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Seelische Gesundheit stärken

So schafft ihr Sprung aus belastendem Alltag

"Amateure arbeiten durch, Profis machen Pause"

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Familie, Karriere und Freizeit unter einen Hut zu bekommen, kann eine große Herausforderung sein. (SYMBOLBILD)

Dicht getakteter Terminkalender, Druck im Job und Freizeitstress: All das sind Dinge, die uns im Alltag belasten und sich im schlimmsten Fall negativ auf unsere Gesundheit auswirken können. Wie wir das verhindern und was wir tun können, wenn wir schon einmal in einen solchen „Strudel“ geraten sind, lest ihr hier.

Der Wecker klingelt früh, am Weg zur Arbeit macht uns ein Stau einen Strich durch den Zeitplan. Danach hasten wir von Termin zu Termin, zum Essen bleibt keine Zeit. Später geht Zuhause der Stress weiter: Die Kids wollen bespaßt werden, irgendetwas halbwegs Gesundes sollte auf den Teller kommen und am Abend warten noch Hausarbeit oder andere Verpflichtungen, die tagsüber liegen geblieben sind. Die meisten von uns haben diese oder ähnliche Situationen wohl schon einmal erlebt. Auf Dauer kann das auf die Gesundheit gehen. Genau dem will die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) mit einer Initiative entgegenwirken. Den ganzen Oktober steht die Förderung der mentalen Gesundheit im Fokus, dazu gibt es einige kostenlose Online-Seminare.

 

Belastende Alltagssituationen sicher bewältigen

Eines davon beschäftigt sich mit belastenden Alltagssituationen. „Es geht darum, wie wir damit so umgehen, dass wir sie möglichst gelassen und sicher bewältigen. Situationen im Job und im Privatleben können zu einer Überforderungsreaktion führen. Darunter leidet die Gesundheit“, erklärt der vortragende Arbeits- und Gesundheitspsychologe Dr. Emanuel Maxl im SALZBURG24-Interview. Um solche Überforderungen zu vermeiden, werden drei Säulen in den Blick genommen.

Externe Auslöser reduzieren oder abbauen

Die erste dieser Säulen sind externe Auslöser, wie äußere Belastungen und Anforderungen. Darunter fallen etwa Zeitdruck in der Arbeit, ständiges Erreichbar-Sein, die Pflege kranker Angehöriger oder die Corona-Krise, so der Seminarleiter. Hier sei es wichtig, eine aktive Rolle einzunehmen, um diese externen Belastungen zu verringern oder abzubauen. „Das kann etwa durch Fortbildungen passieren. Ich könnte aber auch in meiner Firma Vorschläge machen, wie man die Organisation verbessern könnte.“ Man könnte ebenso am Selbstmanagement arbeiten: „Vielleicht könnte man die Zeitplanung im Beruf und in der Freizeit etwas realistischer gestalten.“ Hilfreich sei zudem, Grenzen zu setzen, sowohl anderen gegenüber, als auch gegenüber sich selbst, zum Beispiel, indem man um Unterstützung bittet.

Eigene Denkmuster "selbstkritisch" betrachten

Wenn wir die zweite Säule, unsere persönlichen mentalen Verstärker, anschauen, geht es darum, sich seine Gedanken und Einstellungen bewusst zu machen. Dazu gehört, innerlich einen Schritt zurück zu gehen und von außen selbstkritisch auf seine eigenen Denkmuster zu schauen, führt Maxl aus. „Welche dieser Muster bringen mich noch mehr in Überforderung und Stress? Man könnte zum Beispiel perfektionistische Leistungsansprüche kritisch anschauen und lernen, seine Grenzen ein Stück weit zu akzeptieren.“ Außerdem gibt es die Möglichkeit, Schwierigkeiten nicht immer als Bedrohung, sondern manchmal als Chance zu sehen und sich zu fragen, wie es danach sein wird, wenn man diese überwunden hat.

"Nicht an Verletzungen festkleben"

Eine weitere Strategie kann laut Maxl sein, innere Distanz zu gewissen Aufgaben zu gewinnen und sich nicht allzu schnell angegriffen oder betroffen zu fühlen. Der Psychologe rät zudem, nicht an allen psychischen Verletzungen oder negativen Gefühlen „festzukleben“, sondern zu versuchen, das eine oder andere loszulassen. „Manchmal sollten wir uns selbst auch etwas weniger wichtig nehmen und unseren falschen Stolz ablegen.“

Erholung enorm wichtig

Wenn wir bereits in eine Überforderung oder Erregung geraten sind, was sich zum Beispiel in Nervosität, Wut oder erhöhtem Puls äußern könne, sei die Hoffnung aber noch nicht verloren. Hier kommt die dritte Säule in Spiel: Erholung und körperlicher und psychischer Ausgleich. „Gute Möglichkeiten sind Sport, gesunde Ernährung, Austausch mit Freunden oder genügend Zeit für Hobbys und Freizeit.“ Nicht immer sei Nichts-Tun das Richtige, um sich zu erholen, weiß der Experte. Es komme immer darauf an, woher die Belastung gekommen ist. „Wenn ich innerlich unruhig bin und runterkommen will, könnte ich zum Beispiel in die Sauna gehen oder Entspannungsübungen machen.“ Wenn man hingegen wütend sei, sei man nur einfach ausgelastet und andere Fähigkeiten würden brach liegen. Das gelte es dann in der Freizeit auszugleichen. „Wenn ich in der Arbeit geistig gefordert bin, könnte ich in der Freizeit zum Beispiel etwas basteln oder mich körperlich betätigen.“

 

Anspannung vs. Entspannung

Abgesehen von diesen drei Säulen spielen auch Pausen eine extrem wichtige Rolle, betont der Psychologe. „Wenn ich nach sechs Stunden eine längere Pause mache, hat das für meine Leistungsfähigkeit nie denselben Effekt, wie wenn ich rechtzeitig mehrere kürzere Pausen mache“, weiß Maxl. Denn bei all der Anspannung brauchen wir Menschen immer Entspannung: „Wenn ich das zu lange ignoriere, besteht die Gefahr, dass die gesundheitlichen Probleme chronisch werden und ich zum Beispiel in eine Erschöpfungsdepression falle.“

Als konkretes Beispiel hierfür nennt der Arbeitspsychologe den Sport: „Gerade gestern beim Fußballspiel der österreichischen Nationalmannschaft ist wieder oft der Begriff ‚Regeneration‘ gefallen. Im Trainingsplan ist das als fester Bestandteil eingetragen.“ Das zeige die Wichtigkeit der Erholung: „Ich sage immer, Amateure arbeiten durch, Profis machen Pause.“

Eigenes Angebot in Salzburg

Neben der Oktober-Initiative der ÖGK werden im Bundesland Salzburg auch kostenlose Präsenzkurse angeboten. Genauere Informationen findet ihr HIER. Dass mittels dieser Initiativen versucht wird, mehr Fokus auf das Thema der psychischen Gesundheit zu lenken, begrüßt Maxl. „Es geht in die richtige Richtung. Allerdings gibt es noch Aufholbedarf.“ Es müsse etwa noch weiter an der Enttabuisierung des Themas gearbeitet werden. Zudem würden manche Bevölkerungsgruppen nur schwer erreicht: „In den Kursen sind meist zwei Drittel Frauen. Wir wollen mit den Angeboten aber auch die Männer ansprechen.“ Grundsätzlich wünscht sich der Psychologe, dass wir im Alltag bewusst auf Situationen und uns selbst schauen. Denn man tendiere oft dazu, Probleme oder den Erholungsbedarf zu ignorieren. „Ich wünsche mir, dass wir mit uns selbst sensibel, geduldig und sorgsam umgehen.“

(Quelle: SALZBURG24)

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