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Welcher Pkw passt zu mir?

Autos mit E-Motoren erobern Salzburgs Straßen

Hybrid, Plug-in & Stromer verdrängen Verbrenner

symb_e-auto APA/dpa/Arne Dedert
Autos mit E-Motoren dominieren bald die Straßen in Österreich. (SYMBOLBILD)

Hybrid, Plug-in-Hybrid oder Elektroauto – wer sich ein Auto mit alternativem Antriebsmotor anschaffen möchte, hat die Qual der Wahl. Doch wie unterscheiden sich die Modelle und wie finde ich heraus, welches für mich das richtige ist?

Mittlerweile gibt es kaum einen Autohersteller, der keinen Pkw mit alternativem Antriebsmotor auf dem Markt hat. Damit ist der Elektromotor in der Autowelt angekommen. In ein bis zwei Jahren werde es überhaupt kein Auto mehr ohne Elektromotor geben, prognostiziert Erich Groiss, Technik-Koordinator des ARBÖ Österreich im Interview mit SALZBURG24. „In den nächsten Jahren wird sich Hybrid durchsetzen, das rein Elektrische bleibt noch in der Minderheit“, sagt er.

 

Immer mehr Hybrid, Plug-in-Hybrid & E-Autos unterwegs

Die aktuellen Zahlen von Statistik Austria bestätigen den Trend. Der Vergleich der Neuzulassungen im jeweils ersten Halbjahr von 2016 bis 2020 zeigt den Anstieg der alternativen Antriebsarten bei den Pkw sehr deutlich.

 

Binnen vier Jahren haben sich die Neuzulassungen von Autos mit Elektromotor also vervierfacht.

Die aktuellen Zahlen vom Jänner 2021 zeigen außerdem, dass von den gesamt 19.863 neu zugelassenen Pkw bereits 5.827 auf Elektro, Hybrid oder Plug-in-Hybrid fallen.

 

In Österreich sind mit Stand Jänner 2021 insgesamt 5.089.239 Autos zugelassen. Davon sind knapp 90.000 Hybride und 45.000 reine Stromer auf den Straßen unterwegs. Das entspricht einem Gesamtanteil von 2,6 Prozent. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag der Pkw-Bestand in Österreich bei rund 4,8 Millionen Autos, Hybrid, Plug-in und E-Autos kamen auf einen Anteil von 0,7 Prozent.

 

Wie unterscheiden sich Hybrid-, Plug-in- und Elektroauto?

„Alle drei Systeme – Hybrid, Plug-in-Hybrid und Elektro – brauchen die gleichen Bauteile: Elektromotor und Wechselrichter“, erklärt Rupert Brugger, Bundesschulungsleiter des ARBÖ Österreich im Gespräch mit SALZBURG24. „Der Unterschied liegt bei der Batterie – und zwar sowohl im technischen Aufbau als auch bei der Größe“, erklärt der Experte. Während die Hybridbatterie im Auto unter der Rücksitzbank verbaut ist, findet man diese beim Plug-in auf der Bodenplatte. Bei E-Auto ist der Lithium-Ionen-Akku so groß wie der Fahrzeugboden und bildet damit das Herzstück des Fahrzeuges.

Die Unterschiede liegen vor allem in der elektrischen Reichweite. Mit einem Hybrid fährt man bei einer maximalen Geschwindigkeit von 70 km/h rund zehn Kilometer elektrisch. „Das ist ein reines Energiegewinnungssystem, das helfen soll, Sprit zu sparen“, so Brugger. Einen Schritt weiter geht das Plug-in-System, das eine Lademöglichkeit des Autos anbietet. Hier kommt man im Schnitt auf rund 50 Kilometer rein elektrische Reichweite bei voller Geschwindigkeit. Und beim E-Auto ist – wie der Name sagt – alles elektrisch. Aber auch hier gibt es je nach Batterie teils enorme Unterschiede bei der Reichweite – im Schnitt fährt man mit diesen Autos zwischen 300 und 400 Kilometer weit.

Die drei Elektro-Varianten im Überblick:

  • Hybrid: Energiegewinnungssystem, zehn Kilometer elektrische Reichweite
  • Plug-in-Hybrid: Batterie kann aufgeladen werden, 50 Kilometer elektrische Reichweite
  • E-Auto: rein elektrisch, Lithium-Ionen-Batterie als Herzstück, mehrere 100 Kilometer Reichweite

Welches Auto passt zu mir?

Und wie entscheide ich am besten, welches Auto zu mir passt? Bei einer Neuanschaffung müsse man sich in erster Linie die Frage stellen: Wie viele Kilometer pro Tag fahre ich tatsächlich? Sind es nicht mehr als 20 bis 40 macht es durchaus Sinn über ein E-Auto nach zudenken. Vor allem dann, wenn man die Möglichkeit hat, das Auto zu Hause zu laden“, weiß Brugger. „Wenn ich hingegen ein Langstreckenfahrer bin, dann muss ich eh in Richtung Plug-in-Hybrid greifen oder beim Dieselmotor bleiben.“

Tatsächlich habe jede Marke ihre Eigenheiten – je besser man die eigenen Fahrgewohnheiten kennt, desto leichter sei die Entscheidung, ob Elektro-Motor und wenn ja, in welcher Form, ergänzt ÄRBO-Technik-Koordinator Groiss im S24-Gespräch. Grundsätzlich sei immer anzuraten, sich vor dem Autokauf nicht nur beim Verkäufer, sondern bei einer unabhängigen Stelle, wie den Verkehrsclubs, zu informieren.

ARBÖ SALZBURG24/Schuchter
Wir haben ÄRBÖ-Bundesschulungsleiter Rubert Brugger (links) und Technik-Koordinator Erich Groiss beim ARBÖ-Stützpunkt in Mondsee in Österreicher zum Interview getroffen.

Was spricht gegen ein E-Auto?

Argumente gegen den Kauf eines E-Autos sind die noch nicht flächendeckend ausgebauten Lademöglichkeiten, die Ladezeiten und der Tarif-Dschungel. „Die Tarife legen die Anbieter fest und diese sind heute noch völlig uneinheitlich. Das ist ein wahrer Dschungel. Ich selbst habe zwar nur ein Plug-in-Auto, aber dafür schon sechs, sieben Apps auf meinem Handy“, kritisiert Groiss. Es gebe bereits Versuche einer Vereinheitlichung, doch das ist für Groiss zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber gleichzeitig auch noch ein langer Weg.

Mehr Transparenz bei den Strom-Ladetarifen für Elektroautos wurde auch bei der kürzlich abgehaltenen Tagung der Regulierungsbehörde E-Control ausdrücklich gefordert.

"Rund drei Viertel wissen vor dem Laden nicht, wie hoch die Kosten für das Laden sein werden", sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Die Transparenz müsse hier größer werden. Zum Preisvergleich der Ladeverträge sei eine gesetzliche Grundlage nötig. Funktionieren könnte ein solches Tool so wie der Energiepreisrechner der E-Control mit den Strom- und Gaspreisen. "Es wäre gut, wenn man das erweitern und mit dem von uns betriebenen E-Ladestationen-Verzeichnis koppeln könnte", so Urbantschitsch.

Die Asfinag hat inzwischen 30 ihrer 87 Raststationen mit Ladestationen ausgerüstet, vier weitere sollen heuer dazukommen. Ende 2021/Anfang 2022 wolle man im Schnitt alle 65 Kilometer eine Ladestation haben. Insgesamt verfügt Österreich aktuell über rund 7.800 Ladepunkte in etwa halb so vielen öffentlichen Ladestationen.

Wie ökologisch ist ein E-Auto wirklich?

Lange thematisiert wurde auch der ökologische Fußabdruck von Pkw mit Elektromotoren. Die ARBÖ-Experten sind dazu geteilter Meinung. „Wenn ich mir den CO2-Ausstoß beim Fahren anschaue, dann ist das E-Auto natürlich super. Aber wenn man die komplette Bilanz inklusive Batterieherstellung nimmt und das dann mit einem Diesel oder Benzinmotor vergleicht, dann ist der CO2-Ausstoß je nach Batteriegröße in etwa gleich oder anfangs sogar noch höher“, pflichtet auch Groiss bei. Mit den Jahren sei das E-Auto in der Bilanz aber immer besser.

Beim Verkehrsclub rechnet man damit, dass sich in den kommenden Jahren gerade bei der Batterietechnologie noch „sehr viel tun“ werde. In fünf bis zehn Jahren soll die E-Mobilität auf Österreichs Straßen noch deutlicher zunehmen. Verbrenner ohne E-Motoren werde es bis dahin gar nicht mehr geben, so die Experten. „Weil schon jetzt alle Fabrikanten auf die alternativen Antriebsarten aufgesprungen sind.“ Apropos Alternativen: Wie schaut es mit Wasserstoff aus? Auch diese Technologie werde mehr und mehr kommen, aber zuerst im Schwerverkehr bei Zügen, Bussen und Lkw. „Das Auto ist dafür noch zu klein.“

Der Boom an E-Mobilität wurde auch von der Politik durch eine Reihe an Fördermaßnahmen von Bund und Ländern angestoßen. "Unser Budget von drei Millionen Euro für 2021 wurde vollständig abgeholt", hab Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn (Grüne) heute bekannt. So können Förderungen ab sofort nur mehr über den Bund beantragt werden. Dort stehen noch 26,8 Millionen Euro zur Verfügung.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 26.09.2021 um 05:58 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/autos-mit-e-motoren-erobern-die-strassen-100975663

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