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92 Salzburger abgängig

So funktioniert die Suche nach Vermissten

In Salzburg sind derzeit 94 Menschen vermisst gemeldet. APA/ELMAR GUBISCH / Archiv
In Salzburg sind derzeit 92 Menschen vermisst gemeldet.

Die mutmaßliche Entführung einer 88-Jährigen sorgte in Eisenstadt (Burgenland) für Aufsehen. Im Bundesland Salzburg gibt es laut Innenministerium derzeit 92 Vermisstenfälle. Wie die Behörden in diesen Fällen arbeiten und wie hoch die Aufklärungsrate ist – SALZBURG24 hat nachgefragt.

Das Verschwinden bzw. die mutmaßliche Entführung einer 88-jährigen Frau, die Unbekannte am Dienstagnachmittag auf offener Straße in Eisenstadt in ein Auto setzten und wegbrachten, hält im Burgenland weiterhin die Polizei auf Trab. Bezüglich des Ermittlungsstandes hält sich die Exekutive nach wie vor bedeckt. Die Rede ist bloß von "Erfolg versprechenden Ansätzen", die man nicht gefährden wolle.

Die Frau soll Dienstagnachmittag auf offener Straße in Eisenstadt in ein Auto gesetzt und weggebracht worden sein. Die Polizei hatte in diesem mutmaßlichen Entführungsfall alle Hände voll zu tun und leitete eine Großfahndung mit mehr als 100 Beamten ein. Am Mittwoch ist die Frau in Tirol wohlbehalten wieder aufgetaucht.

Wenn das eigene Kind, ein anderer Angehöriger oder Freund plötzlich verschwindet – diese Vorstellung mag man sich erst gar nicht ausmalen. Nach aktuellen Zahlen des BKA gelten seit den 1960er-Jahren insgesamt 1.037 Personen in Österreich als abgängig – 92 davon in Salzburg. Doch laut BKA-Pressesprecher Vincenz Kriegs-Au müsse diese Zahl differenziert betrachtet werden: Knapp die Hälfte dieser Fälle sind bis heute ungelöst. 97 Prozent der Fälle klären sich innerhalb des ersten Monats wieder auf.

10.000 Vermisstenfälle pro Jahr

Jährlich werden rund 10.000 Vermisstenfälle gemeldet. "Das klingt viel, aber so gut wie alle werden wieder gefunden", so Kriegs-Au im Gespräch mit SALZBURG24. Oftmals seien es Kinder, die sich mit ihren Eltern gestritten haben und dann weggelaufen sind. Der wohl größte Teil sind jedoch Minderjährige, die wiederholt aus Heimen ausbüxen. "Grundsätzlich werden die meisten Abgängigen nach zwei bis drei Tagen und höchstens nach einem Monat wieder gefunden", erklärt Kriegs-Au. Etwa zehn Vermisstenfälle bleiben jährlich ungelöst und werden in einer bundesweiten Datenbank eingetragen.

 

So läuft eine Suche nach Vermissten ab

Doch wie läuft die Suche nach Vermissten in Österreich überhaupt ab? Ganz wichtig: Es gibt keine 24-Stunden-Frist, nachdem man eine Person erst als abgängig melden kann. "Ganz im Gegenteil", appelliert der BKA-Pressesprecher. "Je schneller wir Informationen bekommen, desto besser ist das." Abgängigkeitsanzeigen können bei jeder Polizeidirektion gestellt werden. Die Beamten legen dann abhängig ihrer Einschätzung der Gefährdungslage konkrete Fahndungsmaßnahmen ein: "Jeder Hinweis ist wichtig. Wenn zum Beispiel ein Wanderer am Berg vermisst wird, dann schicken wir schnellstmöglich Alpinpolizisten, Suchhunde und Hubschrauber los."

Kompetenzzentrum im BKA

Doch kein Vermisstenfall gleiche dem anderen, stellt Kriegs-Au klar. Weitere Schritte sind die Einbeziehung der Experten für Abgängige bei den jeweiligen Landeskriminalämtern. Schließlich fahndet das Bundeskriminalamt auch international mithilfe des 2013 geschaffenenKompetenzzentrums für abgängige Personen. Dort beschäftigt man sich mit der Erstellung von Lagebildern, der Vernetzung von Behörden im In- und Ausland, der Angehörigenbetreuung und Präventionsarbeit.

Handypeilung und Öffentlichkeitsfahndung

Diese Ermittlungsarbeiten finden für die Öffentlichkeit zumeist im Verborgenen statt – auch um die Opfer zu schützen. Als weitere Möglichkeiten bleiben der Exekutive eine Handypeilung und die Öffentlichkeitsfahndung. Diese bezeichnet BKA-Pressesprecher Kriegs-Au aber als "letzte aller Ressourcen, weil es ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte ist". In jedem Fall wird dafür eine explizite Anordnung der Staatsanwaltschaft benötigt. Angewendet werden diese Maßnahmen bei Gefahr im Verzug, insbesondere bei vermissten Kindern. Denn Minderjährige können im Gegensatz zu Erwachsenen nicht einfach hingehen, wohin sie wollen. Die Eltern haben das Sorge- bzw. Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Sobald Kinder und Jugendliche ihren gewohnten Lebensbereich verlassen haben und niemand weiß, wo sie sind, gehen die Ermittler in der Regel automatisch von einer Gefahr für Leib und Leben aus. "Wenn der eigene Nachwuchs nicht von der Schule heimgekommen ist, wird alles daran gesetzt, nach dem Kind zu suchen – auch mithilfe anderer Blaulichtorganisationen", erklärt Kriegs-Au. Ermittler durchleuchten dann das nähere Umfeld der vermissten Person und suchen mögliche Rückzugsorte auf.

Gründe oftmals nicht nachzuvollziehen

Bei Abgängigen handelt es sich aber auch um Menschen, die auswandern und ihr altes Leben einfach hinter sich lassen wollen. Viele Gründe seien demnach nicht nachvollziehbar. "Es kommt immer stark auf den Fall und die jeweiligen Gegebenheiten an", weiß der BKA-Pressesprecher. Vermisste werden auch tot gefunden. Ein Großteil davon sind verunglückte Bergsteiger, Badende sowie ältere und verwirrte Menschen. Vereinzelt handele sich es auch um Suizid.

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