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Gedenken zum 90. Geburtstag

Thomas Bernhards besondere Beziehung zu Salzburg

"Meine Heimatstadt ist eine Todeskrankheit“

Heute jährt sich der Geburtstag von Thomas Bernhard zum 90. Mal – zwei Jahre nach seinem 30. Todestag schon wieder ein "rundes Bernhard-Jubiläum", das Anlass für seine besten Zitate gibt. Zu Salzburg hatte der vielfach prämierte, aber auch sehr streitbare Schriftsteller und Dichter eine ganz spezielle Beziehung.

Salzburg, Seekirchen am Wallersee

Im Roman "Der Untergeher" (1983) rechnet Bernhard mit der Mozartstadt ab: "Überhaupt hatten wir den Horowitzkurs nur deshalb fortsetzen können, weil wir aus der Stadt ausgezogen sind, die im Grunde die kunst- und geistfeindlichste ist, die man sich denken kann, ein stumpfsinniges Provinznest mit dummen Menschen und kalten Mauern, in welchen mit der Zeit alles zum Stumpfsinn gemacht wird, ausnahmslos. Die Salzburger waren immer fürchterlich wie ihr Klima und heute ist alles noch viel fürchterlicher."

Faszinierendes Salzburg

Bernhard faszinierte es auch, dass Salzburg mitunter das "Deutsche Rom" oder "Rom des Nordens" bezeichnet wurde:  "Das ist eine herrliche Bezeichnung, da ist alles drinnen – Rom, Kirche, Deutsch, Nazi, eine wunderbare Mischung."

"Meine Heimatstadt ist eine Todeskrankheit“

Im Buch "Die Ursache", das 1975 erschien, schrieb Bernhard über Salzburg: "Meine Heimatstadt ist in Wirklichkeit eine Todeskrankheit, in welche ihre Bewohner hineingeboren und hineingezogen werden, und gehen sie nicht in dem entscheidenden Zeitpunkt weg, machen sie direkt oder indirekt früher oder später unter allen diesen entsetzlichen Umständen entweder urplötzlich Selbstmord oder gehen direkt oder indirekt langsam und elendig auf diesem im Grund durch und durch menschenfeindlichen architektonisch-erzbischöflich-stumpfsinnig-nationalsozialistisch-katholischen Todesboden zu Grunde."

 

In einem ORF-Interview sagte er damals: "Mit mir und Salzburg ist alles in Beziehung. Aber es kann nur eine Hassliebe sein, weil ich ein lebendiger Mensch bin. Anders ist es nicht möglich. Oder ich lasse mich einverleiben, tanze da mit und gebe mich vollkommen auf – baue Salzburg aus Papiermaschee und Zuckerguss auf und gebe mich auf. Das will ich nicht."

Im Salzburger Stadtteil Lehen ist eine Straße nach dem Literaten benannt und vor dem Landestheater ist eine Gedenktafel zu seinem Ehren errichtet worden – hier wurden fünf seiner Dramen uraufgeführt.

Wer war Thomas Bernhard?

Thomas Bernhard wurde am 9. Februar 1931 in einem Heim für ledige Mütter im holländischen Heerlen geboren – was laut Bernhard Minister Piffl-Percevic bei der Staatspreis-Verleihung zur fälschlichen Behauptung gebracht hatte, er sei "ein in Holland geborener Ausländer". Dabei war seine Mutter Herta Bernhard extra vorübergehend nach Holland übersiedelt, um dem Gerede der Leute zu entkommen, aber auch der besseren Arbeitsmöglichkeiten wegen.

Jugend in Seekirchen verbracht

Bereits nach wenigen Monaten kam der Bub zu den Großeltern in Wien in Pflege. Im Frühjahr 1935 übersiedelte er mit ihnen nach Seekirchen am Wallersee (Flachgau). Seinen Vater, der 1940 starb, lernte er nie kennen.

Odyssee durch Krankenhäuser

Die traumatische Kindheit findet später in seinen fünf autobiografischen Büchern ("Die Ursache. Eine Andeutung", "Der Keller. Eine Entziehung", "Der Atem. Eine Entscheidung", "Die Kälte. Eine Entziehung", "Ein Kind") ihren Niederschlag. 1948 begann die Krankengeschichte Thomas Bernhards mit einer Erkältung. Er wurde mit Lungenentzündung in das gleiche Spital eingeliefert, in dem auch sein geliebter Großvater, der Dichter Johannes Freumbichler, lag und später starb. Für den Enkel begannen langwierige Aufenthalte in Krankenhäusern und Lungenheilstätten, eine Lungentuberkulose kam hinzu. Später war es eine Immunerkrankung, die in Bernhards letztem Lebensjahrzehnt eine starke Medikation notwendig machte.

Studium am Salzburger Mozarteum

1957 schloss er ein Regiestudium am Mozarteum erfolgreich ab und verbrachte in den Folgejahren im Kreise anderer junger Künstler viel Zeit am Kärntner "Tonhof" des Ehepaars Lampersberg. Sein erster publizierter Roman, "Frost", brachte 1963 den Umschwung. Er wurde von dem renommierten deutschen Insel Verlag angenommen und ein durchschlagender Erfolg. Dies ermöglichte ihm den Kauf des Vierkanthofes in Ohlsdorf, in dem der aus ärmlichen Verhältnissen Stammende nach eigenem Geschmack eine herrschaftliche Existenz simulierte.

Sein zweiter Roman "Verstörung" und der Eklat bei der Staatspreisverleihung 1968 festigten nachhaltig Thomas Bernhards Ruf. 1970 begann mit der Uraufführung seines ersten Stückes "Ein Fest für Boris" in Hamburg die kontinuierliche Theaterarbeit Bernhards, die 18 abendfüllende Stücke und einige Dramolette hervorbrachte, sowie seine lebenslange Zusammenarbeit mit dem Regisseur Claus Peymann. Sein Sinn für das Theatralische ließ den studierten Regisseur Bernhard 1972 nicht nur den Salzburger "Notlichtskandal" entfachen, sondern auch zwei Jahre später mit Unterrichtsminister Fred Sinowatz über die Burgtheaterdirektion verhandeln.

Ein gewaltiges Werk

Die 70er- und die erste Hälfte der 80er-Jahre waren ungemein produktive Schaffensjahre, in denen ein gewaltiges Werk entstand, das in den Romanen "Alte Meister" und "Auslöschung" sowie in den Dramen "Der Theatermacher" und "Heldenplatz" gipfelte. Nach dem Tod seines "Lebensmenschen" Hedwig Stavianicek 1984 kämpfte Thomas Bernhard zunehmend mit schweren gesundheitlichen Problemen.

1984 war auch das Jahr der Aufregungen um seinen Roman "Holzfällen. Eine Erregung", in dem sich das Ehepaar Lampersberg wiedererkannte. Lampersberg ging gerichtlich gegen die Verbreitung des Buches vor, das daraufhin konfisziert wurde. Vier Jahre später gingen im Zuge der "Heldenplatz"-Premiere am Burgtheater erneut die Wogen hoch. Die Uraufführung des Stückes am 4. November 1988 wurde zu einem Triumph für Bernhard und Peymann.

Der bereits gesundheitlich schwer angeschlagene Dichter nahm an der Seite des Regisseurs den Applaus entgegen – ein Moment, der Theatergeschichte geschrieben hat. Wenige Wochen später war Thomas Bernhard tot. Er starb am 12. Februar 1989 und wurde in aller Stille am Grinzinger Friedhof beerdigt. Erst nach der Beisetzung wurde die Öffentlichkeit informiert.

(Quelle: APA/SALZBURG24)

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