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Wege aus Plastik-Krise

Sind Bio-Kunststoffe die Lösung?

Experte über Vor- und Nachteile

Plastik, Becher, Natur, SB Pixabay/CC0
Bio-Plastik braucht in der Natur zwischen zehn und 100 Jahre, bis es verrottet. (SYMBOLBILD)

Im Kampf gegen Plastik werden herkömmliche Kunststoffverpackungen vielfach durch sogenannte Bio-Kunststoffe ersetzt. Anders als in der Werbung suggeriert, sei das aber nicht wirklich besser für die Umwelt, sagt Experte Manfred Tacker im Gespräch mit SALZBURG24. Er erklärt, was wirklich gegen die Plastik-Krise helfen würde.

Bio-Kunststoffe bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen, im Gegensatz zum noch weitverbreiteten Plastik auf Erdölbasis. Das ist zumeist Polymilchsäure, Zellulose, Mais- oder Kartoffelstärke, zählt der Fachbereichsleiter am Studiengang für Verpackungs- und Ressourcenmanagement an der FH Campus Wien auf.

„Der Nachteil ist, dass sie in Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion treten, was wiederrum die Preise erhöht“, erklärt Tacker im Gespräch mit SALZBURG24. Um das zu vermeiden werden viele Biokunststoffe aus Abfall hergestellt.

 

Bio-Kunststoffe sind kompostierbar

Der Vorteil dieser Plastikalternative ist, dass sie biologisch abbaubar ist. Zumindest in der Theorie. Am eigenen Komposthaufen kann das bis zu 100 Jahre dauern. Außer, sie sind extra als „heimkompostierbar“ gekennzeichnet. Oft hilft deshalb nur die industrielle Kompostierung. Dort wartet allerdings das nächste Problem: „Die Folien und Sackerl aus dem Supermarkt werden aussortiert, die Maschinen können nicht unterscheiden, ob das ein kompostierbares Plastik ist oder nicht“, erläutert der Experte. Wer seine Karotten und Tomaten also in Bio-Plastikfolie kauft, spart damit nicht am Plastikmüll. Diese gehört ebenso in den gelben Sack.

Nicht unbedingt umweltfreundlicher

Tacker hält fest, dass es für diese Art von Verpackungen eine eigene Entsorgungsschiene bräuchte. Die gebe es derzeit aber noch nicht. Bio-Plastik sei damit nicht unbedingt umweltfreundlicher als herkömmlicher Kunststoff. „Eigentlich ist kompostieren gar nicht so toll, weil auch hier der Werkstoff in CO2 umgewandelt wird, ähnlich, wie bei der Verbrennung. Nur gewinnt man keine Energie damit.“

In der sogenannten „Abfallhierarchie“ steht an erster Stelle die Vermeidung von Abfall. Die zweite Stufe ist die „Vorbereitung zur Wiederverwendung“, etwa Mehrweggebinde. An dritter Stelle komme dann das Recycling. Erst danach folgt das Kompostieren. „Der einzige Vorteil von Bio-Plastik ist, dass es sich abbaut, wenn es in die Umwelt gelangt.“

Verpackung und Gewicht reduzieren

Plastik durch Bio-Plastik zu ersetzen sei also keine Lösung, ist sich Tacker sicher: „Weder was die CO2-Einsparung, noch was die Abfall-Problematik betrifft.“ Effektiver sei hingegen, Verpackung und Gewicht zu reduzieren. Den Produktschutz dürfe man jedoch nicht vernachlässigen: „Verdorbene Lebensmittel haben eine größere CO2-Auswirkung, als die Verpackung.“

Zudem müssten Verpackungen gewisse Ansprüche erfüllen. Sie sollen…

  • … das Produkt schützen, damit es möglichst lange hält
  • … die Lieferprozesse aushalten
  • … möglichst wenig die Umwelt belasten

„Viele Verpackungen, die am Markt sind, erfüllen das noch nicht.“ Die Supermärkte seien hier im Moment die Treiber. Bis 2030 müssen nämlich in der EU alle Verpackungen recyclingfähig sein.

 

Tacker: "Braucht Investitionen in Kreislaufwirtschaft"

In Österreich liegt die Quote hier aktuell bei 25 Prozent, bis 2025 müssen bereits 50 Prozent aller Kunststoffe recycelbar sein. Am besten funktioniert das im Moment bei Glas, Alu und PET-Flaschen. „In den nächsten Jahren ist aber noch sehr viel zu tun. Es braucht Investitionen, um zu einer Kreislaufwirtschaft  zu kommen“, betont Tacker abschließend.

(Quelle: SALZBURG24)

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Aufgerufen am 20.10.2019 um 01:21 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/bio-kunststoffe-als-loesung-fuer-die-plastik-krise-77483458

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