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Sommer- oder Winterzeit

Pro und Contra: Welche Zeit ist besser?

Uhr APA/ANNIEV KOSTA
Die EU-Länder können jetzt entscheiden: Lieber Sommer- oder Winterzeit? (Symbolbild).

Das Ende der Zeitumstellung wurde am Dienstag vom Europaparlament beschlossen. Ab 2021 soll sie also endgültig Geschichte sein. Die Mitgliedsländer müssen sich nun entscheiden: Sommer- oder Winterzeit? Aber, welche Vor- bzw. Nachteile bringen die beiden Zeiteinstellungen mit sich? Wir haben uns das genauer angesehen.

Zum allerersten Mal wurde die Sommerzeit in Österreich im Jahr 1916 eingeführt. In der damaligen Monarchie Österreich-Ungarn galt sie allerdings nur bis 1920.

 

Mehr Unfälle nach Zeitumstellung

Die Abschaffung der Zeitumstellung wird von der Wissenschaft grundsätzlich begrüßt. Die Salzburger Schlafforscherin Christine Blume erklärt zwar, dass eine Stunde für die meisten Menschen kein Problem sei, für einen kleinen Teil bringe die jährliche Umstellung aber einen subjektiven Mini-Jetlag. Laut dem österreichischen Versicherer „Wiener Städtische“ steige auch das Unfallrisiko eine Woche nach der Umstellung um mehr als elf Prozent.

Macht Sommerzeit "dicker und dümmer"?

Bei der Wahl zwischen Sommer- und Winterzeit tendiert das offizielle Österreich derzeit eher zu ersterer. Davor warnen manche Forscher jedoch. Die Sommerzeit könnte uns auf Dauer „dicker, dümmer und grantiger“ machen. Till Roennenberg, vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München, warnt deshalb vor dem "Cloxit". "Man erhöht die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme“, sagte er im September 2018.

Grafik, Zeitumstellung APA

Der Chronobiologe prognostiziert zudem: "Jedes Land, das das nicht macht, wird uns akademisch überholen." Denn vor allem Schülerinnen und Schüler und Studierende seien betroffen, weil Lernen bei zu wenig Schlaf stark eingeschränkt werde. Russland etwa habe schon einmal versucht, dauerhaft die Sommerzeit einzuführen - und sei damit gescheitert, sagt Roenneberg. Russland kehrte 2014 nach drei Jahren Sommerzeit wieder zur Winterzeit zurück. Die Türkei wiederrum schaffte 2016 die Winterzeit ab.

Mehr dunkle Stunden am Morgen

Ein weitere Nachteil der Sommerzeit: Man muss an deutlich mehr Tagen im Dunklen aufstehen. Das wirkt sich auch auf die Schulwege aus – sie sind länger finster. Der Dachverband der Elternvereine plädiert deshalb für die Winterzeit, weil man sonst Kinder „monatelang einer erhöhten Gefahr auf dunklen Schulwegen aussetzen würde“, hieß es in einer Mitteilung im Oktober 2018.

Grafik, Zeitumstellung APA

Länger hell im Sommer

Schlafforscher Hans-Günter Weeß weist noch auf die drohende Gefahr eines chronischen Schlafmangels hin. Bleibt es länger hell, produziert der Körper erst später den Schlafbotenstoff Melatonin. Wir sind dann nicht müde, müssen aber trotzdem früh ins Bett und früh wieder auf. Für die Sommerzeit spricht freilich, dass wir in den Frühlings- und Sommermonaten eine Stunde länger im Hellen verbringen können: Die Freizeitgestaltung wird dadurch um einiges flexibler.

Winterzeit ist "Normalzeit"

Was spricht noch für die Einführung einer ewigen Winterzeit? Die derzeitige Winterzeit gilt als „Normalzeit“ für den menschlichen Körper. Bei der Winterzeit dürfen wir länger im Bett bleiben und werden sozusagen mit der Natur munter. Anders bei der Sommerzeit: "Wenn wir im Winter am Morgen länger der Dunkelheit ausgesetzt sind, werden wir schlechter wach", sagt Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Das könne Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen und zu mehr Fehlern in der Schule und im Job führen sowie Unfälle begünstigen.

Grafik, Zeitumstellung APA

Salzburger Forscher: "Keine klare Empfehlung"

Die Salzburger Schlafforscher Manuel Schabus und Christine Blume haben eine andere Einstellung zum Thema. Sie sagen: „Aus der wissenschaftlichen Datenlage kann keine klare Empfehlung pro oder kontra Sommerzeit abgeleitet werden.“ Es sei aus ihrer Sicht wenig wahrscheinlich, dass eine Stunde länger Dunkelheit in der Früh bzw. eine Stunde länger Tageslicht am Abend für die Gesundheit solch drastische Konsequenzen haben wird. "Wir sollten die Flexibilität unserer biologischen Uhr nicht unterschätzen. Wir können große Unterschiede in der Länge der Tage und Nächte im Jahresverlauf kompensieren und uns theoretisch sogar an Tage anpassen, die länger als 24 Stunden sind, wie beispielsweise ein Tag auf dem Mars", unterstreicht Blume.

(APA/SALZBURG24)

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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