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Kein Plan B

Corona gibt Salzburger Clubszene Todesstoß

Event-Veranstalterin Bianca Vesely im Interview

tanzen, Nachtclub, Party, feiern, SB Pixabay/CC0
Auf die nächste Party im Club muss man noch länger warten. (SYMBOLBILD)

Die Nachtszene in Salzburg steht auch weiterhin vor großen Herausforderungen. Bianca Vesely, Event-Veranstalterin von Electronic Motion und Betriebsleiterin eines Clubs, erzählt im SALZBURG24-Gespräch, welche Kosten durch die Corona-Krise zu stemmen sind und warum das Virus der kulturellen Underground-Szene den Todesstoß gibt.

Für eine kurze Zeit gab es Hoffnung auf eine baldige Lockerung für Nachtlokale und Clubs sowie eine Verlängerung der Sperrstunde bis 4 Uhr ab 1. August. Doch seit gestern ist es Gewissheit. Statt eines Lösungspakets verkündet das Gesundheitsministerium: Die Nachtgastronomie bleibt weiterhin geschlossen. Es bleibt also alles so, wie bisher. Grund sind die gestiegenen Infektionszahlen – wie am Mittwoch berichtet.

 

Das weitere Verschieben der Lockerung für die Nachtgastronomie ist für Lokalbesitzer keineswegs einfach. Bianca Vesely von Electronic Motion und Betriebsleiterin der Kantine Salzburg erzählt im SALZBURG24-Gespräch, wie es um die Clubs und Diskos steht: "Wir müssen uns alle darauf einstellen, dass das noch länger andauern wird. Ich gehe davon aus, dass die Sperre bis Ende des Jahres gilt." Auch gehe für sie die Sicherheit vor: "Ich rede zwar gegen mein eigenes Geschäft, aber die Maßnahmen sind notwendig. Ich könnte es aus rein ethischen Gründen nicht mit mir vereinbaren, mein Lokal aufzusperren."

Corona gibt kultureller Underground-Szene den Todesstoß

Viele der Lokalbesitzer in Salzburg hätten sich ein anderes Konzept zurechtgelegt und auch umgesetzt. Doch für die Kantine sei das nicht möglich. "Junge Leute kommen um 22 Uhr, tanzen, feiern und gehen um 4 Uhr nachhause. Für uns gibt es keinen Plan B", ist sich Vesely klar. Die kulturelle Underground-Szene habe bereits vor Corona Schwierigkeiten gehabt. "Das Virus gab ihr den Todesstoß."

Aber nicht nur aufgrund der Zielgruppe, wäre es nicht denkbar, sich ein anders Konzept zu überlegen. Auch finanziell wäre es keineswegs rentabel: "Insgesamt zahle ich 50.000 Euro im Monat. Viele sehen nicht, dass mehr zu bezahlen ist, als bloß die Miete." Die Kantine sei aber im Vergleich zu anderen noch ein kleiner und deshalb günstiger Club. Nachtlokale mitten in der Stadt würden um einiges mehr zahlen. "Und Salzburg ist ja ohnehin ein teures Pflaster", weiß die Leiterin.

"Wir werden im Regen stehen gelassen"

Auf mehr Hilfe aus der Politik können die Lokalbesitzer weiterhin nur hoffen. "Wir werden im Regen stehen gelassen", sagt Vesely und wünscht sich, dass den Gastronomen mehr unter die Arme gegriffen wird.

Dies fordert auch Ernst Pühringer, Fachgruppenobmann in der Wirtschaftskammer Salzburg, in einer Aussendung: "Es ist unbedingt notwendig, dass für den Betrieb relevante Fixkosten vom Staat übernommen werden." Ansonsten stehe im Herbst eine Pleitewelle bevor und es werde in der Folge viele Lokale gar nicht mehr geben. "Die Betriebe sind Teil der Kultur in den Städten und Gemeinden. Es wäre ein unermesslicher Schaden, wenn diese Institutionen des gesellschaftlichen Lebens und der Gastlichkeit verloren gehen würden", resümiert er.

(Quelle: SALZBURG24)

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