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Nur fünf Ortschefinnen

In Salzburg entscheiden die Männer

Bürgermeister Themenbild APA/BARBARA GINDL
Bürgermeister statt Bürgermeisterin, dieses Schild hängt in 96 Prozent der Gemeindeämtern. 

Politik in Salzburg ist Männersache. Deutlich wird das vor allem in den Gemeinden, wo 96 Prozent der Bürgermeister Männer sind. Anders formuliert: Im gesamten Land gibt es nur fünf Frauen, die eine Gemeinde führen. Eine davon ist Monika Schwaiger (ÖVP), Bürgermeisterin in Seekirchen. Antreten will sie nach zwei Amtsperioden nicht mehr. Im SALZBURG24-Gespräch hat die Mutter von drei Töchtern verraten, warum es für Frauen in der Politik oft noch so schwer ist.

Mit nur fünf Frauen an der Spitze einer Gemeinde ist Salzburg im Österreich-Vergleich klares Schlusslicht. Jedes andere Bundesland hat mehr Bürgermeisterinnen. Die ersten Bürgermeisterinnen im Bundesland Salzburg wurden im Jahr 2004, also vor gerade einmal 15 Jahren, im Pinzgau angelobt. Das sind56 Jahre nach der Österreich-Pionierin Zenzi Hölzl (Bürgermeisterin von Gloggnitz in NÖ von 1948 bis 1958). Als erste Frau im Flachgau wurde 2009 Monika Schwaiger zur Bürgermeisterin gewählt. Nach zwei Amtsperioden („es war eine sehr schöne Zeit, es hat aber auch viel Substanz gekostet“) tritt sie bei der Wahl im März aus persönlichen Gründen nicht mehr an, ihr Nachfolger ist ein Mann.

seekirchen20140220006.jpg Neumayr/Archiv
Monika Schwaiger, Bürgermeisterin von Seekirchen, tritt nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Wahl an. Ihr Nachfolger ist ein Mann. 

"In Politik werden oft Grenzen überschritten"

Der Grund, warum es so wenige Frauen in der Salzburger Kommunalpolitik gibt, ist für die 62-Jährige ein gesamtgesellschaftlicher. „Unsere Gesellschaft ist immer noch eine Männergesellschaft und das setzt sich in der Politik fort. Eine Frau, die sich entscheidet, eine Führungsposition – egal wo – einzunehmen, die muss damit erst einmal zurechtkommen“, sagt Schwaiger. Das sei gerade in der Politik, wo es häufig zu Unsachlichkeiten und Untergriffigkeiten im Umgang miteinander komme, eine große Herausforderung. „Man muss sich schon viel damit auseinandersetzen, dass Grenzen überschritten werden und dass in die Privatsphäre eingegriffen wird“, schildert die Bürgermeisterin, die in den vergangenen zehn Jahren ihren ganz eigenen Weg im Umgang mit Ungerechtigkeiten gefunden hat. „Man wird oft verletzt und ich finde es wichtig, sich diese Sensibilität zu bewahren, damit man selbst nicht andere verletzt.“ Auch als Frau in der Politik gehe es nicht darum, etwas aushalten zu müssen – im Gegenteil: Verletztheit und Schwäche sollen gezeigt werden dürfen. Das mache die Politik gleichzeitig menschlicher, plädiert Schwaiger. Das gelte im Übrigen genauso für die Männer.

 

Kindererziehung muss bezahlt und angerechnet werden

Für Schwaiger sind Frauen in Führungspositionen nicht nur in der Politik, sondern auch in allen anderen Ebenen der Gesellschaft unterrepräsentiert. Und das obgleich sie oft die gleichen, wenn nicht die besseren Kompetenzen, Qualifikationen und Qualitäten hätten. Noch sei es so, dass die Fähigkeiten der Frauen in der Regel nicht oder zu wenig mit Geld bezahlt würden. „Frauen, die Kinder auf die Welt gebracht und zu rechtschaffenden Menschen erzogen haben, haben einen unglaublichen Beitrag für die Gesellschaft geleistet und das gehört honoriert und bezahlt“, ist die dreifache Mutter überzeugt. Dazu sei ein Umdenken in den Köpfen der Menschen notwendig, das natürlich nicht von heute auf morgen geschehe. Die Politik könne und müsse hier aber die entsprechenden Rahmenbedingungen setzen.

Land will mehr Frauen für Politik motivieren

Die Salzburger Landespolitik fördert etwa Maßnahmen wie Berufsorientierung in der Schule oder den Girls Day, damit Mädchen und junge Frauen nicht nur die typischen Frauenberufe erlernen. „Rollenbilder lassen sich nicht einfach verändern, das braucht Zeit und viele engagierte Pädagoginnen und Pädagogen und Eltern“, sagt Frauenlandesrätin Andrea Klambauer (NEOS). Um mehr Frauen für die Politik zu motivieren, hat das Land Salzburg 2016 das Leader-Projekt „Frauen gestalten: Gesellschaft und Zukunft“ ins Leben gerufen. In Lehrgängen werden Interessierte entsprechend geschult und können sich vernetzen. „Frauen zweifeln eher an sich selbst, ob sie alle Kompetenzen erfüllen, die das Bürgermeisteramt mit sich bringt. Doch diese Erwartung erfüllen auch die Männer nicht zur Gänze. Vieles lernt man direkt in der politischen Arbeit und mit der Erfahrung, anderes kann man lernen, und dann gibt es auch noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeindeämtern, die ihr Fachwissen haben“, so Klambauer auf S24-Anfrage.

Zumindest erste, kleine Früchte dürften die gesetzten Maßnahmen tragen. Denn mit dem heutigen Tag sind im Bundesland Salzburg zumindest 26 Frauen bereit für ihre Gemeinde die Verantwortung zu übernehmen. Ob sie den Job bekommen, entscheiden die Wählerinnen und Wähler bei der Bürgermeisterwahl am 10. März.

Frauen und Politik: Weitere Zahlen aus Salzburg

  • Von 36 Abgeordneten zum Salzburger Landtag sind 14 (38,9 Prozent) Frauen – Stand, Oktober 2018. Der vorhergehender Landesregierung gehörten zwei (28,6 Prozent) bzw. drei (42, 9 Prozent) (ab Ende Jänner 2018) Frauen an.
  • Von den neun Abgeordneten zum Nationalrat aus dem Land Salzburg sind drei Frauen (33,3 Prozent). Unter den vier Vertretern des Landes Salzburg im Bundesland sind zwei Frauen (50 Prozent).
  • Von 2.116 Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern der letzten Wahl 2014 im Land Salzburg werden 2.013 von dem im Landtag vertretenen Parteien gestellt; 434 (21,6 Prozent) davon sind Frauen. Konkret: ÖVP: 235 (22,3 %), SPÖ: 139 (24,3%), GRÜNE: 38 (36,9%), FPÖ: 20 (9,8 %), NEOS: 2 (25 %)
(Quelle: SALZBURG24)

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