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Tabuthema

Suizid ist häufigste Todesursache bei Jugendlichen

Stress, Ängste, Depressionen oder Cyber-Mobbing als Auslöser

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Suizid ist immer noch ein großes Tabuthema. (SYMBOLBILD)

Das Thema Selbstmord ist nach wie vor ein großes Tabuthema. Und gleichzeitig ist Suizid die häufigste Todesursache bei Jugendlichen. Die Beratungsgespräche bei der Notrufnummer von Rat auf Draht nehmen dramatisch zu.

"Suizid zählt zu den häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen weltweit und wird trotzdem immer noch als Tabuthema behandelt", sagt Birgit Satke, Leiterin der Notrufnummer 147 von Rat auf Draht. Von Jänner bis August wurden von der Anlaufstelle heuer schon mehr als Beratungsgespräche geführt, es sei mit einem ähnlich hohen Niveau wie 2021 zu rechnen. Am Samstag (10. September) ist Welttag der Suizidprävention.

 

Pandemie hinterlässt psychische Spuren

Das zweite Corona-Jahr mit Isolation, fehlendem Kontakt zu Gleichaltrigen, Homeschooling, Distance-Learning und Zukunftsängste hat Spuren hinterlassen. "Meist sind es allerdings mehrere Faktoren gleichzeitig, die zu Suizidgedanken oder suizidalen Handlungen führen", sagte Satke. Dazu gehören Konflikte in der Familie, Gewalterfahrungen, Stress in der Schule, Versagensängste, depressive Verstimmungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Cyber-Mobbing.

Betroffene oft antriebslos und depressiv

In den Gesprächen zeigten sich Betroffene antriebslos und in depressiver Stimmung, überfordert und ohne Ausweg. "Dadurch können sie oft Unterstützungsangebote, die es in der Familie oder im Freundeskreis gibt, nicht erkennen und die Tragweite ihrer Gedanken oder Handlungen nicht real abschätzen", warnte Satke.

Notrufnummer 147 Tag und Nacht besetzt

Gerade dann sei Hilfe von außen wichtig. Die Notrufnummer 147 ist rund um die Uhr erreichbar. "Unser Part besteht darin, die akute Krise aufzufangen und die Anrufer:innen soweit zu stabilisieren, dass die Suizidgedanken oder suizidalen Handlungen gut abgefangen werden können", so Satke.

Zahl der Beratungsgespräche deutlich angestiegen

Die Zahl der Beratungsgespräche war schon 2021 gegenüber dem Jahr davor um 17,24 Prozent auf rund 1.400 gestiegen, heuer gab es bis August rund 920 Beratungen. Auf dem Onlineportal Elternseite für Bezugspersonen zeige sich ein ähnliches Bild: "Die Videoberatungen für besorgte Angehörige zum Thema Suizid haben sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt", so Ines Campuzano, psychologische Beraterin der Elternteile.

Beraterinnen appellieren für mehr Aufklärung

Beide Expertinnen wünschen sich mehr Aufklärung. "Oft geht es den Eltern in erster Linie um die Frage, ob das Thema überhaupt offen ansprechbar ist. Enttabuisierung ist eines unserer größten Aufgabenfelder", berichtete Campuzano. Über die Probleme zu sprechen sei wichtig: "Man löst damit keinen Suizid aus, ganz im Gegenteil, das Ansprechen wirkt oft sehr entlastend. Im Gespräch selbst sollte man das Kind und seine Sorgen ernst nehmen, Ruhe bewahren, keine Vorwürfe machen und Unterstützung anbieten."

Hilfe bei psychischen Problemen

Bist du in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchst Hilfe? Sprich mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums.

Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich. Infos für Jugendliche gibt es unter www.bittelebe.at.

Angebote im Land Salzburg

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 25.09.2022 um 06:15 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/suizid-ist-haeufigste-todesursache-bei-jugendlichen-126747760

Kommentare

MaleFix

Da könnte die Politik mal in die Gänge kommen, anstatt Therapiestellen Therapeuten wegzusparen und Rehabstellen aufzustocken . Und das man in den Grundschulen mal wieder beginnt mit den Kindern zu reden anstatt am PC zu sitzen

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