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Darum gibt es jetzt so viele Alkolenker

Großteil mit mehr als einem Promille hinterm Steuer

13 Alkolenker wurden in den letzten sieben Tagen in Salzburg aus dem Verkehr gezogen oder waren in Unfälle verwickelt. Eine Kollision endete für einen Radfahrer tödlich. Warum Betrunkene sich immer wieder hinters Steuer setzen und weshalb sie das im Sommer am häufigsten tun, weiß Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

In St. Georgen bei Salzburg (Flachgau) waren am Abend des 12. Juni ein Autolenker und ein Radfahrer zusammengestoßen. Der Radfahrer verstarb noch an der Unfallstelle. Der Autofahrer hatte 0,62 Promille intus. In Leogang (Pinzgau) prallt ein Autofahrer am 13. Juni gegen einen Baum, gemessen werden 1,7 Promille.

Die höchsten Pegel hatten in den letzten Tagen ein Motorradfahrer in Elsbethen (Flachgau) sowie ein Autolenker in Ramingstein (Lungau). Ersterer wurde mit 1,92 Promille erwischt. Gegenüber der Polizei gab er an, dass er nur kurz Bier kaufen wollte – mit einem nicht zugelassenen Motorrad. In Ramingstein crashte ein 53-Jähriger mit 2,8 Promille.

Mehr Alkounfälle im Sommer

Österreichweit kam es 2019 zu 2.536 Alkounfällen mit Verletzten oder Toten. Auf Salzburgs Straßen waren es 224. Besonders von Juni bis August seien mehr Alkolenker unterwegs, berichtet der ÖAMTC. Dieser Trend zeichnet sich in der Statistik jedes Jahr ab. So auch im letzten Jahr: Im Juni vergangenen Jahres geschahen in Salzburg 32 Alkoholunfälle mit Personenschaden, im Juli  waren es 33 und im August 27. Zum Vergleich: Im Jänner und Februar ereigneten sich "nur" sieben bzw. neun Alkoholunfälle. Grund dafür ist laut Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin des ÖAMTC, dass es länger hell ist, draußen ist es wärmer und man sitze deshalb eher in geselligen Runden zusammen. „Jetzt nach Corona wahrscheinlich umso mehr“, erläutert sie im Gespräch mit SALZBURG24. Wird in Gesellschaft getrunken, spiele auch der Gruppendruck eine Rolle. Dann wirf man den zuvor gefassten Vorsatz nüchtern zu bleiben über Bord.

 

Seidenberger: "Dann verliert man die Kontrolle"

Von jenen 13 Alkolenkern in Salzburg in der letzten Woche waren acht mit mehr als einem Promille unterwegs. Dabei handle es sich keinesfalls um Ausnahmen. Laut Seidenberger zeige die Statistik, dass die Mehrheit der alkoholisierten Verkehrsteilnehmer sich in diesem Promille-Bereich befindet. „Ich glaube, dass bei den meisten – wenn sie trinken – die Barrieren fallen und sie noch mehr trinken. Dann gibt es keinen Weg zurück, dann verliert man die Kontrolle.“

 

Gründe für alkoholisiertes Fahren

Warum setzen sich immer wieder Betrunkene hinters Steuer? Im Hochgefühl des Rausches würden viele vergessen, wie beeinträchtigt sie sind, meint die Expertin. Viel zu spät würden Alkolenker an ihren Fehlleistungen merken, wie schlecht ihre Verfassung wirklich ist. Nicht nur Gleichgewichtssinn, Motorik und Reaktion sind beeinträchtigt, auch das Verantwortungsgefühl verabschiedet sich. Unterschätzung, Leichtsinn und Sprüche wie „Betrunken fahre ich immer noch besser als du nüchtern“ würden ihr Übriges beitragen.

Unfallrisiko verdoppelt sich

Schon bei 0,5 Promille verdoppelt sich das Unfallrisiko. Bei 1,0 Promille steigt es auf das Siebenfache und bei 2,0 Promille bereits auf das 35-Fache Risiko, erläutert der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Ab 0,8 Promille kommt es zu einem Tunnelblick, das Sichtfeld wird deutlich eingeschränkt und die Reaktionsgeschwindigkeit nimmt bis zu 50 Prozent ab. 

Werde ich nicht erwischt, speichert das Gehirn die Information ab, dass alles gut gegangen ist. Deshalb gebe es neben einer hohen Dunkelziffer sicher auch einige Wiederholungstäter in diesem Bereich, so Seidenberger. Im Vormerkregister (0,5 bis 0,79 Promille) steht Alkohol an erster Stelle. Sieben Prozent aller Unfälle in Österreich passieren in Zusammenhang mit Alkohol.

 

Was schreckt Alkolenker ab?

Um Menschen davon abzuhalten sich alkoholisiert hinters Steuer zu setzen, appelliert Seidenberger für mehr Kontrollen durch die Polizei. Das würde auch schon passieren, allein im Vorjahr wurden 1,8 Millionen Alkotests und -vortests gemacht. Höhere Strafen seien nur sinnvoll, wenn auch die Kontrollintensität gesteigert werde. Auch den Probeführerschein mit einer Grenze von 0,1 Promille sieht die Expertin als wirksam an. Gezielt erreichen müsse man ihrer Meinung nach männliche Fahrer zwischen 18 und 35 Jahren. Sie sind die Hauptgruppe der Alkolenker. Je früher sie damit konfrontiert werden, desto besser. In Salzburg werden dazu in Schulen Workshops mit Rauschbrillen abgehalten. Diese simulieren voreingestellte Promillewerte.

Fazit: „Es gibt gute Möglichkeiten, aber es braucht auch Selbsteinsicht. Nur Maßnahmen von außen werden das nicht unter Kontrolle bringen können“, sagt die Verkehrspsychologin.

(Quelle: SALZBURG24)

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Strafen für Alkofahrten in Österreich

Alkomat APA/BARBARA GINDL

Die Strafen bei Alkohol am Steuer reichen von Bußgeld bis zu Führerscheinentzug und Nachschulung. Wer mit mehr als 0,5 Promille unterwegs ist begeht in Österreich eine der „schwerwiegendsten Verkehrsübertretungen“, so der ÖAMTC. Für Probeführerscheinbesitzer sowie Lkw- und Busfahrer gilt eine Grenze von 0,1 Promille.

Diese Strafen drohen bei Alkohol am Steuer in Österreich:

0,5 bis 0,79 Promille

Strafe zwischen 300 und 3.700 Euro. Beim ersten Verstoß behält man den Führerschein, es gibt aber eine Vormerkung im Führerscheinregister. Beim zweiten Mal wird eine Maßnahme angeordnet, beim dritten Mal ist der Schein für mindestens drei Monate weg.

0,8 bis 1,19 Promille

Der Strafrahmen liegt bei 800 bis 3.700 Euro Bei der ersten Fahrt ist der Schein für ein Monat weg, Wiederholungstäter müssen mindestens drei Monate darauf verzichten. Ein Verkehrscoaching (100 Euro) ist verpflichtend.

1,2 bis 1,59 Promille

Eine Alkofahrt kostet in diesem Bereich zwischen 1.200 und 4.400 Euro. Eine Nachschulung ist verpflichtend, der Führerschein für mindestens vier Monate weg.

Ab 1,6 Promille

Zwischen 1.600 und 5.900 Euro sind fällig, der Führerschein wird für mindestens sechs Monate entzogen. Zudem ist eine Nachschulung (500 Euro), ein Termin beim Amtsarzt und eine verkehrspsychologische Untersuchung (363 Euro) nötig. Diese Konsequenzen blühen auch, wenn der Alkotest verweigert wird.

Aufgerufen am 13.07.2020 um 02:36 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/alkolenker-vermehrt-im-sommer-unterwegs-89051506

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