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AK-Studie

Beschäftigte im Tourismus unzufrieden

Wirtschaftskammer weist Kritik zurück

20190122_PD14690.HR.jpg APA/Barbara Gindl
Die Tourismus-Branche sucht gerade in der Winter-Saison nach Personal. (SYMBOLBILD)

Vier von zehn Beschäftigten in der Salzburger Gastronomie und Hotellerie wollen ihren Job oder gleich die Branche wechseln. Das hat eine am Donnerstag präsentierte Auswertung des Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer für den Bereich Tourismus ergeben. Die Gründe dafür sind laut den Studienautoren vor allem Stress, die hohe körperliche Belastungen und der Führungsstil der Vorgesetzten. Die Wirtschaftskammer Salzburg wiederum sieht ein "bewusstes Anschwärzen einer ganzen Branche".

Dazu spiele die mangelnde Zufriedenheit mit dem Einkommen und mit der Dienstplangestaltung eine Rolle. Zunehmend skeptischer beurteilen viele Arbeitnehmer auch ihre Aufstiegschancen und Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb ihres Betriebes. Insgesamt fühlten sich Mitarbeiter in Gastronomie und Hotellerie zuletzt deutlich unzufriedener - nicht nur im Gegensatz zu anderen Branchen, sondern auch im Unterschied zum Jahr 2018.

Gewerkschafter: Arbeiter am Limit

"Dieser Anstieg muss in allen Betrieben die Alarmglocken schrillen lassen", sagte Thomas Berger, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft vida, zur APA. Die Arbeitnehmer würden weit über ihrem Limit arbeiten. Das permanente Stress-Gefühl würden die Beschäftigten oft ihren Vorgesetzten anlasten. "Es zeigt sich, wie wichtig eine gute Zeiteinteilung durch die Führungskraft für ein gutes Arbeitsklima ist." Wichtig seien dabei etwa ausreichend Ruhezeiten und längerfristige Dienstpläne.

 

Tourismus sucht hängeringend Personal

Die aktuellen Ergebnisse seien insofern brisant, weil die Branche hängeringend nach Personal suche. "Im Jahresschnitt sind in Salzburg 25.000 Mitarbeiter dem Tourismus zuzuordnen, in der Wintersaison sind es bis zu 33.000 Personen. Aufgrund der Mitgliederdaten der Arbeiterkammer wissen wir aber, dass 50.000 Menschen einmal im Jahr in einem Tourismusbetrieb angemeldet waren", erklärte Berger. "Wir haben darum kein Mengenproblem, sondern das Problem, dass die Leute nicht bleiben."

60-Stunden-Woche verschärft Situation

Der Gewerkschafter ist sich sicher, dass die Situation durch die im vergangenen Jahr beschlossene Möglichkeit der 60-Stunden-Woche und die Verkürzung der Ruhezeiten im Tourismus von elf auf acht Stunden verschärft wurde. "Das hat zu dramatischen Verschlechterungen der Arbeitsbedingen geführt." Er hält zudem die Anhebung des kollektivvertraglichen Mindestlohns in der Branche auf 1.700 Euro für überfällig.

Die Daten für die Studie werden regelmäßig von der AK Oberösterreich und dem Marktforschungsinstitut IFES für ganz Österreich erhoben. Dazu wurden zuletzt persönliche Gespräche mit mehr als 4.100 Personen aus allen Branchen geführt, 322 davon stammten aus dem Tourismus.

WKS: "Bewusstes Anschwärzen einer ganzen Branche"

Die Wirtschaftskammer Salzburg (WKS) sieht in der jährlichen Studie ein „durschaubares Manöver zur Beförderung untauglicher Gewerkschaftspositionen“, heißt es in einer Aussendung am Donnerstag. „Alle Jahre wieder müssen vida und AK die Arbeitsverhältnisse möglichst nachteilig zeichnen, um ihre Positionen zu platzieren, statt mit dem Tourismus das Gespräch zu suchen“, so Albert Ebner, Obmann der Sparte Tourismus bei der WKS. Wenn die Tourismus-Gewerkschafter und die AK wiederholt und nur über die Medien gegen einen der wichtigsten Arbeitsgeber in Österreich agitieren, dann sei das nur „bewusstes Anschwärzen einer ganzen Branche“, heißt es in der Aussendung weiter.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

Aufgerufen am 14.04.2021 um 11:25 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/ak-studie-beschaeftigte-im-tourismus-unzufrieden-79563460

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