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Jeden Cent umdrehen

Warum Frauen im Alter ärmer dran sind

"Eine Neubewertung von Arbeit ist überfällig"

symb_altersarmut APA/DPA/WILLNOW
Für Frauen bleibt in der Pension oft nicht viel übrig. (SYMBOLBILD)

Ein Leben lang arbeiten, um dann im Alter trotzdem jeden Cent zweimal umdrehen zu müssen. Für viele Menschen in Österreich ist das Alltag. Warum besonders Frauen von Altersarmut betroffen sind, hat uns Ines Grössenberger vom Salzburger Frauenrat erklärt.

Im Jahr 2020 waren laut Statistik Austria in Österreich etwa 216.000 Menschen über 65 Jahren von akuter Armut betroffen. Davon knapp 145.000 Frauen. Noch immer sind die Pensionen von Frauen über 40 Prozent niedriger als die von Männern.

Pension APA/HARALD SCHNEIDER
Die Frauen in Salzburg bekommen nicht einmal halb so viel Pension wie die Männer.

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Altersarmut durch Betreuungsarbeit

Das hätte laut Grössenberger vor allem eine Ursache: „Unbezahlte Arbeiten bleiben nach wie vor oft an Frauen hängen.“ Sei es Kinderbetreuung, Hausarbeit oder die Pflege von Angehörigen. All das sei häufig wie selbstverständlich Frauensache. „Dafür reduzieren die meisten Frauen die Stunden ihrer bezahlten Arbeit“, betont Grössenberger.

 

Frauen müssen "Schwächen des Systems ausbaden"

Diese unbezahlten Arbeiten sollten zudem in einem höheren Ausmaß der Pension angerechnet werden, fordert die Expertin. Derzeit erhöhen angerechnete Kindererziehungszeiten die monatliche Pension um knapp 120 Euro, wie Berechnungen des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) zeigen. „Das Pensionssystem hat Schwachstellen, die häufig Frauen ausbaden müssen“, sagt Grössenberger.

Systemrelevant und schlecht bezahlt

"Eine generelle Neubewertung der Arbeit ist überfällig", sagt die Frauenpolitik-Referentin der Arbeiterkammer. Denn Frauen seien tendenziell in wichtigen, aber schlecht bezahlten Jobs tätig. „Wir sprechen in diesen Zeiten immer wieder von systemrelevanten Berufen. Also etwa Pflege oder Grundversorgung, das sind klassisch weibliche Berufsfelder. Und diese werden trotz ihres hohen Wertes vergleichsweise schlecht bezahlt, was für die Beschäftigten wiederum niedrige Pensionen bedeutet“, so Grössenberger.

Spagat zwischen Familie und Karriere 

Einen wichtigen Faktor sieht die Expertin auch in den Angeboten zur Kinderbetreuung. „Gerade im ländlichen Raum gibt es oft etwa keine Krabbelgruppen oder die Kindergärten schließen um die Mittagszeit. All das sind Faktoren, die Frauen von der vollen Erwerbstätigkeit fernhalten.“ Diese Einrichtungen seien auszubauen, um den Spagat zwischen Familie und Beruf überhaupt realistisch zu machen.

Ideal der Hausfrau und Mutter

Aber warum ist denn Kindererziehung in Österreich noch immer Frauensache? Das sei eine Kulturfrage, wie die Expertin betont. „Das Bild der Hausfrau und Mutter wird in Österreich bis heute glorifiziert.“ Recht machen könne man es als Frau aber ohnehin nicht jedem. „Frauen, die sich ausschließlich um die Arbeit im Haus und die Kinder kümmern, werden Glucke geschimpft, während Mütter, die Wert auf ihre Karriere legen, als Rabenmütter gelten“, so Grössenberger.

Wohlstand in Abhängigkeit

Man solle sich auch fragen, inwieweit man selbst und der eigene Wohlstand vom Partner abhängig sind. „Wir erleben oft, dass Frauen sich im Hinblick auf das Alter auf das Einkommen des Mannes verlassen. Wenn die Beziehung dann aber zerbricht, stehen viele ohne finanzielle Mittel da“, erklärt die Expertin.

Frauen könne man nur raten, sich die präsente Gefahr von Altersarmut bewusst zu machen. „Der Blick in die Zukunft darf bei allem, was im Leben los ist, nicht untergehen. Natürlich ist es nicht das Schönste der Welt, sich über seine Pension Gedanken zu machen, aber viele hätte das vor einem Lebensabend bewahrt, in dem das Geld nicht einmal für das nötigste reicht.“

(Quelle: SALZBURG24)

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