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30-Stunden-Woche

Vorreiter überzeugt, WKS erteilt Absage

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Beste Erfahrungen mit der 30-Stunden-Woche machte eine Firma in Oberösterreich. (SYMBOLBILD)

In Oberösterreich stellte ein Betrieb im Herbst 2018 auf die 30-Stunden-Woche um. Im Gespräch mit SALZBURG24 zieht der Geschäftsführer ein sehr positives Fazit. Äußerst skeptisch hingegen sieht man dieses Thema bei der Salzburger Wirtschaftskammer (WKS).

In Österreich sind wenige Fälle von Firmen bekannt, die eine 30-Stunden-Woche umgesetzt haben. Allerdings arbeiten fast 30 Prozent der Angestellten auf einer 30-Stunden-Basis. In Oberösterreich hat die Firma eMagnetix im vergangenen Herbst auf 30 Stunden reduziert, bezahlt wird dabei auf Vollzeitbasis.

eMagnetix von 30-Stunden-Woche überzeugt

Im Gespräch mit SALZBURG24 zieht Klaus Hochreiter, Geschäftsführer der Firma eMagnetix ein äußerst positives Resümee: "Das Projekt läuft noch, und das besser als wir es uns je gedacht haben." Laut Hochreiter haben sich nach der Umstellung die eingegangenen Bewerbungen verzehnfacht, die Zufriedenheit der rund 35 Angestellten sei gestiegen: "Die Fluktuation liegt bei null. Wir können die Mitarbeiter länger halten, wodurch sich für uns auch ein Wettbewerbsvorteil ergibt", zeigt sich der Geschäftsführer von der 30-Stunden-Woche überzeugt.

Verkürzte Arbeitszeit: Absage von WKS

Die Salzburger Wirtschaftskammer hingegen zeigt sich äußerst skeptisch: "Wir sprechen uns ganz klar gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit auf gesetzlicher Ebene aus", gibt Lorenz Huber im Gespräch mit SALZBURG24 an. Der Experte verweist hier auf ein Beispiel aus Frankreich, bei dem eine Reduktion der Arbeitszeit zu einem Anstieg bei der Arbeitslosigkeit geführt hat. „Die Lohnkosten würden massiv steigen, der Wirtschaftsstandort und die internationale Wettbewerbsfähigkeit würden massiv beeinträchtigt“, warnt Huber.

Freiwillige Regelung durchaus vorstellbar

Was allerdings durchaus vorstellbar sei, dass ein Betrieb eine Verkürzung der Arbeitszeit von sich aus vorschlägt und umsetzt. Huber gibt zudem an, dass es eine Reduktion der Arbeitszeit – etwa im Handel – in verschiedenen Kollektivverträgen bereits geben würde. "Dabei besteht aber dann auch die Gefahr, dass sich die Arbeit mehr verdichtet, also die gleiche Arbeit in weniger Zeit erledigt werden muss", so der WKS-Experte.

Unternehmen wohl gegen 30-Stunden-Woche

Huber ist auch der Ansicht, dass die 30-Stunden Woche von den Arbeitgebern weitgehend abgelehnt wird. "Was aber denkbar wäre, ist die Zeitkomponente in den Arbeitsverträgen herauszuheben", so Huber. Demnach gäbe es im Metallbereich bereits ein Wahlrecht, das entweder mehr Freizeit oder eine Anhebung der Entlohnung vorsieht. Für Huber wäre es durchaus vorstellbar, eine Regelung nach den Bedürfnissen der jeweiligen Branchen zu finden. "Aber eine generelle Reduktion, das kann ich mir nicht vorstellen."

Bessere Gesundheit durch weniger Druck?

Auch das Argument einer besseren Gesundheit durch weniger Druck in der Arbeit sieht der WKS-Experte nicht gegeben: "So würden Einsparungen im Gesundheitswesen auf Lasten des Unternehmers ausgetragen. Denn die zentrale Forderung ist ja, eine Reduktion bei vollem Lohnausgleich. Wir sind da dagegen, sowohl mit als auch ohne vollem Lohnausgleich." Letztendlich gehe es um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit.

Alles rund um das Thema Arbeitswelt erfahrt ihr am Dienstag, 22. Oktober, beim Karriereforum im Salzburg Congress.

(Quelle: SALZBURG24)

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