Jetzt Live
Startseite Österreich
Vizekanzler

Werner Kogler im Porträt

Werner Kogler, Grüne APA/BARBARA GINDL
Werner Kogler wird zum ersten grünen Vizekanzler.

Dass Werner Kogler dereinst zum Grünen Superstar aufsteigt, hätte man lange nicht gedacht. Eher war der Steirer der ideale Mann für die zweite Reihe, stets loyal den Ersten gegenüber, mit Tugenden wie Macken ausgezeichnet, allenfalls einmal für ein Ministeramt gebucht, sollten die Grünen eine Regierung entern. Nun wird der 58-Jährige Vizekanzler.

Jede Krise bedeutet eine Chance, zumindest für manche. Dass Kogler hier zugriff, darf man guten Gewissens als gerecht bezeichnen. Denn als sich 2017 nach dem Abflug der Grünen aus dem Nationalrat alle wegduckten, blieb er über, verzichtete temporär auf ein Gehalt und bemühte sich um den Aufbau einer überlebensfähigen außerparlamentarischen Opposition.

Kogler bringt frischen Wind für Grüne

Klar, der Greta-Hype half, aber man musste die Partei auch erst einmal wieder in einen Zustand bringen, dass sie oben auf der Klima-Welle surfen konnte. Kogler durchlüftete die strukturkonservativen Grünen und schickte im Frühling nicht nur sich, sondern mit der Köchin Sarah Wiener einen waschechten Promi ins Rennen um die EU-Mandate.

Der in dem Ausmaß überraschende Erfolg warf die Grünen wieder in die Bahn. Kogler saß so fest im Sattel, dass er es sich leisten konnte, für die Nationalratswahl Quereinsteiger um Quereinsteiger auf wählbare Listenplätze hieven zu lassen. Selbst eine Parteiwechslerin wie Alma Zadic wurde von der Basis ohne Murren durchgewinkt.

Koglers zwölfstündige Rekordrede im Parlament

Freilich, da war Kogler und den Seinen das Glück zur Seite gesprungen. Ohne Heinz-Christian Straches verhängnisvolle Ibiza-Affäre hätte man noch drei Jahre auf der Oppositionsbank Platz nehmen müssen, Kogler hätte wie angekündigt auch an der Spitze der Partei eine Verjüngung durchgezogen und vielleicht hätten 2022 schon ganz andere Themen Konjunktur gehabt, die den Grünen weniger in die Karten gespielt hätten.

Es kam jedoch bekanntlich anders, Kogler setzte seine grüne Brille auf und ging gleich wieder als Frontmann ins Rennen. Gute Kondition ist dem Passivsportfan ohnehin gegeben, sonst hätte der Schachtelsatz-Spezialist 2010 auch seine Rekord-Filibusterrede von 12 Stunden und 42 Minuten im Budgetausschuss nicht durchgehalten, mit der er parlamentarische Geschichte schrieb.

Koglers Wahlkampf war annähernd fehlerlos, weder die linken noch die bürgerlichen Wähler wurden mit der Konzentration auf Öko- und Kontrollthemen verschreckt, das ein oder andere gehässige Wort über die ÖVP und ihren Obmann hätte er sich vielleicht lieber erspart gehabt, als Sebastian Kurz das Gründungsmitglied der Alternativen Liste Graz zu seinem bevorzugten Koalitionspartner erkor.

Kogler für klare Formulierungen im Rgeierungspakt

Mittlerweile kann man ganz gut miteinander, gefallen lässt sich Kogler deswegen aber nichts, der Wunsch nach einem Weihnachtspaket prallte an ihm ab, möglichst klar ausformuliert wollte der Bundessprecher das Koalitionsprogramm, schließlich saß der studierte Volkswirt 18 Jahre vor allem als U-Ausschuss- und Budgetexperte im Nationalrat und kennt die ÖVP.

Koglers Meisterprüfung wird in den kommenden Monaten und Jahren darin bestehen, einen Interessensausgleich zwischen eigener Basis und Koalitionspartner zu schaffen. Machbar ist das, leicht aber nicht.

Zur Person: Der am 20. November 1961 in Hartberg geborene Kogler studierte Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften und war in den 1980er Jahren Gründungsmitglied der Alternativen Liste Steiermark und Österreich. Von 1985 bis 1988 war der Gemeinderat in Graz. Seit 1999 saß er im Nationalrat, unter anderem als Leiter des Rechnungshofausschusses, Budget- und Finanzsprecher seiner Partei und Stellvertreter von Eva Glawischnig. Nach dem Debakel 2017 übernahm er zunächst interimistisch die Partei, seit Herbst 2018 ist er gewählter Bundessprecher.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 20.04.2021 um 07:27 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/werner-kogler-im-portraet-81658915

Kommentare

Mehr zum Thema