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Österreich im Ausnahmezustand

IS bekennt sich zu Terror-Anschlag in Wien

5 Tote, 22 Verletzte, keine Hinweise auf weitere Täter

Wien steht am Tag nach dem blutigen Terror unter Schock. Das Attentat in der Wiener Innenstadt Montagabend war der schwerste Terroranschlag der jüngeren österreichischen Geschichte. Vier Menschen wurden getötet, es gibt 22 Verletzte. Der 20-jährige Täter ist tot, der IS bekennt sich zum Attentat.

Bei dem Anschlag in der Wiener Innenstadt sind fünf Menschen ums Leben gekommen. Vier davon sind Opfer, bei ihnen handelt es sich um zwei Frauen und zwei Männer. Der fünfte Tote ist der Attentäter, der mittlerweile identifiziert wurde.

IS reklamiert Anschlag für sich

Am Abend vermeldet die APA, dass sich der Islamische Staat (IS) zum Anschlag bekennt. Ein "Soldat des Kalifats" habe die Attacke mit Schusswaffen und einem Messer verübt und am Montagabend in der Innenstadt rund 30 Menschen getötet oder verletzt, darunter auch Polizisten, teilte der IS am Dienstag auf seiner Plattform Nashir News mit. Auch aus einer IS-Erklärung auf dem Messaging-Dienst Telegram ging am Dienstagabend das Bekenntnis der extremistischen Organisation hervor. Hinweise zur Untermauerung der Erklärung gab es allerdings nicht.

Das Innenministerium überprüft das Bekennerschreiben. Es könne noch nicht gesagt werden, ob es echt ist oder nicht, hieß es gegenüber der APA .

Keine Hinweise auf weitere Täter

Nach den neuesten Ermittlungserkenntnissen von Dienstagnachmittag gab es vorerst keine Hinweise auf einen zweiten Täter. Das sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) bei einer Pressekonferenz. Im Umfeld des Täters fanden in Wien und Niederösterreich 18 Hausdurchsuchungen statt, 14 Personen wurden vorläufig festgenommen.

"Die Beweismittel werden aktuell gesichtet und ausgewertet", sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf. Die Festgenommenen stammen aus dem Bekannten- und Freundeskreis des 20-Jährigen. Nach ersten Erkenntnissen gab es keine Hinweise, dass sie aktiv in den Anschlag involviert waren.

Nehammer: "Toleranz ist ein unteilbares Gut"

Der angeschossene Beamte befand sich laut dem Innenminister nach einer Operation in stabilem Zustand. Nehammer betonte auch, dass der angeschossene Polizist von zwei Österreichern mit Migrationshintergrund in Sicherheit gebracht worden war. "Toleranz ist ein unteilbares Gut", bekräftigte der Innenminister. "Wir lassen uns unsere Lebensfreude, unsere Freiheit, unsere Toleranz, unser gemeinsames Leben in Österreich und in der Bundeshauptstadt sicher nicht durch Gewalt zerstören", sagte Nehammer. "Alle, die glauben zu diesen Mitteln greifen zu müssen, müssen mit der vollen Konsequenz, Klarheit und Härte des Rechtsstaats rechnen." In der Wohnung des Attentäters sind bei einer Hausdurchsuchung Munitionsteile sichergestellt worden. Zusätzlich wurde umfangreiches weiteres Beweismaterial beschlagnahmt, das erst ausgewertet werden muss. Es gebe aber bereits ein "klares Indiz zur Nähe zum Islamischen Staat (IS)", sagte Nehammer. Der 20-Jährige habe dementsprechende Postings in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Eine erhöhte Sicherheitswarnung, vor allem in Wien, bleibt weiterhin aufrecht, heißt es. Aber auch in Salzburg wurde die Polizeipräsenz stark verstärkt. In Wien war die Innenstadt schon seit den frühen Morgenstunden abgeriegelt. Rund 1.000 Polizisten standen im Einsatz, Unterstützung kam von Beamten aus mehreren Bundesländern. Auch das Bundesheer wurde aktiviert.

Nehammer übt Kritik an Justiz

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hat am Dienstagnachmittag deutliche Kritik an dem Umstand geübt, dass der von der Polizei erschossene Attentäter vorzeitig aus einer 22-monatigen Haftstrafe bedingt entlassen worden war. Der 20-Jährige habe es geschafft, "das Deradikalisierungsprogramm (Derad) der Justiz zu täuschen", sagte Nehammer. Es bedürfe daher einer "Evaluierung und Optimierung des Systems".

Dem Vernehmen nach soll der 20-Jährige vor wenigen Tagen - Ende Oktober - einen Termin bei Derad absolviert haben. Dabei habe er explizit die jüngsten Terroranschläge in Frankreich verurteilt, hieß es. In Wahrheit gebe es aber "eine Fülle von Hinweisen auf seine Radikalisierung", betonte der Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, bei der Pressekonferenz im Innenministerium.

14 Verdächtige festgenommen

Am Dienstag waren 14 Personen aus dem Umfeld des getöteten Täters festgenommen worden. Es gebe noch keine Anträge der Staatsanwaltschaft darauf, denn sie würden immer noch von der Polizei einvernommen - und seien somit auch noch nicht in die Justizanstalt eingeliefert, erklärte die Sprecherin der StA Wien, Nina Bussek, am Dienstag auf Nachfrage der APA. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hatte von Untersuchungshaft für alle 14 berichtet.

Details zum Einsatz der Polizei

Am Tag nach dem Anschlag wurden weitere Details zum Ablauf bekannt. So hat es zumindest zwei Schusswechsel mit der Polizei gegeben. Gegen 20:00 Uhr erhielt der Notruf der Wiener Polizei mehrere Anrufe, nachdem Schüsse im Bereich Seitenstettengasse in der Innenstadt zu hören waren. Kurz nach den Schussabgaben wurde der schwer bewaffnete Angreifer bereits von Streifenbeamten wahrgenommen, es kam zu einem ersten Schusswechsel. Hierbei erlitt ein Streifenpolizist eine Schussverletzung am Bein. Um 20:09 Uhr nahm eine Sektorstreife der Sondereinheit WEGA den Täter im Bereich Ruprechtsplatz wahr.

Die Polizisten gaben im Zuge der versuchten Anhaltung dieses Angreifers mehrere Schüsse auf ihn ab. Der 20-Jährige erlag an Ort und Stelle seinen Verletzungen. Er hatte zuvor auf Passanten und Polizisten gefeuert. Während der neun Minuten, die zwischen Angriff und Neutralisierung des bekannten Täters lagen, wurden an verschiedenen Tatorten zwei Frauen und zwei Männer tödlich verletzt sowie 22 weitere Personen teils schwer verletzt.

Laut den ersten Ermittlungen gab es zumindest vier Tatorte im unmittelbarer Nähe zur Seitenstettengasse. An zwei weiteren Orten kam es zu Vorfällen, wo Personen verletzt wurden. Inwieweit diese Vorfälle zusammenhängen, war am Dienstag noch unklar. 

Vertreter Österreichs bei Kranzniederlegung 

Während die Ermittlungen auf Hochtouren liefen haben Vertreter des offiziellen Österreich und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Österreich (IKG), Oskar Deutsch am Dienstag bei der Kranzniederlegung im Bereich des Tatorts des Wiener Anschlags ihre Kondolenz bekundet. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und weitere Vertreter der Regierung sowie der Parteien gedachten am abgesicherten Bereich des Tatorts der Opfer.

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Kurz meldet sich nach Terroranschlag

Bundeskanzler Sebastian Kurz beruft für Dienstagfrüh (9 Uhr) einen Sonderministerrat per Videokonferenz ein. Im Anschluss wird er sich mit einer Rede an die Bevölkerung wenden – SALZBURG24 wird LIVE berichten.

(Quelle: APA)

Terroranschlag mit Toten in Wien

Terroranschlag Wien APA/HERBERT NEUBAUER
In Wien hat sich am Montagabend ein mutmßalicher Terroranschlag ereignet.

Der blutige Terroranschlag in der Wiener Innenstadt Montagabend hat mindestens fünf Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte gefordert – unter den Toten ist auch ein Attentäter. Laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) handele es dabei sich um einen IS-Sympathisanten. Die Behörden gehen nach wie vor davon aus, dass mehrere Attentäter an dem Angriff beteiligt waren und hielten ihre Warnungen, zuhause zu bleiben und insbesondere die Innenstadt zu meiden, aufrecht. Wir berichten LIVE!

Vier der Toten sind Opfer, bei ihnen handelt es sich um zwei Frauen und zwei Männer. Der vierte Tote ist ein Attentäter, der mittlerweile identifiziert wurde. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sprach bei einer Pressekonferenz Dienstagfrüh von einem "Anschlag von mindestens einem islamistischen Terroristen". Demnach war der Angreifer "Sympathisant der Terrormiliz IS".

Alle Ereignisse im LIVETICKER

 

Schüsse im beliebten Ausgehviertel

Ein Mann war bereits am Abend verstorben, nachdem mehrere Männer mit Langwaffen und Pistolen wahllos auf Passanten und Lokalbesucher in einem Ausgehviertel geschossen hatten. Ein Täter wurde von Sicherheitskräften erschossen. Die Polizei rief die Bevölkerung dringend dazu auf, in den Häusern zu bleiben und nicht auf die Straßen zu gehen.

Schulpflicht in Wien ausgesetzt

Die Schulpflicht in der Bundeshauptstadt wurde für Dienstag ausgesetzt. Die Wiener Innenstadt war bis in die frühen Morgensstunden nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Polizist bei Schießerei verletzt

Der Angriff hatte gegen 20 Uhr im belebten Ausgehviertel Bermuda-Dreieck begonnen, in dem kurz vor Beginn neuer Corona-Ausgangssperren und bei lauem Wetter viele Menschen unterwegs waren. Nach dem ersten Notruf bei der Polizei und dem Eintreffen der Einsatzkräfte kam es in weiterer Folge zu Schießereien zwischen der Polizei und den Tätern. Ein Polizist wurde dabei angeschossen und schwer verletzt. Insgesamt wurden 15 Menschen verletzt, viele davon schwer. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sprach vom "schwersten Tag für Österreich seit sehr vielen Jahren".

Polizei und Bundesheer im Einsatz

Der Großeinsatz der Exekutive lief in der Nacht weiter. So waren 150 Cobra- sowie 100 Wega-Beamte im Einsatz, dazu kamen mehrere 100 Streifenpolizisten sowie Kräfte in zivil. Die Gefahrenabwehr werde mit aller Kraft sichergestellt, sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf. Auch werden in Absprache mit den Partnerländern verstärkt Kontrollen an den österreichischen Grenzen vorgenommen. Weitere Schäden müssen hintangehalten werden, sagte Pürstl.

Auch das Bundesheer wurde aktiviert. Rund 75 Soldaten übernahmen den gesamten Objektschutz in der Bundeshauptstadt, um die Polizei zu entlasten und Teile des Jagdkommandos wurden zur Unterstützung der Terrorismusbekämpfung bereitgestellt.

Augenzeuge berichtet in ZIB von Schüssen

Es hat sich nach Krachern angehört", schilderte ein Augenzeuge, der anonym bleiben wollte, in einer Sonderausgabe der ORF-Sendung "Zeit im Bild". "Dann hat man gemerkt, das sind Schüsse. Dann sah man eine Person die Seitenstetten herunterlaufen, (der hat) mit einer automatischen Waffe wild geschossen. Der ist dann abgebogen, hinunter, beim (Lokal) 'Roter Engel' von dort in Richtung Schwedenplatz. Er hat dort wild weitergeschossen. Dann kam die Polizei und hat geschossen." Auf oe24-TV berichteten Augenzeugen von "mindestens 50 Schüssen".

Vom Vorfall in der Wiener Innenstadt Montagabend kursierten mehrere Videos, die bewaffnete Männer in der Innenstadtstadt zeigt, die wild um sich schießen.

"Ängste unter den Gästen sind ein Wahnsinn"

Von den Schüssen überrascht wurde auch ein 53-jähriger Niederösterreicher, der Montagabend am Hohen Markt in einem Lokal ein Geschäftsessen hatte. "Wir haben die Schüsse gehört, und dann hat es geheißen, Licht aus, Türen zu", berichtete der 53-Jährige im Gespräch mit der APA. Daraufhin hatten sich alle Gäste auf den Boden gelegt. "Die Ängste unter den Gästen sind ein Wahnsinn." Verletzt wurde niemand in dem Restaurant. Ein Großaufgebot von Polizisten kümmerte sich um die Menschen in dem Lokal. Auch Passanten, die auf der Straße unterwegs waren, sollten in das Restaurant gebracht werden, um in Sicherheit zu sein. Dieser Plan wurde dann allerdings wieder geändert. Kurz nach 22.00 Uhr kam es laut dem Niederösterreicher zu einer Entspannung der Lage, die Polizisten wurden von dort wieder abgezogen. Der Bereich galt laut dem 53-Jährigen als gesichert. Die Beamten riefen die Menschen auf, die Wiener Innenstadt zu verlassen.

15 Verletzte in Kliniken eingeliefert

15 Verletzte sind nach der Attacke bisher in der Wiener Innenstadt in Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes aufgenommen worden. Das sagte Christoph Mierau, Sprecher des Gesundheitsverbundes, auf APA-Anfrage.

Mindestens sieben Menschen haben schwerere Verletzungen erlitten. Ob es sich um Schusswunden oder Verletzungen von einer Explosion handelt, konnte Mierau nicht sagen. Zur Unterstützung rück auch das Rote Kreuz aus Niederösterreich an. Zehn Rettungswagen und fünf Notarzteinsatzfahrzeuge sind auf dem Weg.

Laut Kultusgemeinde niemand in Synagoge

Zum Zeitpunkt des Anschlages dürften sich keine Menschen im Stadttempel in der Seitenstettengasse und in den Räumlichkeiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) befunden haben. Man habe die Gemeindemitglieder dazu

Polizei: Öffis meiden

Die Exekutive ruft dazu auf, alle öffentlichen Plätze in der Stadt zu meiden. Die öffentlichen Verkehrsmittel sollten ebenfalls gemieden werden, appellierte die Polizei in einem auf Englisch verfassten Tweet.

Florian Klenk: "Terroranschlag auf Wiener Synagoge"

"Falter"-Chefredakteur Florian Klenk berichtet auf Twitter, dass die Schüsse direkt vor der Falter-Redaktion gefallen sind.

Aufgerufen am 18.01.2021 um 08:03 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/terroranschlag-in-wien-fuenf-tote-islamistisches-motiv-als-hintergrund-95090032

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