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Ängste, Nervosität und Co

Corona-Erkrankung kann auch der Seele schaden

Salzburger Psychotherapeutin über Folgen von Covid-19

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Psychische Störungen können nach einer Corona-Erkrankung auftreten. (SYMBOLBILD)

Die Corona-Krise schlägt vielen von uns auf die Psyche: Lockdowns, strenge Maßnahmen und Ungewissheit können belasten. Aber auch jene, die eine Erkrankung durchlebt haben, können sogar noch Monate danach mit den seelischen Folgen zu kämpfen haben.

Selbst wenn man vor einer Corona-Erkrankung seelisch stabil war, können danach Probleme auftreten, erklärt die Salzburger Psychotherapeutin Gabriele Danninger im Gespräch mit SALZBURG24. Das betreffe aber nicht nur jene, die mit einem schweren Verlauf zu kämpfen hatten. Denn im Unterschied zu Post-Covid, worunter man die unmittelbaren Folgen eines schweren Verlaufs versteht, umfasst Long-Covid die langfristigen Folgen. Diese können auch bei einem milden Verlauf und sogar erst ein bis vier Monate nach der Erkrankung auftreten, stellt die Therapeutin klar. Studien liefern laut Danninger Hinweise darauf, dass etwa zehn Prozent der Erkrankten von Long-Covid betroffen sind, tendenziell eher Frauen zwischen 20 und 50 Jahren.

 

Ängste und Co nach Corona-Erkrankung

„Manche Personen haben nach einer Corona-Infektion mit psychischen Symptomen zu kämpfen. Dazu zählen etwa starke Ängste oder Nervosität, weil die Betroffenen Angst haben, dass die Symptome wiederkehren könnten oder sie sich erneut anstecken“, schildert Danninger. Manche hätten auch mit Panikattacken, Schlafstörungen und Ungewissheit zu kämpfen. Auch das Gefühl nicht mehr so belastbar oder erschöpft zu sein, könne auftreten.

Erinnerungen wiederholen sich in Bildern

Grundsätzlich unterscheidet die Expertin zwischen zwei Störungsbildern, die nach Erkrankungen auftreten können. Das erste ist eine Trauma-Folge-Störung. Diese trete nach sehr belastenden Ereignissen auf, bei denen es um Leben und Tod geht. „Hier stellt man sich die Frage: Wie habe ich die Erkrankung erlebt?“, so die Psychotherapeutin. Im Extremfall könne dies zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen. „Betroffene haben dann wiederkehrende Erinnerungen in Form von bestimmten Bildern. Zum Beispiel sehen sie immer wieder vor sich, wie sie aus dem Fenster schauen und das Contact-Tracing-Team von unten mit ihnen redet.“ Das könne ohne Behandlung wiederum zu einem Vermeidungsverhalten führen, etwa dem völligen Verzicht auf Kontakt mit anderen Personen.

Auseinandersetzung mit Gefühlen wichtig

Beim zweiten Störungsbild können psychosomatische Erkrankungen auftreten. Danninger erklärt, dass das passieren kann, wenn man sich am Anfang nicht wirklich mit belastenden Gefühlen auseinandersetzt. Diese Gefühle würden jedoch bleiben und zeigen sich dann in körperlicher Form: „Das kann Kopfweh sein, Rückenschmerzen, oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die dann zum Beispiel zu Atembeschwerden führen. Das kann alles länger dauern und deshalb sollte man sich Unterstützung suchen. Man muss sich mit den Gefühlen auseinandersetzen.“

Kontrolle zurückerlangen

Hilfreich und wichtig hierbei sei, seine Gedanken und Gefühle nicht runterzuspielen und auch wirklich ernst zu nehmen anstatt zu verdrängen. „Ansonsten können sich die Beschwerden chronifizieren, das ist ein Risiko auch bei den Covid-Erkrankten.“ Außerdem sollte man sich genug Zeit für Erholung nehmen und Erinnerungen aufarbeiten, rät die Psychotherapeutin. Denn durch das „Neuordnen“ der Bilder könne man das Kontrollgefühl wiedererlangen. Dies sei gerade bei Depressionen wichtig, da Betroffene oft ein starkes Gefühl der Hilflosigkeit haben.

Psychische Probleme besprechen

Danninger rechnet damit, dass uns das Thema der psychischen Symptome nach einer Corona-Erkrankung, aber auch in Bezug auf die Pandemie generell, noch längere Zeit beschäftigen wird. Als großes Problem vermutet sie die Ungewissheit: „Wir müssen die Ungewissheit ein bisschen akzeptieren. Neuerungen machen natürlich immer Angst, aber sie gehören einfach dazu.“ In Hinblick auf die Corona-Krise betreffe das zum Beispiel die sich ändernden Hygienemaßnahmen. Die Expertin rät auch dazu, generell gut auf seine Gesundheit zu achten, wie genügend Bewegung und Entspannung. Und jene, die seelische Probleme haben, sollten sich auf jeden Fall Unterstützung suchen: „Es ist wichtig, dass man Menschen hat, die einem zuhören.“ In manchen Fällen würden sich Familie oder Freunde dafür gut eignen. Bei schlimmeren Symptomen sollte man sich jedoch professionelle Hilfe suchen, empfiehlt die Psychotherapeutin.Betroffene können sich zum Beispiel an den Salzburger Landesverband für Psychotherapie wenden.

(Quelle: SALZBURG24)

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