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"STOP"

Projekt gegen Femizide nimmt Fahrt auf

Gewaltschutz appelliert an Zivilcourage

symb_frauen APA/BARBARA GINDL
Frauenhäuser und Beratungsstellen haben das Projekt "StoP" ins Leben gerufen, um Femizide zu reduzieren. (ARCHIVBILD)

Anfang 2019 in Wien-Margareten als Pilotprojekt ins Leben gerufen, wurde die Initiative "StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt" vor einem halben Jahr österreichweit ausgerollt. An nun bundesweit 15 Standorten wird Präventionsarbeit betrieben.

Maria Rösslhumer, Gesamtkoordinatorin von StoP-Österreich, sprach angesichts von heuer 31 Femiziden und 55 Mordversuchen an Frauen von einer "alarmierenden Lage".

Corona verschärft Situation

Rösslhumer und mehrere ihrer Kolleginnen gaben im Rahmen einer Video-Konferenz Einblick in die Arbeit von StoP. "Männergewalt an Frauen gab es schon vor der Pandemie und den Lockdowns, daher ist Corona nicht die Ursache der Männergewalt an Frauen", stellte Rösslhumer fest. Allerdings verschärfe Corona die Situation. Obwohl Österreich an und für sich gute Gesetze und ein flächendeckendes Netz an Opferschutzeinrichtungen habe, sei das Ausmaß der Gewalt an Frauen und Kindern dennoch extrem hoch. Rösslhumer führte dafür mehrere Gründe an, unter anderem fehle eine echte Gleichstellungspolitik. "Dadurch schlittern viele Frauen und Mütter in die wirtschaftliche Abhängigkeit und in die Gewaltfalle", so Rösslhumer. Zudem wies sie auf ein "tief sitzendes patriarchales System bzw. Denk- und Verhaltensmuster, gekoppelt mit Machtmissbrauch, Kontrolle und Besitzdenken" hin, ebenso auf eine gesellschaftliche Frauenverachtung und verbal-sexistische Gewalt in der Sprache.

"Zivilcourage gegen Partnergewalt"

Es benötige einen gesellschaftlichen Wandel, und das sei der Punkt, an dem StoP ansetze. Das Projekt verbinde die Arbeit der Frauenhäuser, Beratungsstellen und Gewaltschutzzentren mit der Einbeziehung des Gemeinwesens. "Alle können einen Beitrag zur Zivilcourage gegen Partnergewalt leisten. Vor allem jene Menschen in der Nachbarschaft, im Umfeld der Betroffenen", betonte Rösslhumer.

Gewaltbetroffene Frauen scheuen Behörden

Aus der Praxis berichteten etwa Nikola Furtenbach und Gabi Plattner aus Bregenz und Innsbruck. Man habe bereits die Erfahrung gemacht, dass man auf der Straße mit Gewalt betroffener Frauen in Kontakt gekommen sei, die sich nicht getraut hätten, sich an die Behörden oder eine Einrichtung zu wenden, erzählte Furtenbach. Claudia Horvath-Griemann zeigte für ihren in Oberwart angesiedelten Standort das Zusammenspiel zwischen vielen Partnern - unter anderem Genossenschaften, Stadtgemeinde, Männerberatung, Gewaltschutzzentrum, Polizei - auf.

Frauentische zum Austausch 

Clara Bauer, Projektkoordinatorin in Wien-Favoriten, stellte das Konzept der "StoP-Frauentische" vor. Dabei können sich Frauen in angenehmem Rahmen vertraulich untereinander austauschen. In vier Wiener Bezirken werden solche Frauentische bereits regelmäßig abgehalten. Monika Taschauer aus Linz, eine "aktive StoP-Nachbarin", unterstrich den großen Wert dieser Bemühungen.

Das Sozialministerium (680.000 Euro), der Fonds Gesundes Österreich und die Wiener Gesundheitsförderung (260.000 Euro) finanzieren 13 der 15 Standorte, in Salzburg und Klagenfurt sind die Städte Geldgeber. Das Ziel von Rösslhumer ist es, die StoP-Initiative in jeder Gemeinde Österreichs zu etablieren. "Auch im kleinsten Dorf soll man wissen, dass Gewalt keinen Platz hat", stellte sie fest.

(Quelle: APA)

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