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Hilfsgelder gefordert

Wirte über neue Lockerungen enttäuscht

Stadt Salzburg verzichtet auf Gastgarten-Gebühr

Die Gastronomie ist von den Entscheidungen der Bundesregierung schwer enttäuscht. Die Öffnung der Gastgärten zu Ostern reiche nicht. Viele Betriebe hätten keinen Außenbereich oder dieser sei zu klein, um die Öffnung wirtschaftlich darstellen zu können, sagte Wirte-Sprecher Mario Pulker am Montagabend zur APA.

Er forderte eine Aufstockung der Hilfsgelder. Die Gastronomie ist seit 17 Wochen geschlossen, Pulker geht nun davon aus, dass mindestens weitere sechs Wochen dazukommen.

Die Öffnung der Schanigärten mit Beginn der Osterferien am 27. März sei "ein Tropfen auf dem heißen Stein" und "ein Schlag in die Magengrube", beschrieb Pulker die Lage. Noch während die Pressekonferenz mit Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) lief, hätten ihm viele Gastronomen entsetzte Nachrichten geschrieben. Es gehe eine Aufschrei durch die Branche, so Pulker.

Gastronomie will fixen Öffnungstermin

Für die Gastronomie in Innenräumen sowie für die Hotels hat die Regierung am Montagabend den April als Ziel für weitere Öffnungsschritte genannt, jedoch kein konkretes Datum. Pulker sagte, er hätte damit leben können, wenn die Regierung bei erneuten Beratungen am 15. März eine Öffnung mit 1. April ins Spiel gebracht hätte. "So aber werden wir weiter blind zurückgelassen", monierte der Branchenvertreter. Auch für die Hotellerie gebe es "null Perspektive". Sowohl der Gastronomie als auch dem Tourismus würden deshalb die Mitarbeiter davonlaufen.

 

Wien will nun prüfen, "in wie weit wir auch öffentliche Räume für die Gastronomie zur Verfügung stellen können, auch darüber hinausgehende Plätze, die von Gastronomen bespielt werden können", kündigte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) an. "Es ist sinnvoller, es gibt Spielregeln, an denen sich auch die Konsumentinnen und Konsumenten orientieren können, als es gibt einen Wildwuchs an Treffen, die irgendwo im halböffentlichen Raum stattfinden."

Stadt Salzburg verzichtet auf Gastgarten-Gebühr

Die Stadt Salzburg kündigte am Dienstag an, bis auf weiteres auf die Gastgarten-Gebühr verzichten zu wollen. Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) hat die zuständigen Stellen im Magistrat angewiesen, keine Vorschreibungen ab diesem Zeitpunkt durchzuführen. „Mit diesem Schritt wollen wir den Wirten unter die Arme greifen. Und mithelfen, der Bevölkerung ein kleines Stückchen Normalität zurück zu geben,“ so Preuner.

„Die Stadt Salzburg begrüßt die mit Ende März angekündigte Öffnung der Gastgärten, wie von der Bundesregierung in Aussicht gestellt. Wir hoffen alle, dass das Infektionsgeschehen diese zulässt. Und unterstützen das Aufsperren mit dem Verzicht auf die Einhebung der Gastgarten-Gebühren bis auf weiteres", betont Preuner.

"Frustration und Enttäuschung"

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer kann der Öffnung der Gastgärten etwas Positives abgewinnen, wie er zur APA sagte: "Jetzt haben wir den Fuß in der Tür. In einem nächsten Schritt bringen wir die Gäste in die Lokale, Hotels und Veranstaltungssäle." Die Wirtschaftskammer-Spitze fordert weiter einen Stufenplan für Öffnung aller Branchen und verweist darauf, dass zwei Drittel aller Ansteckungen im privaten Bereich stattfinden würden. "Illegale Treffen und Feiern ohne Tests und ohne Sicherheitsmaßnahmen sind das viel größere Risiko als eine Öffnung auf Basis aller Konzepte, die bereits im Sommer funktioniert haben und laufend weiterentwickelt, nachgeschärft und vielfach behördlich genehmigt wurden", so WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf in einer Aussendung.

Von "Frustration und Enttäuschung" sprach auch Hotellerie-Fachverbandsobfrau Susanne Kraus-Winkler am Montag in einer Mitteilung. "Mit jeder weiteren Verschiebung verlieren immer mehr Betriebe, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Vertrauen in eine planbare, baldige Öffnung. Je länger eine solche rausgezögert wird, um so schwieriger wird es auch, Mitarbeiter zu halten oder für die kommende Saison zu finden." Die Branche habe ihre Hausaufgaben gemacht und habe Präventions- und Hygienemaßnahmen vorbereitet. "Gemeinsam mit Eintrittstests sowie Abstands- und Maskenpflicht hätten wir unseren Gästen größtmögliche Sicherheit bieten können."

Tourismus will verbindliche Zusage

Der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Robert Seeber, will von der Regierung "endlich eine verbindliche Zusage zum raschen und dauerhaften Wiederöffnen". Zu dem angekündigten Probelauf in Vorarlberg brauche es nun dringend eine Perspektive für alle Tourismusbetriebe in ganz Österreich. "Wenn wir die notwendigen Spielregeln einhalten, ist ein sicheres Öffnen und Offenhalten möglich", glaubt Seeber.

"Es ist notwendig und längst überfällig, dass nun endlich ein konkretes Datum fixiert wird und bis dahin die Unterstützungen verbessert sowie rasch und unbürokratisch abgewickelt werden. Bei der Kurzarbeit sind tourismusspezifische Adaptierungen notwendig ebenso wie Liquiditätshilfen für den Restartprozess."

(Quelle: APA)

Gastgärten öffnen ab Ostern mit Tests

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Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Montag, 1. März 2021, im Rahmen eines Treffens mit Expertinnen und Experten anl. eines Corona-Gipfels im Bundeskanzleramt in Wien. 

Die Regierung setzt bei der weiteren Pandemiebekämpfung auf Regionalisierung. In Vorarlberg wird es bereits ab dem 15. März Lockerungen geben, im Rest Österreichs folgen in gewissen Bereichen wie der Gastronomie und dem Schulsport Erleichterungen.

Die Regierung hat sich mit den Landeshauptleuten trotz steigender Corona-Zahlen auf weitere Öffnungsschritte verständigt. 

Gastgärten sperren auf

Demnach wird die Gastronomie outdoor mit Ostern öffnen dürfen. Zudem soll Jugend- und Schulsport ab Mitte des Monats wieder erlaubt sein. Ganz fix sind diese Öffnungsschritte freilich nicht. Denn bis zu ihrem Inkrafttreten sind noch zwei bis vier Wochen Zeit und wenn es zu exponentiellem Wachstum kommt, wird man auf die Lockerungen verzichten müssen. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) appellierte an die Risikogruppen, in den letzten Wochen bis zur Impfung auf unnötige soziale Kontakte zu verzichten und sich möglichst oft zu testen.

Sportorganisationen erleichtert

Die Interessensvertretung Sport Austria hat die von der Bundesregierung am Montag angekündigte Wiederaufnahme des Kinder- und Jugendsports in Vereinen im Freien ab 15. März begrüßt. "Dieser Schritt war dringend notwendig. Jetzt können unsere jungen Sportler unter Auflagen wieder sportartenspezifisch in ihren Vereinen trainieren", erklärte Sport-Austria-Präsident Hans Niessl in einer Aussendung.

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Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter den corona-bedingten Kontaktbeschränkungen. (SYMBOLBILD)

Jungen Menschen setzt Pandemie besonders zu

Nach knapp einem Jahr Pandemie machen sich die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen in der gesamten Gesellschaft bemerkbar. Schwer getroffen hat die Corona-Krise vor allem auch Kinder und Jugendliche. …

Es sei erfreulich, dass die 571.000 in den Sportvereinen gemeldeten Kinder und Jugendlichen demnächst wieder Freiluft-Sport betreiben können. 

Fußball-Präsident Leo Windtner, Chef des mitgliederstärksten heimischen Verbands, freute sich. "Es ist sehr positiv und zu begrüßen, dass die immense Bedeutung des Sports für Kinder und Jugendliche erkannt wurde und im Rahmen der Verhandlungen ein großes Thema war", schrieb Windtner in einer ÖFB-Mitteilung. Man warte nun auf konkrete Handlungsempfehlungen.

Für Sportunion-Präsident Peter McDonald war die am Montag verkündete Entscheidung "im Sinne des Nachwuchssports unumgänglich". Sie zeige, dass die Überzeugungsarbeit durch eine Allianz der Sportverbände mit Experten beim Sport-Gipfel in der Vorwoche erfolgreich gewesen sei. Man habe die Bundesregierung zum Einlenken bewogen.

Noch kein konkretes Datum für Kultur

Die Kultur soll im April oder Mai wieder breitflächig mit Eintrittstests starten. Auch erst im April will man eine Öffnung der Indoor-Gastronomie angehen.

Stärkere Lockerungen in Vorarlberg

Eine Sondergenehmigung gibt es für Vorarlberg, das derzeit die niedrigsten Fallinzidenzen aufweist. Hier werden "sehr deutliche Schritte" in Kultur, Sport und Gastronomie ab Mitte des Monats möglich sein, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz in der Pressekonferenz Montagabend ausführte. Nicht festlegen wollte sich Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP), ab welcher 7-Tages-Inzidenz die Pläne wieder zurückgestellt würden. Die Inzidenz sei immer nur "ein Teil". So werde etwa auch immer die Lage in den Spitälern eine Rolle spielen, auch die Möglichkeit des Contact Tracing sei entscheidend. "Ich plädiere dafür, dass man nicht immer nur wie das Kaninchen auf die Schlange schaut, was die Inzidenzen angeht." Ganz entscheidend werde auch die künftige Impfrate sein. Auch die Bundesregierung wollte sich auf keinen Wert festlegen, ab wann die für ganz Österreich vorgesehenen Öffnungsschritte nicht möglich wären. "Die Inzidenz ist der wesentlichste Faktor, aber bei weitem nicht der Einzige", so Kurz. Relevant sei etwa auch die Frage des Anstiegs der Neuinfektionen, die Belegung der Intensivstationen und der Krankenhäuser - und die Frage, welche Altersgruppen sich anstecken.

Ausreise-Testpflicht kommt

 "Es gibt tatsächlich in Teilen Österreichs starke Zuwächse, die wir unter Kontrolle bringen müssen", berichtete Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Daher soll man sich aus Bezirken mit besonders hohen Infektionszahlen freitesten müssen, wie man das schon aus Tirol wegen der dort grassierenden möglicherweise impfresistenteren südafrikanischen Variante kennt. Die ersten Kandidaten dafür sind Hermagor in Kärnten und St. Johann im Pongau in Salzburg. Das Gesundheitsressort wird in den kommenden Tagen entsprechend Kontakt mit den betroffenen Ländern aufnehmen.

Kurz optimistisch

"Das Ziel, bis zum Sommer zur Normalität zurückzukehren, ist noch immer realistisch", blieb der Kanzler dennoch optimistisch. Dazu könne jeder seinen Beitrag leisten, indem man sich testen lasse. Zur Impf-Debatte und der von Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) angestoßenen Idee, nun auch verstärkt junge Menschen zu impfen, sagte Kurz, es gehe in erster Linie nun um den Schutz der älteren Generation.

Kanzler setzt auf Impfungen

Jede Impfung bringe Österreich "einen Schritt mehr in Richtung Normalität". Kurz verwies auf einen "Ketchup-Effekt": Bei älteren Ketchup-Flaschen habe man "lange gebraucht, bis irgendetwas rausgekommen ist, und dann ist auf einmal ein ganzer Schwall gekommen". "Ähnlich wird es bei der Impfung sein", verwies er darauf, dass im März nun pro Tag 30.000 Menschen pro Tag geimpft werden sollen und im April dann über 45.000 pro Tag.

Die stundenlangen Verhandlungen um die weiteren Lockerungen waren sehr zäh verlaufen. Streitpunkt war vor allem die Öffnung der Gastronomie, die von den Landeschefs vorangetrieben wurde, aber vor allem vom Gesundheitsministerium skeptisch gesehen wurde.

Starke regionale Unterschiede 

Vor allem die Vertreter aus der Ostregion mit Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) an der Spitze sollen sich in den Gesprächen für eine Öffnung der Lokale stark gemacht haben. Ihr Argument: es sei für die Eindämmung Pandemie sinnvoller, Kontakte kontrolliert in der Gastronomie stattfinden zu lassen als unkontrolliert im privaten Bereich. Diese Position hatten auch Landeshauptleute aus anderen Regionen während der vergangenen Tage vertreten.

FPÖ: "Totengräber" 

Bei der Opposition kamen die Pläne mäßig gut an. FPÖ-Chef Norbert Hofer bezeichnete Schwarz-Grün in einer Aussendung als "Totengräber" der österreichischen Gastronomie. "Jeder Tag Lockdown mehr erhöht die Gefahr, dass die Pleitewelle in diesem Bereich noch weiter anwächst. Das ist verantwortungslos und nicht einmal in Ansätzen nachvollziehbar." Stattdessen sollten Hotels und Gastronomie sofort geöffnet werden - mit mehr Abstand zwischen den Tischen, regelmäßigem Desinfizieren sowie Maskenpflicht für Personal und Gäste beim Kommen und Gehen.

Rendi-Wagner skeptisch

Aus anderen Gründen kritisch äußerte sich SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Sie verwies darauf, dass derzeit die Neuinfektionen ebenso anstiegen wie Zahl der Intensiv-Patienten. Diese hochriskante Situation sei das Ergebnis der verfrühten Öffnungen der Bundesregierung: "Es ist jetzt keine Zeit für Experimente." Weitere Öffnungen wären "hochgradig unverantwortlich".

NEOS-Obfrau Beate Meinl-Reisinger bewertete die Pläne vorerst noch nicht endgültig, sondern pochte auf Details. Großer Nachholbedarf herrsche vor allem bei den Impfungen.

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