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So lernen Kinder lesen

Vorlesen durch Eltern hilft

Lesen, Buch, SB Pixabay/CC0
Lesen lernt man in der ersten und zweiten Klasse Volksschule. (SYMBOLBILD)

In Salzburgs Volksschulen wird es am kommenden Montag wieder ernst. Intensiv beschäftigen werden sich die 5.192 „Taferklassler“ mit dem Lesenlernen. Wie das funktioniert und worauf Eltern achten sollten, erklärt Gabriele Breitfuß-Muhr von der Pädagogischen Hochschule (PH) Salzburg.

Lesen ist eine Grundkompetenz. Beherrscht man es nicht, ist man im Alltag schnell aufgeschmissen. Umso wichtiger ist es, dass Kinder diese Fertigkeit bereits in der Volksschule erlernen und festigen. Breitfuß-Muhr ist an der PH für den Bereich Fort-und Weiterbildung von Volksschullehrerinnen und -lehrern zuständig sowie für das Projekt „Lesefrühstück“. Lesenlernen sei eine komplizierte Angelegenheit: „Nicht umsonst lernen Lehrpersonen das in einem fünfjährigem Studium.“ Einige Grundsätze müssen dabei beachtet werden.

Wie lernt man lesen?

Zuallererst funktioniert das Lernen in zwei Stufen:

  1. Leseerwerb: Wie funktionieren Laute, Wörter und Sätze überhaupt?
  2. Sinnerfassendes Lesen: Strategien zum Verstehen der Inhalte von Texten werden erlernt.

Der Erwerb des Lesens erfolgt stufenweise. Im logograpischen Stadium beginnen Kinder Buchstaben und Wörter aufgrund von Assoziationen zu erkennen: „Das große M etwa bringen viele in Verbindung mit einer bekannten Fast-Food-Kette“, weiß die Expertin. Anschließend folgt das alphabetische Stadium, bei dem die Schülerinnen und Schüler Laute und Buchstaben erkennen und verbinden können. Zum Schluss erst können sie Wörter aus dem Gedächtnis abrufen und können so flüssig lesen. Das ist das ortografische Stadium.

Breitfuß-Muhr: "Erfolg macht süchtig"

„Jedes Kind befindet sich in diesem Prozess auf einer anderen Stufe. Die Lehrperson muss sich also um jedes einzeln kümmern und ihm das geben, was es gerade braucht“, erklärt Breitfuß-Muhr den Alltag in einer Schulklasse. Außerdem brauchen Kinder beim Lesenlernen unbedingt Erfolgserlebnisse, denn: „Erfolg macht süchtig.“ Damit das funktioniert, ist auch Spaß sehr wichtig. „Gerade in der Phase, wo es für die Kinder beim Lesen noch nicht um Inhalte geht, soll viel vorgelesen werden.“ So erfahren Kinder, dass lesen aus Geschichten und Abenteuern besteht und „verlieren nicht die Freude daran.“

Haben Kinder Schwierigkeiten und müssen sich durch den Buchstabensalat kämpfen, sei es Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer diese Probleme früh zu erkennen und daran mit den Kindern zu arbeiten.

Lesenlernen beginnt "vor der Geburt"

Wichtig für die Lesekompetenz ist aber auch das familiäre Umfeld. „Lesen lernen fängt vor der Geburt an: Es hängt viel davon ab, wie die Familie und das Umfeld des Kindes mit Büchern umgehen.“ Hier könnten Kinder Glück oder Pech haben. „Kinder, die dieses Glück nicht hatten, versuchen die Schulen auch mit dem ‚Lesefrühstück‘ zu fördern.“ Dabei wird im Stundenplan täglich Zeit für das Lesenüben eingeplant. Zusätzlich dazu lesen 400 Lesepatinnen und -paten Kindern aus „lesefernen“ Familien regelmäßig in den Volksschulen vor.

Rituale machen Lesenlernen einfacher

Schon mit ca. drei Jahren würden Kinder erstes Interesse an Buchstaben zeigen. Breitfuß-Muhr hat für Eltern daher vier Tipps: „Vorlesen, Vorlesen, Vorlesen und Vorbild sein: Sich beim Lesen also öfters von den Kindern beobachten lassen.“ Idealerweise wird das Lesen schon vor dem Kindergarten zum Ritual: „Die Gute-Nacht-Geschichte ist zwar ein alter Hut, aber sie wirkt.“ Kinder, die bereits ein bisschen lesen können, sollten beim Vorlesen miteinbezogen werden: Eltern können sich mit dem Nachwuchs beim Lesen abwechseln.

 

Digitalisierung verändert das Lesen

Ob und wie die Digitalisierung das Lesenlernen beeinflusst, dazu gebe es sehr widersprüchliche Studien. Fest steht aber, dass sich die Art des Lesens dadurch verändere: „Digitales Lesen ist nicht linear, es ist selektiv und sprunghaft. Es ist sehr anspruchsvoll“, erläutert Breitfuß-Muhr. Analoges sowie digitales Lesen hätten aber beide ihre Berechtigung: „Deshalb lernen die Schülerinnen und Schüler beides.“

(Quelle: SALZBURG24)

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