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Impfstoffbeschaffung

SPÖ will Anschober in Ausschuss laden

Aussagen des Kanzlers für Greiner "völlig unglaubwürdig"

Anschober soll seine Sicht der Impfstoffbeschaffung darlegen

Die Ladung Anschobers in den Corona-Beschaffungsausschuss war für 27. April geplant gewesen. (ARCHIVBILD)

Die SPÖ will den zurückgetretenen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in den Corona-Beschaffungsausschuss laden, wenn er dazu bereit ist. Begründet wird das damit, dass Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei seiner Befragung im ständigen Unterausschuss des Rechnungshofausschusses zugegeben habe, dass die Regierung im Rahmen der europäischen Impfstoffbeschaffung auf Millionen Impfdosen verzichtet und die Verantwortung dafür auf Anschober geschoben habe.

Kurz habe im sogenannten Kleinen Untersuchungsausschuss zu den Corona-Beschaffungen jegliche Schuld und Verantwortung dafür von sich gewiesen und stattdessen behauptet, dass die Verantwortung für die Beschaffung der Impfstoffe bei Anschober und dem Beamten Clemens Martin Auer gelegen sei. Außerdem habe der Kanzler behauptet, dass das Sparen bei den Impfstoffen kein Thema gewesen sei, Anschober habe nur nie um mehr Geld gebeten, schildert Karin Greiner, die Fraktionsführerin der Sozialdemokraten. Für sie sind die Aussagen des Kanzlers "völlig unglaubwürdig", weil Anschober selbst sehr wohl von einem Kostendeckel, den es gegeben habe, gesprochen habe.

Anschober-Ladung für Ende April geplant

Die Ladung des Gesundheitsministers in den Corona-Beschaffungsausschuss war für 27. April geplant gewesen. "Auch wenn er als Minister zurückgetreten ist, möchten wir Rudi Anschober weiterhin die Möglichkeit geben, sich gegen die Anschuldigungen von Sebastian Kurz zu wehren. Anschober könnte bei dieser Gelegenheit seine Sicht der Impfstoffbeschaffungen ungefiltert darlegen und das Bild wohl etwas zurechtrücken. Wir würden uns wünschen, dass Rudi Anschober unsere Einladung in den Ausschuss annehmen würde, insbesondere weil Kanzler Kurz ihm und seinem ehemaligen Ressort alleine die Schuld dafür, dass Österreich zu wenig Impfstoff hat, in die Schuhe schieben will", so Greiner.

Gleichzeitig respektiere man selbstverständlich die Privatsphäre Anschobers. Wenn er dem Ausschuss nicht als Auskunftsperson zur Verfügung stehen wolle, werde die SPÖ offiziell auf die Ladung des Ex-Gesundheitsministers verzichten und für eine erweiterte Befragung von Clemens Martin Auer plädieren, erklärte Greiner.

(Quelle: APA)

Gesundheitsminister Rudi Anschober tritt zurück

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Dienstag, 13. April 2021, während einer "Persönlichen Erklärung" in Wien APA/ROLAND SCHLAGER
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei seiner persönlichen Erklärung am Dienstag, 13. April 2021.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) gab heute eine persönliche Erklärung ab. "Ich bin überarbeitet und ausgepowert", erklärte Anschober und verkündete seinen Rücktritt.

"Mir ist teilweise die Kraft ausgegangen, ich habe Kreislaufprobleme, steigende Blutdruck- und Zuckerwerte. Vor einem Monat hatte ich einen Kreislaufkollaps", erklärt Anschober am Dienstag. Er habe sich überarbeitet, denn seit Monaten habe er keinen einzigen freien Tag gehabt.

Anschober: "Ausgepowert und überarbeitet"

Nach seinem Kollaps sei er in Spitalsbehandlung gewesen, wollte es dann noch einmal versuchen. Spekulationen über ein Burnout wies Anschober entschieden zurück, denn er wisse ganz genau, wie sich ein solches anfühlt. "Ich bin überarbeitet und ausgepowert." 

Mit Rücktritt "Notbremse ziehen"

Vor genau einer Woche sei dann der zweite Kollaps erfolgt und Anschober merkte, dass er für sich eine Notbremse ziehen müsse. Weil die Republik in der Krise einen Gesundheitsminister brauche, der voll einsatzfähig ist, könne er keine Auszeit nehmen. Bis Montag soll Vizekanzler Werner Kogler die Geschäfte führen, dann soll sein Nachfolger angelobt werden. Dieser dürfte heute bei einer Pressekonferenz um 12 Uhr von Kogler präsentiert werden. Auch hier berichten wir für euch LIVE.

Mückstein Favorit in Anschober-Nachfolge

Als Favorit gilt der Mediziner und Ärztekammer-Funktionär Wolfgang Mückstein, wie die APA aus Regierungskreisen erfuhr. Vizekanzler Werner Kogler dürfte die Personalia schon um 12 Uhr bei einer Pressekonferenz klären. Allgemeinmediziner Mückstein ist einer der Leiter des Primärversorgungszentrums im sechsten Wiener Gemeindebezirk. In der Wiener Ärztekammer fungiert der Mit-Vierziger als Referent für Gruppenpraxen und neue Organisationsformen.

Seit 14 Monaten durchgearbeitet

Er habe seit 14 Monaten praktisch durchgearbeitet, und "ich hab mich dabei ganz offensichtlich überarbeitet", erklärte Anschober mit brüchiger Stimme in einer rund halbstündigen Pressekonferenz Dienstagvormittag im Ministerium. Zunehmend sei ihm die Kraft ausgegangen, als Folgen seiner Überlastung habe er mit Kreislaufproblemen, steigendem Blutdruck, Probleme mit dem Blutzuckerspiegel und einem beginnenden Tinnitus zu kämpfen gehabt. Vor einem Monat hatte Anschober den ersten Kreislaufkollaps, über den er auch offen gesprochen habe, denn "für Erkrankungen braucht sich niemand schämen".

Nachdem er keine organischen Schäden davongetragen hatte, wollte er es noch einmal versuchen, schilderte Anschober. Der zweite Kollaps folgte jedoch vergangenen Dienstagmorgen. "Ich hab gemerkt, da muss ich jetzt für mich eine Notbremse ziehen." Ein Burnout wie vor mehreren Jahren habe er diesmal nicht, betonte Anschober. "Ich bin überarbeitet und ausgepowert – das ist es."

Ärzte raten zur Schonung und Auszeit

Die Ärzte hätten ihm zur Schonung und einer Auszeit geraten, und er sei auch der Meinung, dass dies grundsätzlich in jedem Beruf möglich sein müsste - aber in der Corona-Pandemie sei man eben nicht in einer normalen Situation. Die Pandemie mache keine Pause, deshalb könne auch der Minister keine Pause machen. Da er sich selbst kenne, wisse er auch, dass er stets 100 Prozent Leistung bringen wolle, auch wenn er nur zur Hälfte fit sei.

Er habe sich deshalb entschlossen, seine Funktion als Minister niederzulegen und Bundespräsident Alexander Van der Bellen gebeten, ihn mit kommendem Montag zu entbinden und einen Nachfolger anzugeloben. Bis dahin werde er von Kogler vertreten. Er wolle nun eine gute Übergabe sicherstellen, betonte Anschober.

Für die Zeit nach seiner Erholung habe er "noch keine konkreten Pläne". Er werde sein Wissen und seine Kompetenz aus jahrelanger Regierungstätigkeit - Anschober war früher Landesrat in Oberösterreich - weitergeben. Auch wolle er "irgendwann" seinen Traum erfüllen und einen politischen Roman schreiben. Dafür habe er in seiner Zeit als Minister wohl "die eine oder andere Inspirationsquelle" gefunden.

Anschober kämpft am Ende der Pressekonferenz mit Tränen

Am Ende seines emotionalen Statements bedankte sich Anschober mit den Tränen kämpfend bei seiner Partnerin, seinen Mitarbeitern, dem grünen Regierungsteam und dem grünen Klub sowie Werner Kogler, "meinem Freund". Dank sprach Anschober auch all jenen Menschen aus, die ihm Mails, Briefe, Blumen und Mehlspeisen geschickt haben. "Und Ihnen sag' ich Auf Wiedersehen", verabschiedete sich Anschober bei den Journalisten und verließ unter Applaus seiner Mitarbeiter den Saal. Fragen waren nicht zugelassen.

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Salzburger Stadträtin Berthold als Anschober-Nachfolgerin?

Über mögliche Nachfolger wird bereits in verschiedenen Medienberichten spekuliert. Genannt worden sei auch die Salzburger Stadträtin Martina Berthold. 

Aufgerufen am 13.05.2021 um 11:16 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/spoe-will-anschober-in-corona-beschaffungsausschuss-laden-102603463

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