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Salzburger Arbeitsmarkt

Potenzial der Gruppe 50+ "ungenützt"

AMS-Chefin setzt auf ältere Arbeitnehmer

Derzeit schwebt der Salzburger Arbeitsmarkt noch auf Wolke 7: Im ersten Halbjahr 2019 sank die Arbeitslosenquote dank Hochkonjunktur um 4,6 Prozent. Gedämpft wird die Freude jedoch von der Vorhersage für das Jahr 2020. Jacqueline Beyer, AMS Geschäftsführerin in Salzburg, kündigte am Dienstag bei einem Pressegespräch an, den Fokus noch mehr auf die Gruppe 50+ legen zu wollen.

Beyer spricht von einer „schönen Pressekonferenz“ für die Zwischenbilanz: Dank der Hochkonjunktur könne man für das Jahr 2019 vorläufig erfreuliche Zahlen präsentieren. Die Zahl der Beschäftigungslosen ging in fast allen Bezirken zurück, nur im Pongau gibt es einen minimalen Anstieg von 0,2 Prozent. Hier sind im Vergleich zum Vorjahr vier Menschen mehr als arbeitslos gemeldet.

Bezirk Durchschnittsbestand Veränderung absolute Zahlen Veränderung in Prozent
Bischofshofen 2.036 4 0,2 Prozent
Hallein 1.187 -30 -2,5 Prozent
Salzburg Stadt 4.745 -345 -6,9 Prozent
Salzburg Umgebung 2.524 -145 -5,4 Prozent
Tamsweg 500 -31 -5,8 Prozent
Zell am See 2.290 -84 -3,5 Prozent

50+ deutlich länger arbeitslos

Von der guten Wirtschaftslage profitieren die Jungen: In der Altersklasse bis 25 ist die Arbeitslosigkeit mit einem Minus von 2,6 Prozent weiter rückläufig. Den Langzeitarbeitslosen bietet sie ebenfalls eine Perspektive. 7,2 Prozent haben eine Arbeitsstelle gefunden. Von 48.000 Menschen die lange ohne Beschäftigung sind, entfallen nur 1.143 auf Salzburg – also jeder Vierzigste.

Angestiegen ist hingegen die Zahl der beschäftigungslosen Salzburgerinnen und Salzburger über 50 Jahren. Das Plus von 1,6 Prozent – 4.235 Menschen – macht Beyer besonders Sorge. „Die Arbeitslosigkeit droht sich zu verfestigen“, erklärt sie. Mit acht Monaten sind die Arbeitssuchenden in dieser Altersgruppe etwa drei Mal länger arbeitslos, als der Durchschnitt. Beyer: „Hier hat die Hochkonjunktur ihre Grenze.“

 

Zu viele offene Lehrstellen

Sie sagt: „60 ist das neue 50.“ Die Menschen müssten immer länger arbeiten, das Potenzial von 1.109 Menschen mit Lehrabschluss über 50 bleibe in Salzburg aber ungenutzt. Und das, während es immer schwieriger sei, Jugendliche für eine Lehre zu begeistern. Einerseits gäbe es durch den Demografiewandel immer weniger junge Leute. Andererseits sei es schwierig, die Eltern auch von einer Lehre zu überzeugen: Oft würde die Wahl dann auf eine weiterführende Schule fallen, sagt Beyer. In Salzburg kommen 2019 auf einen Jugendlichen knapp drei offene Lehrstellen.

 

Lehre für Erwachsene als Chance

Um diesem Mangel entgegenzuwirken, setzt das AMS auch auf die Lehre für Erwachsene. 42 Prozent der AMS-Klientinnen und -Klienten haben lediglich einen Pflichtschulabschluss. „Für diese Leute gehen uns – auch durch die Digitalisierung – die Hilfsarbeiter-Jobs aus“, gibt Beyer zu bedenken. Die Lehre für Erwachsene könnte diesen Menschen eine neue Chance am Arbeitsmarkt geben.

 

AMS fördert Lehrstellen

500 solcher Lehrstellen wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres vom AMS gefördert, 2018 waren es 952. Die Betriebe seien ebenfalls offen für erwachsene Lehrlinge, sagt die AMS-Chefin. Anlaufen würde die Erwachsenenlehre in Salzburg jedoch nur schleppend. Es sei eben auch ein „großer Schritt“ mit 35 oder 50 noch eine Lehre zu machen, schildert Beyer. Vor Kurzem wurden in Salzburg 640 Arbeitssuchende über diese Möglichkeit aufgeklärt, dazu gibt es auch eine Reihe an Potenzialtests für die Interessentinnen und Interessenten. Das Feedback dazu bekomme man allerdings erst.

Prognose: Wachstum sinkt 2020

Beim AMS denkt man schon an das Jahr 2020. Während laut Institut für Höhere Studien (IHS) die Wirtschaft 2019 um 2,7 Prozent wächst, sinkt die Konjunktur im kommenden Jahr auf ein Plus von 1,7 Prozent. In Salzburg will man den Fokus weiter auf die älteren Arbeitskräfte richten. 3,4 Millionen Euro zahlte das AMS deshalb bereits an Förderung an Betriebe, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 50 Jahren einstellen. 60 Prozent dieser Arbeitsplätze blieben auch ohne Förderung im Anschluss erhalten. Das sei genau das Potenzial, „das wir beim aktuellen Fachkräftemangel brauchen“, ist Beyer überzeugt.

(Quelle: SALZBURG24)

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