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"Tsunami-Welle"

Wien Energie-Chef nimmt Vorgehen in Schutz

Strompreis innerhalb eines Tages verdoppelt

Der Wien Energie-Chef verteidigte das Vorgehen seines Unternehmens
Michael Strebl, GF Wien Energie anl. der Präsentation von Wien Energie, Interxion und Wiener Gesundheitsverbund - Abwärme-Projekt - Rechenzentrum heizt Klinik Floridsdorf am Montag 25. April 2022 in Wien.

Der Chef von Wien Energie, Michael Strebl, hat das Vorgehen seines in finanzielle Turbulenzen geratenen Energieunternehmens am Donnerstag verteidigt.

"Wir sind an der Börse tätig, um die Versorgung unserer Kundinnen und Kunden sicherzustellen", sagte Strebl vor Journalisten in Wien. Spekulative Geschäfte habe es keine gegeben und auch das Krisenmanagement habe nicht versagt. Vielmehr sei die Wien Energie von einer "Tsunami-Welle voll erwischt worden".

Plötzlich gestiegener Strompreis

Dass kurzfristig derart hohe Kautionsleistungen schlagend werden, habe niemand vorhersehen können, betonte Strebl, der sich erstmals öffentlich zu den Geschehnissen äußerte. Zurückzuführen sei das auf den plötzlich gestiegenen Strompreis, der sich von vergangenen Donnerstag auf Freitag aus heiterem Himmel verdoppelt habe. So habe sich dann auch der "Horrorwert" von 1,75 Mrd. Euro an kurzfristigem Liquiditätsbedarf ergeben. "Ich bin seit 28 Jahren in der Energiewirtschaft, so etwas habe ich noch nicht erlebt."

symb_wienenergie APA/HELMUT FOHRINGER
Die Zentrale der Wien Energie, aufgenommen am Donnerstag, 9. Juni 2022, in Wien. 

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Wien Energie-Chef sieht keine Verluste

Von Verlusten könne man dabei jedoch nicht sprechen, meinte Strebl. Es handle sich um übliche Vorgänge, "das sind Kautionen, die wir zurückbekommen". In Bedrängnis sei man nur aufgrund der enormen Größe der zu bedienenden Sicherheitsleistungen an diesem "Schwarzen Freitag" gekommen. Zwar hätten sich schon im Zuge des Ukraine-Kriegs schwere Turbulenzen an den Märkten abgezeichnet. Auch sei folglich klar gewesen, "dass die Kautionen steigen", räumte der Vorstand ein. In dieser Dimension sei dies aber nicht zu erwarten gewesen, auch nicht seitens des Krisenmanagements, das die Situation evaluiert und diverse Stresstests durchgeführt habe. Außerdem seien Spekulationsgeschäfte bei Wien Energie dezidiert verboten.

Auf die Frage, warum der Staat und nicht etwa Banken für den Liquiditätsbedarf aufkamen, verwies der Wien-Energie-Chef auf "die unglaubliche Kurzfristigkeit" der Ereignisse. "Wir sind am Samstag informiert worden, dass wir am Montag zahlen müssen." Als oberstes Ziel habe in dieser Lage gegolten, die Versorgung der Kundinnen und Kunden aufrechtzuerhalten, so der Manager.

Europäisches Marktmodell hat "komplett versagt" 

Allgemein wertete er die Turbulenzen bei Wien Energie als Auswüchse "eines europäischen Marktmodells, das komplett versagt hat". Wirklich problematisch werde es abgesehen von seinem Unternehmen dann, sollten die "irren Preissauschläge" bei den Energiekonsumenten ankommen, sagte Strebl, der sich selbst keineswegs als "Anhänger der staatlichen Energiewirtschaft" sieht. Er gehe davon aus, dass sich die Situation am Markt mittelfristig wieder beruhigen werde. Bis dorthin gelte es, einen Schutzschirm über die Branche zu spannen, wie dies etwa in Deutschland bereits geschehen sei.

Als Begründung, warum die Wien Energie, nicht aber andere Energieversorger über das Wochenende in Liquiditätsprobleme gekommen sind, nannte Strebl die "singuläre Situation" des Unternehmens. Im Unterschied zu anderen Energieversorgen produziere die Wien Energie etwa mehr Strom als verbraucht werde. Daher müsse auch eine größere Menge verkauft werden.

Strebl verteidigt Börsengeschäfte

Die Abwicklung der Geschäfte über die Börse verteidigte Strebl. Der außerbörsliche Handel etwa sei mit größeren Ausfallrisiken verbunden, argumentierte er. Wende man sich hingegen dem Spotmarkt zu, gerate man rasch in die Lage, letztlich doch Spekulationsgeschäfte tätigen zu müssen.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 04.12.2022 um 11:57 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/wien-energie-chef-nimmt-vorgehen-in-schutz-126445540

Kommentare

RoW

Schon längst? Gibt es konkrete Gesetzesverstöße in der weiteren Vergangenheit? Aufgrund welcher Paragrafen? Bitte um Information und Aufklärung. Ich bin gespannt auf Ihre rechtliche Expertise. Aus Kundensicht (eigene reale Erfahrung) hat die Wien Energie in der Vergangenheit günstigere und stabilere Angebote geboten als Mitbewerber, die Verträge dann einseitig zB gekündigt haben, wenn es für sie gepasst hat.

Riff_Raff

DIe Verantwortlichen sollten eigentlich schon längst in Haft sein und das Tageslicht nier merh wieder sehen.

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