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Wetter

Juni durchschnittlich warm und deutlich zu nass

Weniger Sonnenstunden als im Mittel

20200629_PD2567.HR.jpg APA/BARBARA GINDL
Sonne und Regen wechselten sich im Juni ab, hochsommerlich heiß wurde es erst am letzten Wochenende.

Anders als im Vorjahr fällt der heurige Juni durchschnittlich temperiert aus. Auch die Anzahl von Sommer- und Hitzetagen bewegt sich im Bereich des langjährigen Mittels, berichten Experten der Österreichischen Unwetterzentrale in einer Aussendung. Dafür fällt der Auftakt in den meteorologischen Sommer besonders im Nordosten sprichwörtlich ins Wasser, zum Teil ist hier die doppelte Menge an Regen gefallen wie üblich.

Verglichen mit dem langjährigen Mittel von 1981 bis 2010 bilanziert der Juni 2020 durchschnittlich, die Abweichungen sind über das ganze Land gemittelt kaum messbar. Während es in der Osthälfte um maximal ein halbes Grad zu warm war, schließt der Westen eine Spur zu kühl ab. "Anhand dieses Monats sieht man, wie sehr einen das Gefühl trügen kann", sagt Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Unwetterzentrale. "Viele Menschen würden den Juni instinktiv als deutlich zu kalt einstufen, einen normal temperierten Sommermonat gibt es in den vergangenen Jahren tatsächlich immer seltener."

Letztes Juni-Wochenende hochsommerlich heiß

So richtig hochsommerlich heiß wurde es dann erstmals im ganzen Land am letzten Juni-Wochenende. "Bis auf knapp 33 Grad kletterte das Thermometer in der Wiener Innenstadt", analysiert Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Unwetterzentrale. "An selbiger Station wurde auch die erste Tropennacht des Jahres in Österreich verzeichnet, die Temperatur sank nicht unter 21 Grad." Vergangene Nacht folgten noch einige weitere Stationen im Osten des Landes mit ihrer jeweils ersten Tropennacht.

Der heutige Tag bringt uns eine Verschnaufpause, was die Gewitter betrifft. Einzelne Gewitter können höchstens am Abend...

Gepostet von ZAMG - Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik am Dienstag, 30. Juni 2020

Hitzewelle blieb bislang aus

Das durchschnittliche Temperaturniveau schlägt sich auch in der Anzahl der Hitzetage nieder. Eine Hitzewelle blieb aus, folglich weisen die Spitzenreiter im Land auch "nur" drei Tage mit mehr als 30 Grad auf. Im Juni des Vorjahres waren es noch verbreitet 10 bis 15 Hitzetage, auch die Anzahl der Sommertage liegt um etwa 50 Prozent unter jener des Junis 2019.

Extreme Regenmengen im Nordosten

Der zurückliegende Monat war geprägt von zahlreichen Schauern und Gewittern, auch ein paar nahezu stationäre Fronten sorgten für ausreichend Nass von oben. "Im landesweiten Mittel beträgt der Regenüberschuss rund 10 bis 20 Prozent, wobei es nordöstlich der Linie Mühlviertel-Mittelburgenland deutlich zu nass war", fasst der Experte zusammen. "So fiel in St. Pölten, Weitra und Langenlebarn doppelt so viel Regen wie in einem durchschnittlichen Juni." Auch von Vorarlberg bis Kärnten fällt die Regenbilanz leicht positiv aus, die zu trockenen Regionen waren dementsprechend rar gesät. Einzig vom Pongau und dem Salzkammergut bis zum Semmering wurde das Regensoll nicht ganz erfüllt, in Tamsweg fehlen z.B. rund 30 Prozent auf eine ausgeglichene Bilanz.

Sonne verfehlt Soll

Ganz dem wechselhaften Sommerwetter entsprechend hinkt die Anzahl der Sonnenstunden dem langjährigen Mittel ein wenig hinterher. Beispiel Eisenstadt: Zwar wurden hier hinter Mörbisch mit 206 h die zweitmeisten Sonnenstunden Österreichs gemessen, auf das Soll fehlen aber rund 40 Sonnenstunden. Somit hatte nicht nur in der Hauptstadt des Burgenlandes sogar der April des laufenden Jahres mehr Sonnenstunden auf dem Konto als der Juni.

(Quelle: SALZBURG24)

Darum hat es im Flachgau besonders heftig geregnet

Unwetter in Obertrum FF Obertrum
Die Floriani in Obertrum pumpten Keller aus und errichteten einen Hochwasserschutz.

Bäche traten über die Ufer, Keller wurden überflutet: Die Regenfälle haben in der Nacht auf Montag vor allem den Flachgau getroffen. Im Lungau hat es unterdessen überhaupt nicht geregnet. Wie es zu den markanten Unterschieden kommt und ob wir mit einem Gewittersommer rechnen müssen: Wir haben für euch nachgefragt.

Eine Kaltfront hat in der letzten Nacht für kräftige Gewitter gesorgt. „Diese sind dann in heftigen Dauerregen übergangen und der hält noch bis heute Nachmittag an“, sagt Konstantin Brandes, Meteorologe beim Wetterdienst UBIMET, im Gespräch mit SALZBURG24.

Dass die Regenfälle derart heftig ausfallen, damit habe man nicht rechnen können, schildert der Neumarkter Ortsfeuerwehrkommandant gegenüber S24.

Gepostet von SALZBURG24 am Montag, 29. Juni 2020

72 Liter Regen pro Quadratmeter in Mattsee

In den letzten 24 Stunden gab es im Bundesland große regionale Unterschiede. Während der Lungau komplett trocken blieb und es im Pongau maximal zehn Liter pro Quadratmeter geregnet hat, sah es in Richtung Norden ganz anders aus. „Von Lofer über Hallein nordwärts hat es kräftig geregnet. Der Spitzenreiter ist Mattsee im Flachgau mit 72 Liter Regen pro Quadratmeter“, erläutert der Experte. Doch auch die Mozartstadt hat es stark erwischt. Hier kamen 50 Liter Wasser pro Quadratmeter zusammen. „Der durchschnittliche Juni-Niederschlag beträgt im Bundesland 150 Liter pro Quadratmeter. Über Nacht hat es praktisch ein Drittel des gesamten Monatsniederschlages vom Himmel gelassen.“

 

Gewitter ziehen nach Nordosten weiter

Der Grund dafür liegt in der Luft. Brandes erklärt, dass vom Bregenzerwald über das Karwendelgebirge bis in den Flachgau und das Salzkammergut die Lage am instabilsten war. „In der heißen, labil geschichteten Luft haben sich dann die Gewitter entwickelt.“ Die Höhenströmung ging von Südwest nach Nordost und zog damit in Richtung Bayern und Oberösterreich weiter. Weshalb die südlichen Teile Salzburgs verschont blieben und es auf relativ kleinem Raum markante Wetter-Unterschiede gab. „Bei der aktuellen Wetterlage ist es aber ziemlich typisch, dass im nördlichen Flachgau die größten Regenmengen fallen.“

Mix aus Hitze und Gewitter in Salzburg

Ein Blick auf die Wetterprognosen zeigt: Zumindest in den nächsten acht bis zehn Tagen werden wir das in Salzburg noch öfter erleben. Bis heute Nachmittag sollte sich die Kaltfront – vorübergehend – in Richtung Osten verziehen. „Noch bis ca. 15 Uhr wird es regnen, zeitweise kommt dann auch die Sonne zum Vorschein.“ Im Flachgau wird sich die Lage am Nachmittag entspannen, bis dahin seien aber noch heftige Regenschauer möglich, so der Meteorologe.

Eine Verschnaufpause gibt es am Dienstag, es bleibt trocken und freundlich. Doch schon am Mittwoch bilden sich über den Bergen heftige Wärmegewitter mit großen Regenmengen auf kleinem Raum. „Das betrifft dann eher die südlichen Landesteile, der Flachgau ist außen vor.“ Das währt aber nur kurz, am Donnerstag kann es im nördlichen Salzburg erneut zu kräftigen Gewittern kommen. Ein Auf und Ab an Gewittern und Hitze erwartet uns, wobei die Hitze immer nur ein, zwei Tage anhält.

"Ein Sommer wie vor 50, 60 Jahren"

Ist das ein Vorgeschmack auf den heurigen Sommer? Bislang sei es – mit Juni ist einer der drei wärmsten Monate fast vorbei – unterdurchschnittlich kühl. Das kenne man so nicht mehr, sagt Brandes, nachdem der Juni letztes Jahr der wärmste der Messgeschichte war. „Es ist mehr ein Sommer wie er vor 50, 60 Jahren mal war.“ Dass die wärmste Jahreszeit zu kalt ausfällt, ist aber eher unwahrscheinlich. Immerhin war es in den letzten Jahren immer zu warm. Eine markante Hitzewelle im Juli oder August sei jederzeit möglich. Neue Temperaturrekorde erwartet der Experte heuer aber nicht.

 

Wann genau sich sonniges Wetter einstellt, könne derzeit noch nicht prognostiziert werden. „Bis Anfang nächster Woche gibt es keine großartige Änderung. Beständiges Sommerwetter ist nicht in Sicht.“ Es heißt also weiter warten.

Aufgerufen am 16.07.2020 um 02:02 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/wetter-juni-durchschnittlich-warm-und-deutlich-zu-nass-89554156

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