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Keine Tötungsabsicht

Verdächtiger von Wullowitz befragt

Polizei schließt Radikalisierung aus

Der 33-jährige Afghane, der am Montag in Wullowitz (Bezirk Freistadt) einen Bauern erstochen und einen Flüchtlingsbetreuer schwer verletzt haben soll, ist von der Polizei einvernommen worden. Wie Landespolizeidirektor Andreas Pilsl am Mittwoch bei einer Pressekonferenz nach einer Sitzung des OÖ-Landessicherheitsrats mitteilte, war das Motiv ein Streit um die Arbeitssituation des Mannes.

Der Verdächtige habe zu gewissen Zeiten arbeiten wollen und galt als unzuverlässig. Man habe ihm klargemacht, dass dies nicht gehe, worauf es zu einer Aussprache kam, zu der der Afghane bereits ein Messer mitnahm. Als es kein Einlenken in seinem Sinne gab, sei der Mann auf den Betreuer losgegangen, schilderte Pilsl. Allerdings habe er nicht vorgehabt, den Mitarbeiter des Roten Kreuzes zu töten.

Bauer schrie um Hilfe, Mann stach zu

Auf seiner Flucht wollte sich der 33-Jährige ein Auto besorgen, scheiterte aber mit seinen Versuchen, einen Pkw aufzubrechen. Als er den Altbauern bei dessen Kfz sah, habe er dessen Autoschlüssel verlangt und mit seinem Messer zugestochen, da der 63-Jährige um Hilfe rief. Mit dem Auto des Getöteten fuhr der Afghane anschließend mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Linz.

Laut dem Landespolizeidirektor wurde das Handy des Verdächtigen mittlerweile ausgewertet. Dieser sei ein tiefreligiöser Mensch, aber es gebe keinerlei Hinweise auf eine Radikalisierung.

Stelzer: Lehren aus Bluttat ziehen

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) drückte im Namen des gesamten Landessicherheitsrats der Familie des Getöteten sein Beileid aus. Zudem hoffe man, dass der lebensgefährlich verletzte Betreuer wieder gesund werde. Man könne das Geschehene nicht ungeschehen machen, müsse aber die Lehren ziehen, um die Sicherheit der Menschen zu erhöhen und ein besseres Miteinander zu gewährleisten.

Man habe rechtliche und organisatorische Maßnahmen im Sicherheitsrat besprochen. So sei es zwar gelungen, die Asylverfahren der ersten Instanz zügiger abzuwickeln, dafür gäbe es nun einen Rückstau beim Bundesverwaltungsgericht. Laut Stelzer müsse man hier Personal bereitstellen und Verfahren für auffällige Asylwerber vorreihen. Weiters wolle man den Informationsaustausch zwischen Organisationen und Exekutive verbessern und müsse bei jenen, die das Gastrecht in Österreich missbrauchen, schneller abschieben können.

Bund soll auch Beratung übernehmen

Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) plädierte dafür, dass auch die Rechtsberatung der Bund übernehmen solle. Sicher könnten Verfahren in einem Rechtsstaat lange dauern, aber dass "oft Berufungen vorgenommen werden, die aussichtslos sind, das darf man mal hinterfragen". Er stellte die Unterbringung in Kleinsteinrichtungen infrage, denn wer auffällig geworden sei, dürfe nicht versteckt werden, sondern müsse im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Die Landesräte Birgit Gerstorfer (SPÖ) und Rudi Anschober (Grüne) forderten alle Härte der Rechtsprechung für den Festgenommenen. Gewaltpräventionsmaßnahmen sollen fortgesetzt und intensiviert werden, "es muss eine Verbindlichkeit geben", insistierte Gerstorfer. Der Austausch in den Organisationen müsse verbessert werden, um die Menschen besser kennenzulernen.

Anschober für verpflichtendes Anti-Gewalt-Training

Anschober warnte vor Verallgemeinerungen und betonte, dass andere Asylwerber den angegriffenen Betreuer verteidigt hätten. Die Verfahrensdauer müsse verkürzt werden. Derzeit gebe es 30.000 offene Verfahren in der zweiten Instanz, es brauche unbedingt eine personelle Aufstockung. Ein Anti-Gewalt-Training, mit dem die Justiz in den vergangenen zehn Jahren gute Erfahrung gemacht habe, solle Asylwerbern verpflichtend vorgeschrieben werden können. Außerdem müsse die Möglichkeit einer intensiven Betreuung finanziert werden.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 02.08.2021 um 06:19 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/wullowitz-verdaechtiger-nach-bluttat-einvernommen-77783215

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