Jetzt Live
Startseite Salzburg
Anonyme Geburten & Baby-Nester

Mehr als 30 Salzburger Kinder ohne Identität geboren

"Versuchen so viel wie möglich über Wurzeln zu erfahren"

symb_baby symb_geburt Pixabay
In Salzburg sind in den vergangenen 20 Jahren 31 Kinder anonym auf die Welt gekommen, davon wurden zwei ins Baby-Nest gelegt. (SYMBOLBILD)

Vor 21 Jahren kam in Österreich zum ersten Mal ein Kind anonym zur Welt. Weder Vater noch Mutter waren bekannt. In Salzburg zählt man seither 31 anonyme Geburten. Die beiden Baby-Nester im Land blieben seit 2018 leer. Warum das aber gut so ist, erklärt uns Renate Heil von der Salzburger Kinder- und Jugendhilfe.

Salzburg, Hallein

Seit Mai 2001 können Frauen in allen geburtshilflichen Abteilungen in Österreich ihr Kind ohne Angabe der Identität kostenfrei zur Welt bringen. In Salzburg wurde diese Möglichkeit der anonymen Geburt im Krankenhaus bis 2020 von 29 Frauen genutzt (Zahlen für 2021 und 2022 liegen noch nicht vor), zwei Frauen entschieden sich für die Abgabe ihres Kindes im Baby-Nest. So wurde in den Jahren 2007 und 2018 jeweils das Baby-Nest in der Stadt Salzburg und Hallein (Tennengau) genutzt. „Wir sind froh, dass die Baby-Nester nicht häufiger genutzt werden und sich die Mütter für die Geburt im Spital entscheiden. Denn nur so können auch sie gleich medizinisch versorgt werden“, sagt Renate Heil von der Kinder- und Jugendhilfe des Landes Salzburg im Gespräch mit SALZBURG24.

Anonyme Geburt seit 21 Jahren möglich

Die Möglichkeit zur anonymen Geburt wurde in Österreich einführt, um die Straffreiheit von Frauen zu gewährleisten, die ihr Kind aus einer Notlage heraus nicht selbst aufziehen können oder wollen. Die oft sehr verzweifelten Schwangeren können so davon abgehalten werden, ihr Neugeborenes auszusetzen oder gar zu töten. Und tatsächlich ist die Tötung von Neugeborenen in Österreich signifikant zurückgegangen.

Gespräche mit Frauen im Krankenhaus

Bei der anonymen Geburt im Spital muss die Frau weder Namen noch andere persönliche Daten bekannt geben. Die Kosten werden vom Krankenhaus getragen. Bei einem Gespräch wird die werdende Mutter über den Ablauf auf mögliche Folgen informiert. „Wir von der Kinder- und Jugendhilfe haben die Chance mit den Schwangeren zu sprechen und versuchen dabei auch die Motivation ihrer Entscheidung zu erfahren“, schildert Heil. Die Wünsche der Frauen würden sehr ernst genommen und die medizinische Betreuung von Mutter und Kind habe oberste Priorität.

Informationen über Mutter für Kind „extrem wichtig“

„Für das Kind ist es später extrem wichtig, etwas über seine Mutter zu wissen – und deswegen wollen wir in den Gesprächen so viel wie nur möglich über die Mutter herauszufinden, um diese Informationen später einmal dem Kind oder den Adoptiveltern weitergeben zu können. Wir bitten sie zum Beispiel auch einen Brief an ihr Kind zu schreiben“, beschreibt Heil die Arbeit der Salzburger Kinder- und Jugendhilfe. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass die Väter dieser Kinder völlig außen vor sind. „Da fehlt also schon im Vorhinein ein wichtiger Teil der Wurzeln.“

Erst 2021 hat im Übrigen eine Studie an der an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde im AKH Wien (publiziert im Fachblatt "Current Psychology") aufgezeigt, dass es Verbesserungsbedarf bezüglich der den späteren Adoptivfamilien zugänglichen Informationen über die unbekannte biologische Mutter gebe. Das Wissen über die Wurzeln des Kindes hätte einen positiven Effekt auf das Familienleben und würde die Adoptiveltern entlasten.

Frauen aus unterschiedlichsten Sozialschichten

Die Klientinnen seien in der Regel sehr gesprächsbereit und offen für Informationen. Sie kommen aus allen sozialen Schichten und verschiedenen Altersgruppen. Darunter seien zum Beispiel auch immer wieder Frauen, die nichts von ihrer Schwangerschaft mitbekommen haben. Andere widerrum hätten die Entscheidung zur anonymen Geburt ganz bewusst und klar getroffen.

Nach der Geburt übernimmt das Jugendamt die Verantwortung für das Kind und übergibt es in die Pflege der Adoptiveltern. Die Mutter hat sechs Monate Zeit zum Kind zurückzukehren, erst danach kann die Bewilligung zur Adoption erteilt werden. Das Kinder- und Jugendamt würde den Kontakt zur Familie so lange halten, wie dies gewünscht sei. In der Regel sei die Begleitung aber mit der Adoption zu Ende, so Heil.

Baby-Nest mit Codewort

Keine Begleitung durch die Kinder- und Jugendhilfe gibt es, wenn die Mütter ihr neugeborenes Kind ins Baby-Nest legen. Im Bundesland Salzburg gibt es zwei Babynester, eines im Landeskrankenhaus Salzburg und eines im Krankenhaus Hallein. In dem Wärmebett, in das die Frauen ihr Baby legen können, befindet sich ein Stempelkissen, mit dem sie einen Hand- oder Fußabdruck ihres Kindes mitnehmen können. Die Mutter findet dort auch ein Info-Blatt mit einem Codewort, mit dem sie sich später auch anonym nach dem Befinden ihres Kindes erkundigen kann.

Hier sind die Baby-Nester zu finden:

  • Müllner Hauptstraße 47, 5020 Salzburg (rechts neben dem Haupteingang steht ein kleiner Mauervorbau, darin ist eine Tür eingelassen; einfach Tür aufdrücken)
  • Bürgermeisterstraße 34, 5400 Halein (an der Hinterseite des Krankenhauses, rechts neben Rettungseinfahrt, in der Wand eingelassen)
(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 15.08.2022 um 01:43 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/31-anonyme-geburten-binnen-20-jahren-in-salzburg-124468999

Kommentare

Mehr zum Thema