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Betroffene in Österreich

"Soziales Aids" als größtes Problem

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Für Aids-Betroffene in Österreich sei Ausgrenzung und Diskiminierung das größte Problem, geht aus einer aktuellen Befragung hervor.

In Österreich leben laut Aidshilfe zwischen 8.000 und 9.000 Menschen mit HIV/Aids. Hierzulande ist nicht die medizinische Versorgung das Problem, sondern Stigmatisierung und Diskriminierung. Das ergab eine Befragung unter Betroffenen anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember.

Insgesamt stehen Betroffenen zurzeit an die 30 Einzel- bzw. Kominationspräparate zur Verfügung. Nach wie vor werden jedoch neue Wirkstoffe entwickelt und optimiert. Aktuell sind Medikamente in Spritzenform in Entwicklung, die nur mehr alle paar Wochen verabreicht werden müssen anstelle von regelmäßiger Tabletteneinnahme.

HIV bei wirksamer Therapie nicht ansteckend

Durch eine wirksame Therapie werde die Virenproduktion außerdem dermaßen unterdrückt, dass ein Nachweis im Blut mit gängigen Methoden nicht mehr möglich ist. Das bedeutet auch: KEINE Übertragung von HIV an nicht-infizierte Menschen. Zu dieser Erkenntnis kam die sogenannte Partner-Studie vor rund fünf Jahren. In der Untersuchung wurden Paare mit unterschiedlichem HIV-Status insgesamt vier Jahre lang beobachtet und regelmäßig befragt. Sie hatten ungeschützten Geschlechtsverkehr, doch die Ansteckung war gleich null.

Assoziationen des Anstößigen

Die Krankheit hat sich durch die Weiterentwicklung zwar von einem Todesurteil zu einer gut behandelbaren chronischen Krankheit gewandelt, jedoch kann sie zu gesundheitlichen Problemen führen. Nicht außer Acht gelassen werden dürfen auch die psychischen Auswirkungen. HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten wecken bei vielen Menschen noch immer Assoziationen des Unmoralischen, Verwerflichen und Anstößigen. Es kommt immer wieder zu Diskriminierungen in den verschiedenen Lebensbereichen, macht die Aidshilfe Salzburg aufmerksam und schildert Beispiele aus dem Alltag:

  • Vielen Menschen, die HIV-positiv sind, fällt es schwerer eine Partnerschaft einzugehen, da sie oft verlassen werden, wenn sie dem Partner/der Partnerin von ihrer Infektion erzählen.
  • Menschen, die sich mit einer sexuell übertragbaren Infektion angesteckt haben und deshalb zu einem Arzt gehen, werden vom behandelnden Arzt bloßgestellt und für ihr Sexualverhalten gemaßregelt.
  • In der Aidshilfe Salzburg kommt eine anonyme Email an, in der wir aufgefordert werden, HIV-positive Menschen zu outen, da diese eine Gefahr für ihre Mitmenschen darstellen würden.
  • Menschen werden von Ex-Partnern oder Bekannten zwangsgeoutet.
  • HIV-positive Arbeitnehmer werden rechtswidrig gekündigt oder gar fristlos entlassen.
  • Ein HIV-positiver Patient wird vom behandelnden Hausarzt getadelt und der Praxis verwiesen, da er ihm den HIV-Status nicht sofort mitgeteilt hat.
  • Eine HIV-positive Patientin, die wegen akuter Zahnschmerzen eine Zahnambulanz aufsucht, wird vom Zahnarzt umgehend der Praxis verwiesen.

14 Aids-Betroffene in Österreich befragt

Im Frühjahr 2019 hat Spectra Marktforschung Tiefeninterviews mit 14 Betroffenen aus Österreich aus faktisch allen Altersgruppen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Vorfeld des Welt-Aids-Tages am Sonntag veröffentlicht. Befragt wurden acht Männer und sechs Frauen, das überwiegende Risiko waren sexuelle Kontakte gewesen. "Die medizinische Versorgung ist hervorragend. Aber macht alles, zur Heilung von 'sozialem Aids'. Die Bewältigung des sozialen Stigmas ist noch immer ein Riesenproblem", fasste Marktforscher Walter Wintersberger Aussagen und Erkenntnisse aus den Befragungen zusammen.

Retrospektiv ließen sich in den Befragungen vor allem drei Gruppen unterscheiden: Personen, die von Anfang an gut über HIV/Aids informiert waren und sehr schnell zu Test, Diagnose und Therapie kamen, Betroffene, die ihr Risiko nicht wahrgenommen hatten oder es verdrängten und schließlich Menschen, die aus Angst und Schrecken vor HIV/Aids den Test und die Diagnose so lange wie möglich hinausschoben. Zum Teil massive Gesundheitsprobleme waren damit verbunden.

"Diagnose ein Schock"

"Für alle war die Diagnose ein Schock. Nur einer sagte, er sei fast erleichtert gewesen, weil er keine Angst mehr vor einer Ansteckung haben brauchte", schilderte der Marktforscher. Je informierter die Betroffenen von Anbeginn waren, desto eher wandten sie sich an professionelle Helfer und Institutionen wie Aidshilfe, spezialisierte Ärzte oder Spitalsambulanzen.

(Quelle: APA/S24)

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