Jetzt Live
Startseite Salzburg
Faktencheck

Impfmythen – Was stimmt, was nicht?

Kleine Unsicherheiten und große Verschwörungstheorien

symb_impfen symb_coronaimpfung symb_impfung Pixabay
Insgesamt wurden mit 12. Januar 2022 in Österreich 16.916.712 Impfdosen verabreicht. (SYMBOLBILD)

"Die Impfung wirkt nicht!", "Die wollen mir einen Chip einsetzen!" – Rund um das Thema Corona-Impfung kursieren viele Unsicherheiten und auch kuriose Mythen. Wir klären mit Fakten auf.

Unter einem Posting zum Thema Impfung lassen Falschaussagen und Mythen meist nicht lange auf sich warten. Die Verunsicherung bei einigen Menschen wird so recht schnell deutlich. Wir liefern euch hier Antworten zu acht gängigen Impfmythen:

1. "Nach der Impfung fällt ein Corona-Test positiv aus."

Eine Impfung kann zu keinem positiven Testergebnis führen. Das liegt daran, dass bei der Impfung ein Protein gebildet wird, das die meisten eingesetzten Antigenschnelltests nicht nachweisen. Allerdings ist es möglich, sich kurz vor oder nach der Impfung mit dem Coronavirus anzustecken.

 

2. "Der Impfstoff ist wirkungslos, Menschen stecken sich ja trotzdem an."

Nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen bietet die Impfung einen sogenannten Individualschutz, klärt das Sozialministerium auf. Das persönliche Risiko wird minimiert. Kommt es in Ausnahmefällen trotz Impfung zu einer Erkrankung, so verläuft diese deutlich milder und Komplikationen und Todesfälle werden weitgehend vermieden. Zudem weisen die Daten aus der Anwendung darauf hin, dass geimpfte Personen eine geringere Viruslast und eine reduzierte Virusausscheidung aufweisen und somit weniger ansteckend sind als nicht geimpfte Personen.

Eine der häufigsten Taktiken, mit denen Impfkritiker die Ablehnung der Impfung zu rechtfertigen versuchen, ist eben das Absprechen der Wirksamkeit. Hier werden gerne einzelne Zahlen ohne Kontext genannt. So ist es etwa schlüssig, wenn sich mit einer hohen Impfrate in der Bevölkerung auch der Anteil der Geimpften unter den Hospitalisierungen erhöht. Impfgegner verweisen aber häufig rein auf die absoluten Zahlen Geimpfter in Spitälern. So soll der Eindruck entstehen, dass Impfungen nicht effektiv und Impfdurchbrüche die Normalität sind. Beunruhigende Zahlen können etwa auch erzeugt werden, indem die Anzahl schwerer Corona-Verläufe oder Gestorbener nicht in Relation zu der betroffenen Altersgruppe gesetzt wird. Dann werden bei Todesfällen gerne junge Ungeimpfte mit alten Geimpften verglichen, um die angebliche Ineffektivität der Impfung zu belegen.

3. "Es muss jedes Jahr ein neuer Impfstoff entwickelt werden."

Das hängt im Wesentlichen davon ab, ob und wie sich das Coronavirus im Lauf der Zeit verändert, heißt es bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Derzeit geht man davon aus, dass sich dieses Virus langsamer verändert als etwa Influenza-Viren, konkret vorhersagen kann man das aber nicht. Daher werden Veränderungen des SARS-CoV-2 Virus genau beobachtet.

4. "Die Langzeitfolgen der Impfung sind noch unbekannt."

Es wird gerne mit der Angst der Menschen vor Langzeitfolgen gespielt. Diese entsteht dadurch, dass es derzeit noch niemanden gibt, der bereits vor Jahren eine Corona-Impfung erhalten hat. Unsicherheit entsteht auch durch den erstmaligen massenhaften Einsatz von mRNA-Impfstoffen, deren Funktionsweise komplett anders ist als bei anderen Impfstoffen. Der wissenschaftliche Konsens ist jedoch, dass sich lang anhaltende Nebenwirkungen von Impfungen höchstwahrscheinlich spätestens Wochen nach der Impfung zeigen würden. Danach ist kein Mechanismus mehr im Gang, der in irgendeiner Art und Weise eine Nebenwirkung produzieren könne.

Impfreaktionen hingegen sind ein gutes Zeichen, weil man sieht, dass das Immunsystem arbeitet, stellt die AGES auf ihrer Homepage klar. Dabei kann es sich um lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen oder Schmerzen handeln, aber auch Allgemeinreaktionen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Temperaturerhöhung, Fieber und Unwohlsein.

Ein wöchentlich aktualisierter Bericht über die Meldungen vermuteter Nebenwirkungen steht auf der Website des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) HIER als Download zur Verfügung.

5. "Es gibt viele Todesfälle nach einer Corona-Impfung."

Natürlich ist es möglich, dass in seltenen Fällen auch schwere Nebenwirkungen auftreten, die schlimmstenfalls sogar im Tod enden können. Dies ist allerdings extrem unwahrscheinlich. Impfgegner setzen hier bei Menschen an, die diese extrem geringe Chance nicht einordnen können, und versuchen, dem Risiko eine beängstigend hohe Chance zuzusprechen. Daher werden vermeintliche Impftote aus aller Welt gesammelt und zum Teil aus missbräuchlich verwendeten Partezettel Trauer-Collagen erstellt. Todesfälle durch Impfungen ereignen sich meist unter ganz besonderen Konditionen, Impfgegner versuchen trotzdem, sie fälschlicherweise als Regelmäßigkeit darzustellen.

Auch aktuelle Todesfälle oder Erkrankungen von Promis werden dafür verwendet. Als der dänische Fußballspieler Christian Eriksen bei der Fußball-Europameisterschaft im Juni 2021 auf dem Spielfeld zusammengebrochen ist und reanimiert werden musste, verbreiteten sich sofort Behauptungen, dass dies an der Corona-Impfung läge. Tatsächlich war der Däne damals laut Angaben seines Vereins noch gar nicht geimpft.

6. "Nach der Impfung ist man unfruchtbar."

Die Fruchtbarkeit wird durch die Corona-Schutzimpfung nicht beeinträchtigt. Frauen mit Kinderwunsch wird die Corona-Schutzimpfung sogar empfohlen, damit sie bereits vor Eintritt der Schwangerschaft vor einer Erkrankung geschützt sind. Das stellt die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG) klar. Ungeimpften Schwangeren rät das Sozialministerium zu einer Impfung im zweiten oder dritten Drittel der Schwangerschaft.

Für Paare mit Kinderwunsch, Schwangere und Stillende ist es besonders wichtig, gut vor dem Coronavirus geschützt zu...

Gepostet von Gesundheitsministerium am Donnerstag, 13. Januar 2022

Unbelegte Behauptungen zirkulieren in der Corona-Pandemie jedoch nicht ausschließlich in verschwörungstheoretischen Kreisen. Zahlreiche Frauen berichteten etwa zuletzt in Sozialen Medien über Zyklusstörungen nach der Corona-Impfung, obwohl ein kausaler Zusammenhang zwischen Impfung und einer Veränderung der Menstruation bis dato nicht bestätigt ist. Die Datenlage dazu ist mangelhaft, Studien liegen noch nicht vor und im Internet durchgeführte Umfragen sind nicht repräsentativ. In den Zulassungsstudien der Corona-Impfstoffe wurden diesbezüglich keine Auffälligkeiten festgestellt - für viele Frauen ist es trotzdem ein großes Thema.

7. "Mit der Impfung wird heimlich ein Mikrochip injiziert."

Dabei handelt es sich klar um eine Verschwörungstheorie. Das stellte auch die österreichische Bundesstelle für Sektenfragen in ihrem Jahresbericht klar. Laut dieser Erzählung hätte Microsoft-Gründer Bill Gates die Pandemie in Auftrag gegeben. Die implantierten Chips sollten den Menschen zu willenlosen Befehlsempfängern machen.

Freiwillig Mirkochips implantieren lassen sich hingegen Tausende Schweden. Sie können damit Schlüssel, Visitenkarten oder Zugtickets ersetzen - und bald vielleicht auch den Covid-Pass.

8. "mRNA-Impstoffe verändern das Erbgut."

mRNA-Impfstoffe können nicht in unser Erbgut eindringen und unsere DNA verändern. Im Gegensatz zu klassischen Impfstoffen wird hier ein Teil der aufwendigen Impfstoff-Produktion – die Gewinnung der Antigene – aus dem Labor in die menschlichen Zellen verlagert. Der Organismus lernt von den Impfstoffen, wie er sich gegen das Eindringen des Virus wehren kann, verändert wird nichts.  An dieser Art von Impfstoff wurde bereits sehr lange geforscht. Während der Corona-Pandemie wird sie erstmals eingesetzt.

Wer ist für eine Verschwörungstheorie anfällig?

Menschen, die von Verschwörungstheorien überzeugt sind und diese verbreiten, sind sehr viel diverser als bisherige Beobachtungen vermuten ließen. Das geht aus dem im November des Vorjahres veröffentlichten Jahresbericht der Bundesstelle für Sektenfragen hervor. Ein klares Bild gibt es nicht. Frauen wie Männer seien demnach gleichermaßen betroffen, ebenso alle Altersgruppen und Bildungsschichten, Menschen mit unterschiedlichen sozialpolitischen Einstellungen, die durch die Pandemie in ihrer Existenz bedroht waren, aber auch solche, die dadurch keine berufliche Beeinträchtigung erfuhren. In Zusammenhang mit dem Alter schien es eine Häufung bei den über 40-Jährigen zu geben, wobei manche davon möglicherweise leichter unter den Einfluss von Falschinformation und Manipulation des Internets zu geraten schienen als jüngere Menschen.

 

Die Bundesstelle für Sektenfragen rät dazu, "auf Inhalte, die Fake News oder Verschwörungstheorien enthalten, schnell zu reagieren, bevor diese weitere Verbreitung finden".  Als empfehlenswert werden unter anderem Recherche-Webseiten wie mimikama.at oder correctiv.org genannt. Auch auf den behördlichen Corona-Seiten – zum Beispiel das Land Salzburg oder das Sozialministerium – sind zahlreiche Antworten gut belegt zu finden.

(Quelle: APA/SALZBURG24)

Aufgerufen am 28.01.2022 um 11:43 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/corona-impfmythen-im-check-115411555

Kommentare

Mehr zum Thema