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Ärzte geben Antworten

Wie gefährlich sind Thrombosen wirklich?

Viele EU-Länder stoppen AstraZeneca-Impfungen

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Die meisten Thrombosen sind laut Allgemeinmediziner Richard Barta oberflächlich. Die Schäden seien in einem Großteil der Fälle gering. (SYMBOLBILD)

Nach Meldungen über Thrombosefälle nach Covid-Impfungen steigt die Unsicherheit in der Bevölkerung, auch wenn es bislang keine Hinweise auf einen Zusammenhang gibt. Aber wie gefährlich sind die Blutgerinnsel?

Pro 1.000 Einwohnern tritt pro Jahr ein Fall von Thrombose und Lungenembolie auf. Das erklärte der Präsident der Gesellschaft für Internistische Angiologie (ÖGIA), Thomas Gary, in einem APA-Interview vergangene Woche. In Österreich sind das rund 8.000 Fälle jährlich.

Venöse vs. arterielle Thrombosen

Thrombosen sind Gerinnsel in einem Blutgefäß. Laut Richard Barta, dem Referenten für Allgemeinmedizin der Salzburger Ärztekammer, wird zwischen zwei Arten unterschieden: Arteriell oder venös. Die venöse Variante sei viel häufiger, führt er im Gespräch mit SALZBURG24 aus. „Dabei verschließt sich die Vene, wodurch eine Entzündung entsteht. Das tut dann weh oder man bekommt je nach Lage Fieber.“ Meistens würden Thrombosen in den Waden entstehen. In schlimmen Fällen löst sich das Gerinnsel und wandert durch den Blutkreislauf an andere Körperstellen. In der Lunge könnte es so zu einer Embolie, im Gehirn zu einem Schlaganfall kommen.

Die gefährlichste Komplikation einer tiefen Venenthrombose ist eine Lungenembolie, denn dabei löst sich ein Thrombus von der Gefäßwand ab und wird mit dem Blutstrom durch das Herz in die Lunge geschwemmt. Dies kann zu einer plötzlichen Überlastung des Herzens mit der Gefahr eines Herzstillstandes führen. Die Folge ist eine Lungenembolie, die in jedem zehnten Fall tödlich verläuft.

Sorge um Gerinnsel in Hirnvenen

Nach Meldungen über Blutgerinnsel nach Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca haben zahlreiche EU-Länder die Verwendung vorerst eingestellt. Besonders besorgt sei man aufgrund von Thrombosen der Hirnvenen. Patienten mit einer Hirnvenenthrombose klagen unter anderem über Kopfschmerzen, Sehstörungen oder epileptische Anfälle. Weitere Symptome können Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstseinsstörungen sein. Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wies auf zunehmendes Unwohlsein nach der Impfung, starke und anhaltende Kopfschmerzen oder punktförmige Hautblutungen hin. Ob die Gerinnsel durch den Impfstoff ausgelöst wurden, ist bisher ungeklärt.

Drei Faktoren als Hauptursachen

Verursacht werden Thrombosen durch drei Faktoren. Der erste ist eine verlangsamte Blutströmung, was vor allem durch wenig Bewegung, etwa bei Bettruhe oder Verletzungen, ausgelöst wird. Der zweite Faktor sind die Gefäßwände. Werden diese bei einer Operation oder durch Entzündungen geschädigt, bleiben die Blutplättchen hängen. „Zudem kann es zu Thrombosen kommen, wenn das Blut zu dick ist oder die Gerinnung gestört ist. Das kann aufgrund von gewissen Medikamenten, genetischen Faktoren oder viralen Infekten passieren.“ Risikofaktoren sind laut Barta Rauchen, die Anti-Baby-Pille, Entwässerungstabletten oder Cortison. „Meistens sieht man aber eine Kombination mehrerer dieser Faktoren.“

„Corona ist auch eine Gefäßkrankheit“

Dass Corona nicht bloß eine Lungen-, sondern auch eine Gefäßkrankheit ist, habe man bereits feststellen können. „Auch Covid kann thrombatische Ereignisse wie Embolien oder Hirnthrombosen hervorrufen.“ Ob das bei Corona-Impfungen auch der Fall sein kann, konnte Barta nicht beurteilen. Österreich hatte bereits am Montag vergangener Woche die Verwendung einer einzelnen Charge des AstraZeneca-Impfstoffs gestoppt, als Reaktion auf den Tod einer 49-jährigen Krankenschwester aus Niederösterreich, bei der ein paar Tage nach der Verabreichung schwere Gerinnungsstörungen aufgetreten waren. Hinweise auf einen Zusammenhang gibt es bis dato noch keine.

Gerinnsel-Wahrscheinlichkeit bei Nicht-Geimpften größer

Das Nationale Impfgremium sprach Montagabend eine vorläufige Empfehlung für die weitere Verwendung von AstraZeneca aus, die Experten debattierten aber auch am Dienstag noch das weitere Vorgehen. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hielt am Montag an ihrer Bewertung des AstraZeneca-Impfstoffs fest, setzte aber für Donnerstag eine Sondersitzung zu dem Vakzin an. Richard Greil, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin in Salzburg, führt in einem Interview mit den Salzburger Landeskliniken aus: „Wenn man sich alle Impfdosen, die bisher der EMA gemeldet worden sind, ansieht und die Zahl der gerinnungsaktiven Ereignisse mit Verstopfung von Gefäßen anschaut, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, im zeitlichen Umfeld einer AstraZeneca-Impfung eine Thrombose oder ein Gerinnsel zu bemerken, bei 1:150.000. Die natürliche Wahrscheinlichkeit, eine Thrombose zu erleiden, ist in der Hintergrundbevölkerung 1:1.000 bis 1:10.000, also 100 Mal höher.“ Mit Hintergrundbevölkerung sind jene Menschen gemeint, die nicht geimpft wurden. Es gebe also keine epidemiologische Auffälligkeit dieser Ereignisse.

(Quelle: SALZBURG24)

Kein Todesfall bisher in Zusammenhang mit Impfung

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(SYMBOLBILD)

Bis dato gibt es keinen Todesfall, der in Zusammenhang mit einer Impfung steht, berichtete das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) in seinem wöchentlichen Bericht über Nebenwirkungen.

Der Behörde wurden bisher 48 Todesfälle in zeitlicher Nähe zu einer Impfung gegen Covid-19 gemeldet - 46 bei BioNTech/Pfizer, einer bei Moderna, und einer bei AstraZeneca. Acht Fälle - sechs bei BioNTech/Pfizer, einer bei Moderna und einer bei AstraZeneca - sind in Abklärung.

Obduktionsergebnis schließt Zusammenhang mit Impfung aus

Bei drei Patienten konnte aufgrund des Obduktionsberichts ein Zusammenhang mit der Impfung ausgeschlossen werden. Bei 16 Personen fiel die Impfung in die Inkubationszeit einer Covid-19-Erkrankung, im Rahmen derer die Betroffenen dann verstarben. Bei 21 weiteren bestanden schwerwiegende Vorerkrankungen, die vermutlich todesursächlich waren.

AstraZeneca Impfstoff Land Salzburg / Franz Neumayr

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Beim Todesfall in zeitlicher Nähe zu einer Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca - dabei handelt es sich um jene 49-jährigen Patientin, die in Niederösterreich in Folge schwerer Gerinnungsstörungen gestorben ist - gibt es aktuell noch keinen Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang mit der Impfung, berichtete das BASG. Die Obduktion am Wiener AKH ist noch offen, hieß es am Dienstag auf APA-Anfrage aus dem Krankenhaus. "Aufgrund der bekannten klinischen Daten ist dieser nicht herstellbar, da insbesondere thrombotische Ereignisse nicht zu den bekannten oder typischen Nebenwirkungen des betreffenden Impfstoffes zählen", meinte das BASG in seinem Bericht, der die Informationen vom 27. Dezember 2020 bis inklusive 12. März 2021 beinhaltet. In den klinischen Daten zeigen sich auch laut aktuellen Kenntnissen im Vergleich zu Placebo "keine dahin gehend besorgniserregenden Daten oder Signale". Eine internationale Analyse der Nebenwirkungsmeldungen sei im Gange.

Untersuchungen laufen weiter

Derzeit laufen nach Angaben der Behörde "alle notwendigen Untersuchungen unter Einbindung der jeweiligen Experten auf Hochtouren, um einen möglichen Zusammenhang vollständig ausschließen zu können", berichtete das BASG. Sicherheitshalber wurden die Restbestände der betroffenen Impfstoff-Charge nicht mehr ausgegeben und nicht mehr verimpft. "Da speziell am Beginn der Impfaktion hauptsächlich hochbetagte Personen geimpft werden, ist damit zu rechnen, dass in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung auch natürlich bedingte, d.h. nicht impf-bedingte gesundheitliche Ereignisse erwartungsgemäß auftreten", so das BASG. Der Erwartungswert der Zahl der Todesfälle eine Woche nach Impfung betrage demnach bei Risikopersonen im Alter von 80 Jahren und älter 3,5 pro 1.000. "Basierend auf dieser sogenannten Hintergrundinzidenz ist mit einem Todesfall pro 290 Personen dieser Altersgruppe innerhalb einer Woche, unabhängig von einer Impfung, zu rechnen", zeigte das BASG auf.

Lebensbedrohende Nebenwirkungen bei 31 Patienten

Bei 31 Patienten wurden die Nebenwirkungen als lebensbedrohend gemeldet - 19 bei BioNTech/Pfizer und zwölf bei AstraZeneca. Bei insgesamt 18 Personen konnte der Gesundheitszustand wiederhergestellt werden, 13 weitere sind noch in Abklärung. Bei 112 Geimpften war im Anschluss nach einer Covid-19-Impfung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich oder ein solcher wurde verlängert. Das betraf 66 Patienten, die mit BioNtech/Pfizer geimpft wurden, fünf mit Moderna und 41 mit AstraZeneca. Alle sind bereits wieder genesen, bei 46 ist die Abklärung noch nicht abgeschlossen.

Zum Zeitpunkt der Berichtserstellung waren 981.074 Impfungen elektronisch eingetragen. Die meisten klagten nach einer Impfung über Fieber, Kopfweh, Schmerzen an der Impfstelle, Müdigkeit, Gelenksschmerzen, Muskelschmerzen, Übelkeit, Schüttelfrost, Erbrechen oder Durchfall.

Aufgerufen am 06.05.2021 um 02:34 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/thrombosen-sorgen-fuer-unsicherheit-wie-gefaehrlich-sind-die-gerinnsel-101156161

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