Jetzt Live
Startseite Salzburg
25.021 Salzburger ohne Job

Arbeitslosenquote in Salzburg fast verdoppelt

Tourismusbranche extrem betroffen

Die Corona-Pandemie sorgte in Österreich für ein Rekord-Hoch an Arbeitssuchenden. Der Jahresausklang brachte in Salzburg beinahe eine Verdoppelung der Arbeitslosenzahlen gegenüber dem Vorjahr. Besonders schlimm traf es den Tourismus. Hier verursachte der Ausfall der Wintersaison ein Arbeitslosen-Plus von fünfhundert Prozent.

Keine guten Nachrichten hat das Arbeitsmarktservice zum Jahresbeginn parat: „Wie nicht anders zu erwarten, haben uns die fortgesetzten Lockdowns und der Corona bedingt entfallene Saisonauftakt einen massiven Zuwachs bei der Arbeitslosigkeit beschert“, beschreibt Jacqueline Beyer, Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice Salzburg, die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt. „Mehr Arbeitslose hatten wir zuletzt im Mai. Mit dem explosionsartigen Zuwachs im Hotel- und Gastgewerbe verbunden ist aber auch mehr als eine Verdoppelung der Arbeitslosen im Verkehrsbereich und starke Zuwächse im Handel sowie saisonbedingt auch im Bauwesen“, so Beyer.

Salzburg schwer betroffen

Insgesamt 25.021 Personen waren am Jahresende beim AMS Salzburg arbeitslos vorgemerkt. Das sind um 94,6 Prozent oder 12.164 Arbeitslose mehr als Ende Dezember des Vorjahres. Abgesehen von Tirol (+145,4%), war in keinem Bundesland der Anstieg höher. Im bundesweiten Schnitt sind die Arbeitslosenzahlen um 31,4 Prozent gestiegen.

Gleichzeitig nahmen 1.921 Personen an Aus- und Weiterbildungsaktivitäten des AMS teil. Diese eingerechnet, waren fast 27.000, exakt 26.942 Personen, ohne Beschäftigung. Ein Zuwachs von 82,6 Prozent.

Seit über zehn Monaten bestimmt die Coronakrise die Lage am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer lag Ende Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 28 Prozent höher. 520.919 waren arbeitslos gemeldet oder in Schulung, das sind um 113.047 mehr als vor einem Jahr. Erstmals gibt es im Winter 2020/2021 mehr als 500.000 Arbeitslose.

Arbeitslosenquote in Salzburg fast verdoppelt

Bei der unselbständigen Beschäftigung erwarten die Arbeitsmarktexperten einen Rückgang um rund 8.000 Dienstverhältnisse, das wären minus 2,8 Prozent (genaue Daten liegen erst zur Monatsmitte vor). Daraus resultiert eine Arbeitslosenquote (der Anteil der Arbeitslosen an allen Arbeitskräften) von 8,7 Prozent. Das ist mit plus 4,2 Prozentpunkten binnen Jahresfrist fast eine Verdoppelung, bedeutet aber trotzdem einen Wert deutlich unter dem Bundesschnitt von 11,0 Prozent (jeweils nach nationaler Berechnungsmethode). Im österreichweiten Ranking liegt Salzburg derzeit nach Oberösterreich und Vorarlberg auf dem dritten Platz.

Corona-Pandemie sorgt für Höchststand

Der coronabedingte Höchststand war Mitte April mit 588.000 Jobsuchenden erreicht worden. Die Arbeitslosenquote belief sich im Dezember in Österreich laut Arbeitsmarktservice (AMS) auf 11 Prozent, das war um 2,5 Prozentpunkte höher als im Dezember 2019. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten ging im Vergleich zum Vorjahresmonat laut Prognose um 1,4 Prozent auf 3,716 Millionen zurück. Die Anzahl der sofort verfügbaren Stellen schrumpfte um 22,7 Prozent auf 50.610. Die Zahl der Personen in Kurzarbeit ist im Vergleich zum Vormonat um 140.000 gestiegen. Derzeit befinden sich laut Arbeitsministerium 417.113 Personen in Kurzarbeit.

Wintertourismus-Ausfall kurbelt Arbeitslosigkeit an

"Ende Dezember 2020 zeigt der fehlende Saisonstart im Wintertourismus deutliche Auswirkungen auf die krisenbedingte Arbeitslosigkeit", so Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) am Montag in einer Aussendung. "Gemeinsam mit den saisonalen Effekten im Bau, die sich im üblichen Rahmen bewegen, ist die Situation am Arbeitsmarkt derzeit enorm herausfordernd." Aschbacher verwies aber auch auf Lichtblicke am Arbeitsmarkt. "Wir konnten im vergangenen Jahr 607.704 Personen wieder vermitteln, das ist um 1 Prozent mehr als 2019." Dies zeige wie dynamisch der Arbeitsmarkt trotz der Krise sei.

"Seit Jahrzehnten schwierigstes Jahr am Arbeitsmarkt"

Die Oppositionsparteien sehen aufgrund der aktuellen Arbeitslosenzahlen dringenden Handlungsbedarf. "Wir haben die höchste Winterarbeitslosigkeit der Zweiten Republik und die Regierung hat keinen Plan", so SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch. Erneut forderte Muchitsch ein großes Konjunkturpaket und deutlich mehr Mittel für Arbeitslosenschulungen. "Die Bundesregierung hat mit ihrer vollkommen hilf- und planlosen Auf-Zu-Auf-Zu-Politik nichts als Verunsicherung gestiftet und verantwortet nun erstmalig über eine halbe Million Arbeitslose", sagte NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker. Erneut drängte Loacker "auf Planbarkeit und Verlässlichkeit" für Unternehmen. "Ansonsten werden die Arbeitslosenzahlen weiter steigen und steigen." AK- Präsidentin Renate Anderl forderte von der türkis-grünen Regierung weitere Maßnahmen, um für "mehr Beschäftigung zu sorgen, damit die Arbeitslosigkeit wieder sinken kann". Die leitende Sekretärin des ÖGB, Ingrid Reischl, verwies auf die stark steigende Frauenarbeitslosigkeit. Ende Dezember lag das Plus bei weiblichen Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern gegenüber Ende 2019 bei 35,1 Prozent, bei Männern hingegen nur bei +22,6 Prozent.

"Das seit Jahrzehnten schwierigste Jahr am Arbeitsmarkt verabschiedet sich mit auch wirklich schlechten Arbeitslosenzahlen", kommentierte AMS-Vorstand Johannes Kopf die aktuellen Zahlen. Der dritte Lockdown führe zu einer mehr als Verdopplung der Arbeitslosigkeit in Gastronomie und Tourismus gegenüber dem Vorjahr. "Der scheinbar naheliegende Schluss, dass Kurzarbeit in dieser Branche daher nicht funktioniert, ist aber falsch", so der AMS-Chef. Mit fast 100.000 Arbeitnehmern in Kurzarbeit sei der Tourismus aktuell Spitzenreiter aller Branchen beim "Jobretten".

Zahlen steigen in Salzburg

Ende Dezember waren 79.584 Personen in Hotellerie und Gastronomie ohne Job, ein Plus von knapp 114 Prozent gegenüber Ende 2019. Auch das Plus bei Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern war in anderen Branchen hoch, im Verkehr und Lagerwesen (+41,5 Prozent), Gesundheits- und Sozialwesen (+22,6 Prozent) und bei der Herstellung von Waren (+21,7 Prozent). Deutlich niedriger lag der Arbeitslosenanstieg am Bau und bei der Arbeitskräfteüberlassung mit jeweils 11,1 Prozent.

Die Arbeitsmarktentwicklung unterscheidet sich stark nach Bundesländern. Den niedrigsten Anstieg von Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern Ende Dezember im Vergleich zu Ende 2019 gab es in Niederösterreich (+15,1 Prozent), Burgenland (+16,0 Prozent), Oberösterreich (+16,9 Prozent), Steiermark (+21 Prozent), Kärnten (+21,2 Prozent) und Wien (+22,6 Prozent). Deutlich stärker fiel das Plus in Vorarlberg (+48,2 Prozent), Salzburg (+82,6 Prozent) und Tirol (+129,5 Prozent) aus.

Zahlreiche Langzeitarbeitslose in Österreich

Österreichweit sind viele Arbeitslose sehr lange auf Jobsuche. Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen lag Ende Dezember bei 136.620, ein Plus von 37,3 Prozent gegenüber dem Jahr davor.

Das Arbeitsmarktservice veröffentlichte am Montagvormittag auch den Arbeitslosigkeit-Jahresschnitt. Im Gesamtjahr 2020 gab es 466.746 Arbeitslose und Schulungsteilnehmer, ein Plus von 28,5 Prozent gegenüber 2019. "Wenn auch schon Licht am Horizont erscheint, noch ist diese Krise nicht vorbei", so AMS-Vorstand Kopf. "Viele Probleme, wie insbesondere das Ansteigen der Langzeitarbeitslosigkeit, werden uns noch lange beschäftigen."

Salzburger Arbeiterkammer über Arbeitslosenzahlen

Der Präsident der Salzburger Arbeiterkammer, Peter Eder, bezieht in einer Aussendung Stellung: „Die Verdoppelung der Jobsuchenden ist zum einen auf die aktuellen Entwicklungen im 3. Lockdown und zum anderen auf eine generelle Verfestigung der Arbeitslosigkeit zurückzuführen.“ Seine Forderung: „Mehr als 5.000 Menschen suchen seit mehr als ein halbes Jahr eine neue Arbeit. Um den Menschen in dieser schwierigen Situation den nötigen Halt zu geben, ist es höchste Eisenbahn, aktive Arbeitsmarktpolitik zu forcieren, arbeitssuchenden Menschen mit nachhaltigen Umschulungsmaßnahmen neue Chancen zu eröffnen und das Arbeitslosengeld auf 70 Prozent der Nettoersatzrate zu erhöhen.“

Zudem fordert Eder, dass die mit 31. Dezember 2020 abgelaufene Aufstockung der Notstandshilfe auf die Höhe des Arbeitslosengeldes weiter verlängert werden muss. „Es wäre auch an der Zeit, über eine Jobgarantie für Arbeitslose nachzudenken. Menschen, die vor allem schon länger von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sollen durch öffentliche oder gemeinnützige Jobs zurück ins Arbeitsleben geholt werden“, so Eder.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 15.06.2021 um 11:35 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/arbeitslosigkeit-quote-in-salzburg-fast-verdoppelt-97880941

Kommentare

Mehr zum Thema