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Sonntags-Talk

"Die künstliche Intelligenz ist bald Standard"

Salzburgs führende IT-Spezialisten über die digitale Zukunft

Platz für 10.000 Server bietet Salzburgs neues conova-Rechenzentrum in Hallein im Tennengau. Mit dem Rechenzentrum in der Landeshauptstadt kann sich die Salzburger Firma nun mit Amazon und Google messen. Wir haben mit den beiden führenden Köpfen, Robert Pumsenberger und Stefan Kaltenbrunner, über Datensicherheit, Eigenverantwortung und die künstliche Intelligenz, die mit Alexa und Siri schon in den Alltag vieler Einzug gefunden hat, gesprochen.

Salzburg, Hallein

Der Bau eines Rechenzentrums ist ein Infrastrukturprojekt. Die Planer haben dabei jegliches Szenario – vom banalen Einbruch bis hin zum Blackout – einzuberechnen. Die höchste Prämisse: Sicherheit. Das neue Rechenzentrum der conova, das vor dreieinhalb Wochen in Hallein eröffnet wurde (SALZBURG24 hat berichtet), entspricht den höchsten internationalen Sicherheitsstandards. Was das bedeutet, welche Herausforderungen auf den IT-Bereich zukommen und wie weit die Künstliche Intelligenz wirklich schon ist, das verraten uns Geschäftsführer Robert Pumsenberger und Prokurist Stefan Kaltenbrunner im Sonntags-Talk.

SALZBURG24: Herr Pumsenberger, wie würden Sie das, was die conova macht, jemandem erklären, der noch nie etwas mit Computer oder neuen Technologien zu tun hatte?

ROBERT PUMSENBERGER: Das ist nicht ganz einfach, aber ich versuch’s mal so: Andere Firmen haben viele EDV-Systeme und sind damit beschäftigt, diese zu betreiben. Und unser Job ist es, den Standard-Routine-Betrieb hinter dieser komplexen EDV den Kunden abzunehmen – und das so sicher wie möglich. Konkret bedeutet das, das Computer-System des Kunden ist stets auf dem neuesten Stand, ohne dass sich der Kunde darum kümmern muss.

STEFAN KALTENBRUNNER: Im Umkehrschluss heißt das beispielsweise auch, dass wir dafür zuständig sind, dass der Onlineshop von Lutz – das ist ein Kunde von uns – weltweit erreichbar ist.

Sie haben Lutz bereits genannt. Welche anderen Kunden hat die conova noch?

P.: Ähnlich zu Lutz ist zum Beispiel Blue Tomato. Die Porsche-Informatik haben die IT bei uns im Rechenzentrum, kümmern sich aber selbst darum. Und wann immer in Europa jemand einen Audi konfiguriert, dann läuft die Software bei uns im Rechenzentrum in der Karolingerstraße.

Wie schaut’s mit Banken aus?

K.: Ja, stimmt. Wir sind im Finanzdienstleistungssektor auch relativ stark. Der jüngste Kunde ist eine große internationale Börsenplattform und im Standort Hallein ist die Hello-Bank unser Eröffnungskunde. Genaues dürfen wir logischerweise aber nicht nennen.

Sie haben den neuen Standort Hallein soeben angesprochen. Mit dem neuen Rechenzentrum macht das Bundesland Salzburg einen großen Schritt in der vom Land angestrebten Digitalisierungsoffensive. Will man das Silicon Valley Österreichs werden?

P.: Salzburg wird hoffentlich noch lange ein Tourismusland bleiben und nicht so schnell von der IT-Branche überflügelt. Aber natürlich ist das zusätzliche Rechenzentrum für Salzburg ein starkes Signal in die Welt hinaus, ein Asset für das Land.

Conova SALZBURG24/Wurzer
CEO Robert Pumsenberger (links) und Chief Strategy Officer Stefan Kaltenbrunner im Gespräch mit SALZBURG24-Chefredakteurin Nicole Schuchter.

Die Sicherheit der Daten ist ein Thema, das sowohl für Unternehmen, als auch für Privatpersonen immer wichtiger wird. Was tut die conova, um die Daten der Kunden ihrer Kunden zu schützen?

P.: Das geschieht auf zweierlei Ebenen. Zum einen fängt das beim simplen Zutrittsschutz in unseren Rechenzentren an. Ohne Handvenenscanner kommt man nirgends rein. Rund um das Gebäude in Hallein sind außerdem Zäune installiert und in den Wänden sind Körperschallmelder verbaut. Das heißt, würde jemand versuchen, die Wand zu durchbrechen, bekommen wir einen Alarm.

Und in der virtuellen Welt werden die Daten über Verschlüsselungen, Firewalls und eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung gesichert. Wir haben, glaube ich, ein sehr ausgeklügeltes Monitoring-System dafür.

Was bedeutet das konkret?

K.: Wir haben mittlerweile über 40.000 Messwerte, die wir permanent überwachen. Davon zwei Drittel, die tatsächlich 24 Mal 7 auch Alarme schicken. Und mit dem Neubau kommen nochmals rund 3.000 Werte dazu, die rund um die Uhr bewacht werden.

Braucht es mehr Eigenverantwortung der Einzelnen, ihre Daten zu schützen?

P.: Das ist schon deutlich besser geworden. Fakt ist aber, dass die Dinge immer trickreicher und besser versteckt werden. Die Versuchung, einen Link in einem Email anzuklicken, ist wirklich sehr, sehr stark – sowohl im privaten Bereich, aber auch in einem Unternehmen. Das ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin auf einen vermeintlich sicheren Link in einem Mail klickt, ist ja nach wie vor der häufigste Anfang eines Übels.

Was sind die häufigsten Fehler im Privatbereich?

P.: Dass ich Mails vertraue von Absendern, die ich eigentlich gar nicht kenne oder dass ich zu wenig genau Adresszeilen, Betreffs oder die Links anschaue. Die Klassiker nicht zu vergessen: Der Laptop oder PC ist nicht ordentlich geschützt, das letzte Update ist schon ewig her. Den meisten ist nicht klar, dass es immens wichtig ist, die Geräte up-to-date zu halten.

K.: Und natürlich die Passwörter. Diese sollten ausreichend komplex sein. Und wir empfehlen auch, alte Accounts, die man nicht mehr braucht, zu löschen. Das geht durch die Datenschutzgrundverordnung ganz leicht mit einem Email.

Was sind die Themen der Zukunft im digitalen Bereich?

Der Fachkräftemangel im IT-Bereich ist bestimmt ein Thema, das auch in den nächsten Jahren bleiben wird. Dem müssen wir uns stellen.

Was kann und will die conova tun, um dem IT-Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

P.: Stimmt. Es ist in der heutigen Zeit leider sehr schwierig Fachkräfte zu finden. Wir versuchen, durch verschiedene Programme an der FH oder den Universitäten, Studenten schon frühzeitig in den Betrieb einzubinden. Wir zahlen beispielsweise die Studiengebühren und die Wohnung. Salzburg ist für viele IT-ler eine schöne Destination, aber in Wahrheit nicht leistbar. Wir übernehmen dann die Kosten.

K.: Man muss als Arbeitgeber attraktiv sein. Wir versuchen das, in dem wir spannende Tätigkeiten liefern und den Mitarbeitern ganz bewusst einen Freiraum für deren Entfaltung anbieten. Und natürlich Benefits. Das fängt bei einfachen Themen an, wie einem kostenlosen Kaffee, Obst, Massagen im Unternehmen bis hin zur Unterstützung von Freizeitaktivitäten wie Hacking Partys und ähnliches im IT-Bereich.

Zurück in die Zukunft. Wann kommt die künstliche Intelligenz bei uns im Alltag an?

P.: Die KI wird die nächsten Jahre zentrales Thema bleiben und werden. Da geht es beispielsweise darum, dass die Kaffeemaschine schon vorher weiß, welchen Kaffee ich um eine bestimmte Uhrzeit gerne trinke. Niemand wird mehr darüber nachdenken müssen, welcher Knopf zu drücken ist. Es geht um kleine Anwendungen, bei denen uns die KI Entscheidungen abnehmen wird. Und das wird schon sehr bald Standard sein.

Das heißt?

P.: Ich persönlich glaube, dass das in den nächsten drei bis fünf Jahren passieren wird. Das geht schneller, als wir uns das derzeit denken. Und wenn man sich die autonomen Geräte anschaut, sind diese ja schon fertig. Was fehlt ist nur noch die Serienreife. Wir haben das beim Röhrenfernseher gesehen. Der ist innerhalb von eineinhalb Jahren ausgestorben.

Die Technologie an sich ist jedenfalls soweit. Wo aber noch Aufholbedarf herrscht, sind die ethischen und auch rechtlichen Themen. Da sind wir leider hinten, weil die Diskussion darüber – noch – fehlt.

Herr Pumsenberger, Herr Kaltenbrunner, danke für das informative Gespräch!

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

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