in Villach. Man sei "wirklich zufrieden, es ist ein guter Einkaufstag vor Weihnachten. Es ist sehr positiv, wie viele Besucher in den stationären Handel kommen". Außerdem gebe es klares Kaufverhalten: "Wer heute drin ist, der will kaufen, der geht nicht Bummeln."

Kein Shopping-Rausch

Von einem Shopping-Rausch war am Sonntag in den steirischen Einkaufszentren und in der Grazer Innenstadt nichts zu bemerken. Im Innenstadtkaufhaus Kastner & Öhler - der klassische Frequenzbringer für die City - war zwar einiges los, von Gedränge an Kassen oder in den Gängen konnte aber keine Rede sein. Auch im Shopping Center West im Grazer Süden herrschte kein Ansturm, Parkplätze waren zu Mittag teils direkt vor den Eingängen verfügbar. Edith Münzer vom Grazer Murpark war jedoch "auch nicht unzufrieden. Es ist ähnlich wie bei einem 8. Dezember." Der Vormittag sei noch etwas verhalten gewesen, aber mit dem Nachmittag werde es deutlich voller, so die Hoffnung. Aus ihrer Sicht gebe es auch klare Gewinner: "Vor allem der Buchhandel ist bei uns sehr voll." Danach kämen die Elektrogeschäfte, gefolgt von den Schuhläden. "Heuer gibt es ja wieder einen richtigen Winter und anscheinend dementsprechend Nachholbedarf." Auch bei ihr gebe es in der Tendenz mehr Besucher mit Kaufabsichten, wenige Bummler. "Hier werden wohl hauptsächlich noch Wunschlisten ans Christkindl abgearbeitet."

 

Kundenfrquenz "nicht überragend"

Auch in Vorarlberg war die Kundenfrequenz "nicht überragend", wie Burkhard Dünser vom Dornbirner Messepark sagte. "Man sieht die Leute mit vollen Taschen hinausgehen. Aber wir haben keine lange Aufenthaltsdauer", berichtete Dünser. "Der absolute Renner" sei heuer der "Messepark-Gutschein", ansonsten würden "klassische Weihnachtsgeschenke" gekauft, wie Schmuck, Uhren, Spielwaren oder Elektronik. Auch in Bregenz war die Kauflust am Vormittag "noch verhalten", sagte der Obmann der Wirtschaftsgemeinschaft Bregenz, Clemens Sagmeister. Es laufe aber "ungefähr den Erwartungen entsprechend. Das Skiwetter ist einfach zu verlockend", meinte er. Der heutige Sonntag sei mit einem "halben Weihnachtssamstag" vergleichbar.

Tiroler gehen lieber Skifahren

In Tirol verpasste das Wetter der Shopping-Lust ebenfalls einen Dämpfer. Aber: "Wir rechnen schon damit, dass am Nachmittag viele von der Skipiste zurückkommen", meinte Sandra Bodner von den Kufstein Galerien. Ob sich der Einkaufssonntag rentieren wird, "wage ich von den Kosten her zu bezweifeln", schätzte Bodner. Im Wörgler Einkaufszentrum M4 meinte Centermanagerin Daniela Schlemmer, dass man bisher "unter den Erwartungen" geblieben sei. In der Innsbrucker Innenstadt wurden gegen Mittag 60 Prozent der Frequenz des Vortages gemessen. "Für diese Zeit ist das super", freute sich Michael Berger, Obmann des Innenstadtvereins. "Ich denke schon, dass sich der Sonntag rentiert - vor allem für den Textil- und Geschenkartikelbereich".

Samstag läuft besser als Sonntag

Experten und der Handelsverband rechnen damit, dass die Geschäfte heute deutlich weniger gut gehen als am Samstag. Der Handelsverband erwartet, dass der "goldene Sonntag" rund 120 Mio. Euro Umsatz in die Kassen spült. "Insgesamt wird der heimische Handel am vierten Adventwochenende mit dem ersten verkaufsoffenen Sonntag seit der Fußball-Europameisterschaft 2008 rund 500 Mio. Euro erwirtschaften. Das entspricht mehr als 8 Prozent der gesamten Dezember-Umsätze im österreichischen Handel. Allerdings kann ein Super-Einkaufswochenende bei weitem nicht die Umsatzverluste von 20 Lockdown-Tagen kompensieren", erklärte Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch. Laut der Branchenvereinigung florierte vor allem der Handel mit Lebensmitteln, Spielzeug, Bekleidung, Kosmetik, Elektronik und Büchern. Auch viele Möbelhäuser waren gut besucht.

Ausnahmeregel für Sonntagsöffnung

Die heimischen Händler durften aufgrund einer Ausnahmeregelung erstmals österreichweit am Sonntag öffnen. Die einmalige Sonderregelung gilt aber nicht für Supermärkte, Drogerien und andere Geschäfte, die während des letzten Lockdown offen waren. Wegen der vierten Corona-Welle ist ein Großteil des stationären Handels heuer um drei Einkaufssamstage im Advent und den traditionell starken Marienfeiertag umgefallen. Der offene Sonntag vor Weihnachten sollte einen Teil des Lockdown-Umsatzausfalls ausgleichen.

Zusatzumsatz von 150 Millionen Euro

Handelsforscher der Uni Linz rechneten mit einem Zusatzumsatz von 150 Mio. Euro. Der Umsatz am verkaufsoffenen Sonntag ist laut Schätzungen mit einem Freitag, aber nicht mit einem Samstag in der Adventzeit vergleichbar. Beschäftigte, die sich freiwillig für diesen Tag melden, verdienen das Doppelte und bekommen einen extra freien Tag. Ein Türöffner für die generelle Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten soll der Ausnahmesonntag nicht werden. Die Gewerkschaft lehnt weitere Sonderregelungen für die Sonntagsöffnung ab.

Damit das Einkaufserlebnis möglichst ungestört verläuft, ist in Wien das für Sonntagabend geplante Lichtermeer zum Gedenken an die in Österreich an Covid-19 verstorbenen Menschen auf 19.00 Uhr verschoben worden. Schon am Samstag wurden Anti-Corona-Demos in der Wiener Innenstadt verboten, um das Geschäftstreiben nicht zu behindern. Impfgegner durchbrachen jedoch die Absperrungen.

(Quelle: APA)

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