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Für Gastro oder Öffis

Bringen Gutscheine die Wirtschaft in Schwung?

Experte: "Wie Geld über dem Land abwerfen"

Gastronomie, Coronavirus, SB APA/GEORG HOCHMUTH
Können Gutscheine den Konsum wieder ankurbeln? (SYMBOLBILD)

Wer würde nicht ja sagen zu einem geschenkten Gutschein für Salzburgs Wirtshäuser oder Öffis? Was zunächst nach einem guten Ausgleich für finanzielle Einbußen in der Corona-Krise klingt, könnte der Wirtschaft aber nur wenig Aufwind bringen. Salzburger Experten sehen die Wirksamkeit im S24-Gespräch skeptisch.

50 Euro in Form eines Gutscheins für die Gastronomie für jeden Salzburger Mehrpersonenhaushalt: Das fordert der neue SPÖ-Landesvorsitzende David Egger nach dem Vorbild Wiens. Überhaupt dürften die Sozialdemokraten Gefallen an der Gutschein-Idee als Hilfe nach der Corona-Zeit gefunden haben. In Wien werden die Gutscheine bereits gedruckt, gefordert werden sie auch in Niederösterreich. Für ganz Österreich will die SPÖ Gutscheine fürs Öffi-Fahren. Im Burgenland hat Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) ein Gutschein-System für Künstler vorgestellt.

Eder: Gutschein als Einzelmaßnahme nicht geeignet

Aber sind Gutscheine als Anregung für die Wirtschaft überhaupt geeignet? Nein, sagt die Salzburger ÖVP. Sie ortet eine Kopie des „Wiener Wahlkampfschmähs“ und spricht von einer zusätzlichen Belastung des Landeshaushalts von zwölf Millionen Euro.

Von dieser schnellen Ablehnung ist Peter Eder, Präsident der Arbeiterkammer (AK) Salzburg, auf Nachfrage von SALZBURG24 nicht begeistert. Er merkt an, dass alternative Vorschläge von Seiten der Regierung bisher fehlen würden. „Wo werden diese zwölf Millionen Euro sonst investiert?“ Als Einzelmaßnahme kann er den Gutscheinen zwar nicht viel abgewinnen, da sie nicht „sozial ausgewogen“ ist. Eingebettet in ein Gesamtkonzept wäre das für ihn aber durchaus vorstellbar. Anstatt nur die Gastronomie zu unterstützen, wäre ein „Investitionsgutschein“ besser, der in allen Branchen in ganz Salzburg einlösbar ist, schlägt Eder vor.

Der AK-Präsident unterscheidet zudem zwischen den Betroffenen. Jenen, die ihren Job verloren haben, bringe etwa ein erhöhtes Arbeitslosengeld oder ein neuer Job mehr als ein Gutschein. Andererseits könne das diejenigen, die jetzt ihr Geld zuhause „hamstern“ und sparen, dazu anregen zu konsumieren. Denn: „Einen Gutschein kann man nicht aufs Sparbuch legen.“ Zusammengefasst: Die Mischung an Unterstützung macht’s. Dazu hat die AK einen Plan vorgelegt und fordert 450 Millionen Euro zu Belebung der Konjunktur.

 

Eymannsberger: "Einzelmaßnahmen werden Konjunktur nicht retten"

Helmut Eymannsberger, Leiter der Stabstelle Wirtschaft und Standortpolitik der Wirtschaftskammer Salzburg, betont im Gespräch mit SALZBURG24, dass ein „guter Mix“ an Maßnahmen das beste Instrument sei. „Einzelmaßnahmen wie Gutscheine werden die Konjunktur nicht retten“, ist sich Eymannsberger sicher. Sie würden zwar schnell wirken, aber nicht so langfristig wie direkte Investitionen. Diese sieht er als bessere Maßnahme an. Zum einen müsse man in die Konsumenten investieren, indem man etwa die Steuerreform vorzieht und mehr Netto vom Brutto bleibe. Zum anderen müsse man die Unternehmen finanziell unterstützen, damit auch deren Kaufkraft wieder steigt.

Liquidität nach Corona-Lockdown gefragt

Klar ist jedenfalls: Die Wirtschaft muss angekurbelt, das Geld dafür ausgegeben werden. Laut Hannes Winner, Wirtschaftswissenschaftler der Universität Salzburg, ist vor allem Liquidität gefragt. Die bisher gesetzten Maßnahmen der Bundesregierung seien hier sehr zielgerichtet, aber zu langsam. „Die Geschwindigkeit der Hilfe ist das Problem“, betont der Experte.

Winner: "Wie Geld über dem Land abzuwerfen"

Die Frage nach den Gutscheinen sieht er im Telefonat mit S24 differenzierter: „Das ist kein leichtes Thema. Die Frage ist: Wem will ich damit helfen? Denke ich eher an die Unternehmen oder die Konsumenten?“ Die Haushalte seien verschieden stark von der Krise betroffen, ebenso die Unternehmen. Manche traf es besonders hart, andere spürten – zumindest finanziell – fast nichts von der Corona-Krise. Gutscheine seien nicht treffsicher, das wäre wie „Geld über dem Land abzuwerfen. Da weiß man auch nicht genau, wo es landet.“

Einen Charme hätten die Gutscheine für Winner jedoch: Sie könnten den regionalen Konsum anregen und den Internetkauf kurzfristig reduzieren. Aber auch das werde am Ende ein Unternehmen, das Liquiditätsprobleme hat, nicht retten.

(Quelle: SALZBURG24)

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Gastro-Gutscheine für die Salzburger?

Wirtshaus Pixabay
(SYMBOLBILD)

Auch der Salzburger SPÖ-Chef David Egger fort nun einen Gastro-Gutschein in Höhe von 50 Euro pro Mehrpersonenhaushalt im Land Salzburg nach dem Vorbild des Vorhabens der Stadt Wien. Die selbe Forderung der Sozialdemokraten gibt es auch in Niederösterreich und gleich für ganz Österreich.

"Salzburgs Gastro-Betriebe sind doppelt von der Corona-Krise betroffen. Solange der Tourismus ausbleibt, werden die Restaurants, Wirtshäuser und Cafés schwer von der aktuellen Krise betroffen sein", so Egger in einer Aussendung am Sonntag. Man müsse "unbürokratisch und schnell" helfen.

Von einem 50-Euro-Essensgutschein pro Haushalt nach dem Vorbild der Stadt Wien hätte alle – sowohl die Gastronomie als auch die Familien – etwas.

 

Gutscheine für Neumarkt

Egger ist in Neumarkt (Bezirk Salzburg-Umgebung) Vizebürgermeister und kündigte an, dort in der Gemeindevertretung den Antrag zu stellen, alle Haushalte jeweils mit einem 50 Euro-Plusregion-Gutschein zu unterstützen: "Diese Gutscheine gelten nicht nur in der Gastro, sondern in allen Geschäften in Neumarkt, Straßwalchen und Köstendorf.

ÖVP gegen Gastro-Gutschein-Idee

Die ÖVP schmettert den Vorschlag des neuen Salzburger SPÖ-Chefs ab und ortet eine Kopie des Wiener Wahlkampfschmähs. "Das würde allein den Landeshaushalt mit rund zwölf Millionen Euro belasten. Das ist völlig unsozial, da die Gutscheine auch Bestverdiener und Millionäre erhalten würden. Und das ist nicht nachhaltig“, so der ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Mayer am Sonntag in einer Aussendung. Man bemühe sich fieberhaft die Liquidität der Gemeinden aufrecht zu erhalten, indem die Hälfte des Einbruches der Ertragsanteile ersetzt und alle Infrastrukturprojekte des Landes durchgezogen werden sollen, heißt es weiter.

Kanzler Kurz für Steuersenkung

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) denkt indes über eine generelle, vermutlich zeitlich begrenze Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie nach. Dies werde "genauso wie andere zusätzliche unterstützende Maßnahmen" überlegt, sagte er Interview mit dem Sonntags-"Kurier". Weitere Details dazu gab es vorerst allerdings nicht. Im "Kurier" meinte der Bundeskanzler, es gebe besonders betroffene Bereiche wie zum Beispiel die Gastronomie, den Tourismus, die Reisebranche, Kulturschaffende und Veranstalter: "Für diese Gruppen arbeiten wir als Regierung gerade an einem Paket, um dieses schwierige Jahr bestmöglich zu überstehen."

Zuletzt hat der Nationalrat als Teil eines Wirtshauspakets bereits mit Stimmen von ÖVP und Grünen die Mehrwertsteuer auf nicht-alkoholische Getränke befristet vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 auf 10 Prozent halbiert. Die Schaumweinsteuer wurde dauerhaft gestrichen.

Aufgerufen am 09.07.2020 um 09:51 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/corona-gutschein-salzburger-experten-sehen-begrenzte-wirksamkeit-88722727

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