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Studie zeigt: Einsamkeit schädigt Erbsubstanz

Graupapageien sind sehr soziale Tiere Salzburg24
Graupapageien sind sehr soziale Tiere

Einsamkeit kann das Erbmaterial schädigen. Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigten, dass einzeln gehaltene Graupapageien kürzere Endkappen der Chromosomen (Telomere) haben als Tiere, die mit Artgenossen gehalten wurden, berichten sie im Fachjournal "Plos One". Telomere schützen die DNA bei jeder Zellteilung, ihre Länge gilt als Indiz für die Lebensspanne einer Zelle.

Telomere verkürzen sich bei jeder Zellteilung. Sobald eine kritische Länge erreicht ist, kann sich die Zelle nicht mehr teilen - was bei alten, möglicherweise geschädigten Zellen von Vorteil ist. Mehrere Studien würden darauf hindeuten, dass Stress die Telomere schneller schrumpfen lässt. So hätten Untersuchungen beim Menschen gezeigt, "dass übermäßig gestresste und sozial ausgegrenzte Personen über kürzere Telomere verfügen", erklärte Dustin Penn vom Konrad-Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung an der Vetmeduni am Freitag in einer Aussendung.

In ihrer Studie haben die Forscher erstmals den Einfluss von sozialer Isolation bei Tieren auf die Telomerlänge untersucht - und zwar bei Graupapageien. Dabei handelt es sich um sehr soziale Vögel, deren Einzelhaltung in Österreich verboten ist. Dennoch werden sie in Privathaushalten oft ohne Artgenossen gehalten - mit oft schwerwiegenden Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere.

Die Wissenschafter haben nun DNA-Proben von Graupapageien im Alter zwischen einem und 45 Jahren analysiert, die im Rahmen von Routineuntersuchungen gewonnen wurden. Dabei wurde die Telomerlängen von alleine und in Paarhaltung lebenden Vögeln verglichen. Erwartungsgemäß waren die Telomere bei älteren Papageien kürzer als bei jüngeren Tieren. Bei ungefähr gleich alten Tieren waren aber die Chromosomen-Endkappen bei einzeln gehaltenen Graupapageien deutlich kürzer als jene von Vögeln, die mit einem Artgenossen lebten.

Penn und sein Team hatten bereits zuvor bei Hausmäusen gezeigt, dass die Haltung von zu vielen Individuen in einer Behausung zu beschleunigter Verkürzung der Telomere führt. Offensichtlich haben "beide Extreme der sozialen Umgebung, Einsamkeit aber auch zu dichte Behausung, einen Einfluss auf die Länge der Telomere", so Penn. Um die Resultate zu untermauern, wollen die Forscher in Langzeitstudien herausfinden, wie sich die Telomerlänge im Verlauf eines individuellen Lebens verändert. Unklar ist zudem, inwieweit Gesundheit und Lebenserwartung tatsächlich mit dieser stressbedingten Telomerverkürzung zusammenhängen.

(Quelle: S24)

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