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Rücktritt gefordert

Corona-Impfung von Hagenauer sorgt für Wirbel

Verhalten von Salzburgs Sozial-Stadrätin "absolut unverständlich"

Anja Hagenauer Neumayr/Leo
Salzburgs Stadträtin Anja Hagenauer (SPÖ) hat bereits eine Corona-Impfung erhalten. Bei den NEOS stößt das auf Kritik. (Archivbild).

Wie die "Salzburger Nachrichten (SN)" am Donnerstag berichten, hat Sozial-Stadträtin Anja Hagenauer (SPÖ) am 27. Dezember die erste Corona-Teilimpfung bekommen. Die NEOS sprechen von einem "Impf-Gate"

Als am 27. Dezember im Seniorenwohnheim Liefering die ersten 96 Impfdosen im Bundesland symbolisch verabreicht worden seien, habe Hagenauer um eine Dosis gebeten. "Ich bin ständig in den Seniorenwohnhäusern unterwegs und kann dabei mich schützen und zugleich andere nicht gefährden", bestätigte Hagenauer der APA.

Hagenauer bekam übrige Impfdosis

Eine Ampulle beinhalte offiziell fünf Impfdosen, teilweise würden bei vielen Ampullen aber auch sechs Dosen herausgehen, sagte die Stadträtin. "Wir hatten dann nicht genug Leute, die zur Impfung angemeldet waren. Ich habe die Impfung bekommen, weil sie übrig war." Sie selbst sehe das unproblematisch, auch weil die Impfdosen nur wenige Tage halten. Weitere übrig gebliebene Impfdosen habe man in ein zweites Seniorenwohnheim gebracht.

Stadträtin will Vorbild sein

"Die Politik muss sich von Impfskeptikern immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, die Menschen als Versuchskaninchen für die Corona-Impfung zu verwenden. Es ist darum an der Zeit, dass sich Politiker hinstellen und sich impfen lassen. Die vorsichtige Zurückhaltung verstehe ich nicht." 

Impfbereitschaft sei gering

Man stehe auch in den städtischen Heimen vor dem Problem, dass die Impfbereitschaft gering ist. Bei den Bewohnern seien lediglich 50 Prozent bereit, sich impfen zu lassen, bei den Pflegekräften nicht einmal ein Viertel. "Wenn wir vorangehen, könnte das Unsicherheit minimieren."

Zuletzt hatte für Kritik gesorgt, dass sich etwa der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, mit übrig gebliebenen Dosen aus einem Seniorenheim impfen hat lassen. Anfang Jänner hatte auch der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" dafür plädiert, dass sich Politiker "schnellstens" impfen lassen sollen, denn das wäre ein Symbol.

Landesregierung will sich auch impfen lassen

Von den sieben Mitgliedern der Salzburger Landesregierung wurde bisher noch keines geimpft. Sie alle wollen sich aber impfen lassen, wenn die "normale" Bevölkerung an der Reihe ist bzw. wenn laut Impfplan der Bundesregierung ("kritische Infrastruktur") die Möglichkeit dazu besteht, hieß es auf Anfrage der APA am Donnerstag. 

Am wenigsten dringlich dürfte die Impfung übrigens bei Gesundheitslandesrat LHStv. Christian Stöckl (ÖVP) sein. Er hat nach einer Corona-Erkrankung Ende September derzeit noch Antikörper.

Hagenauer für NEOS rücktrittsreif

Erschüttert über Hagenauers Impfung zeigen sich die Salzburger NEOS in einer Aussendung. Fraktionsobmann Lukas Rößlhuber: "Anja Hagenauer ist für uns NEOS somit absolut rücktrittsreif. Sie hat schamlos ihre Position ausgenützt und sich hier einen Vorteil verschafft. Für uns NEOS ist das strukturelle Korruption, so geht das nicht. Hagenauer hat sich einfach vorgedrängt. So ein Verhalten ist einer Stadträtin absolut unwürdig. Wir NEOS werden umgehend eine Anfrage einbringen. Ich will u.a. wissen, warum die ,übrig gebliebenen Impfdosen' nicht an andere BewohnerInnen oder MitarbeiterInnen von städtischen Seniorenheimen verimpft wurde, immerhin wäre weitere 6 Stunden Zeit für die Verabreichung der Impfung gewesen. Ebenfalls will ich wissen, wie viele Bewohner_innen bzw. Mitarbeiter_innen sich seit dem 27. Dezember 2020 in städtischen Seniorenwohnheimen mit Covid-19 infiziert haben und wie viele davon im Krankenhaus ambulant oder stationär behandelt werden mussten."

Rößlhuber hoffe, dass Hagenauer die richtigen Konsequenzen zieht, ansonsten würde er den Bürgermeister auffordern, ihr die Zuständigkeit für die Seniorenwohnhäuser sofort zu entziehen. 

"Schlag ins Gesicht"

"Das Verhalten von Anja Hagenauer ist absolut unverständlich. Warum hat sie nicht sofort am 27. Dezember 2020 die Öffentlichkeit über ihre Impfung informiert? Immerhin wäre sie die erste geimpfte Politikerin Österreichs gewesen. Warum macht sie das erst nach medialen Druck?", fragt sich NEOS Salzburg Gesundheitssprecher Sebastian Huber: "Die Corona-Impfung polarisiert die Gesellschaft bereits über Gebühr. Gerade jetzt bräuchte man Politikerinnen und Politiker, die sich glaubhaft und vorbildlich rund um die Uhr für die Akzeptanz der Impfung einsetzen. Es gibt tausende Salzburgerinnen und Salzburger, die auf eine Impfung gegen das Coronavirus warten. Zu mir kommen täglich Patienten der Risikogruppen in die Praxis, die sich gegenseitig pflegen und hoffen, so rasch wie möglich geimpft zu werden. Für diese Menschen ist das Verhalten Hagenauers ein Schlag in das Gesicht".
 

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 02.08.2021 um 05:18 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/anja-hagenauer-corona-impfung-sorgt-fuer-wirbel-98016145

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