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Abwärtsspirale

Neue Gefahr vor Armut in Corona-Krise

Wie es um die Schwächsten in Salzburg steht

In der Corona-Krise werden viele Salzburgerinnen und Salzburger gewissermaßen über Nacht mit zuvor nicht gekannten Zukunftsängsten konfrontiert. Zudem trifft es jene, die bereits von Armut betroffen sind, noch härter. "Die Ärmsten sind in einer Krise immer als erstes und am stärksten betroffen", sagt Carmen Bayer von der Salzburger Armutskonferenz gegenüber SALZBURG24.

"Das Risiko, dass mehr Menschen in die Armutsgefährdung abrutschen, steigt und schnell bildet sich eine Abwärtsspirale", führt Bayer aus. Ängste und Unsicherheiten seien allgegenwärtig.

Neue Art der Armutsgefährdung 

Es tritt nun eine neue Art der Armutsgefährdung auf, denn plötzlich wurde der Job gekündigt oder Aufträge fallen gänzlich weg. "Das darf nicht unterschätzt werden", warnt Bayer, "denn prekäre Lebensbedingungen finden sich nicht selten auch unter Kulturschaffenden, bei Ich-AGs, chronisch Kranken und Familien." Hier spiele Angst, Scham und Stigmatisierung eine große Rolle. "Viele dieser Leute haben ihr Leben lang gearbeitet und müssen nun Arbeitslosengeld beantragen. Doch das sind keine Almosen vom Staat, sondern ist ein Recht", erklärt die Sprecherin der Salzburger Armutskonferenz und hofft dahingehend auf ein Umdenken. "Grundsätzlich steigt durch eine existenzielle Bedrohung bei vielen die psychische Belastung, weshalb wir den Ausbau der psychosozialen Beratung fordern."

Psychische Belastung steigt 

Menschen, die bereits armutsgefährdet sind, – also etwa Bezieherinnen und Bezieher der Mindestsicherung – seien nun noch mehr gefährdet. Es gibt kein finanzielles Polster, auf das zurückgegriffen werden könnte. "Die Wohnungen sind eng, es gibt keinen Garten oder Balkon und es herrschen oft prekäre Verhältnisse", berichtet Bayer. Zu bereits bestehenden sozialen Problemen kommen nun weitere Existenzängste hinzu. Die Folge: die psychische Belastung und das Konfliktpotenzial steigen. "Wir befürchten einen deutlichen Anstieg bei körperlicher und sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder", betont Bayer.

Arme und Obdachlose "besonders schutzbedürftig"

Dass Delogierungen vorerst gesetzlich ausgesetzt werden, habe einen hohen symbolischen Wert für die Betroffenen. Schließlich kann die Wohnung nun nicht gekündigt werden. Doch was ist mit jenen, die keine Bleibe haben und schon auf der Straße leben? Armutsbetroffene sterben um zehn Jahre früher als der Rest der Bevölkerung, bei Wohnungslosen macht der Unterschied sogar 20 Jahre aus. 29 Prozent aller Mindestsicherungsbezieher weisen laut Statistik Austria einen sehr schlechten Gesundheitszustand auf, über die Hälfte ist chronisch krank. "Diese Menschen sind besonders schutzbedürftig", mahnt Bayer.

24-Stunden-Betreuung in Salzburg 

Für Menschen ohne Dach über dem Kopf gibt es in allen Salzburger Gauen eine Beratungsstelle. Die Winter-Notschlafstellen sind derzeit jedoch nicht geöffnet. Am Land gebe es nur wenig Betroffene, die Armut sei oft verdeckt. "Familiäre Strukturen und Nachbarschaftshilfe können hier auffangen, das ist in der Stadt anders", erklärt Bayer. Am Land gebe es aktuell keinen akuten Bedarf für eine 24-Stunden-Betreuung. Eine solche gibt es hingegen seit mehr als einer Woche in der Landeshauptstadt.

In der von der Caritas betriebenen Notwohnstelle in der Plainstraße 83 gibt es 37 Schlafplätze, die derzeit allesamt belegt seien. Das entspreche in etwa den Nächtigungszahlen der letzten Zeit im Haus Franziskus. Obdachlose aus dem Ausland seien zuvor größtenteils wieder in ihre Heimat gebracht worden. "Ich möchte mich bei Land und Stadt Salzburg, im speziellen bei Anja Hagenauer (SPÖ), für die schnelle und gute Zusammenarbeit im Bereich der Versorgung von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen bedanken", betont Bayer.

Caritas-Notschlafstelle, Jens, Caritas Salzburg
Jens ist Alkoholiker und lebt seit dem Tod seiner Freundin vor eineinhalb Jahren auf der Straße: "Seit fünf Jahren habe ich eine schwere Krise. Ich hatte einen Arbeitsunfall und habe mir die Wirbelsäule gebrochen. Seither bin ich arbeitsunfähig. Nun komme ich regelmäßig ins Haus Elisabeth. Die Essensausgabe ist eine gute Sache. Man muss in Zeiten wie diesen froh sein, dass man überhaupt etwas zu essen bekommt."

Tägliches Mittagessen für Menschen in Not 

Untertags bietet das Caritas-Haus im Salzburger Stadtteil Itzling Platz für mehr als 50 Menschen. Mittagessen wird von der Stadt Salzburg täglich im Bildungscampus Gnigl gekocht. Die Essensausgabe im Haus Elisabeth (Plainstraße 42) bleibt weiterhin für Menschen in Not aufrecht, die zwar nicht obdachlos sind, sich aber kein Essen leisten können.

Caritas, Essensausgabe, Haus Elisabeth Caritas Salzburg
Im Haus Elisabeth (Plainstraße 42) bekommen Menschen in Not täglich ein Mittagessen.

"Wir können mit großartiger Unterstützung der Stadt Salzburg und von Salzburger Unternehmen beim Haus Elisabeth täglich ein warmes Mittagessen ausgeben", sagt Salzburgs Caritas-Direktor Johannes Dines. "Der Großteil der anderen Angebote ist derzeit geschlossen und so ist das für die meisten Menschen in Not die einzige richtige Mahlzeit am Tag." Caritas-Sprecherin Johanna Pfeifenberger zu SALZBURG24: "Der Bedarf steigt – sei es bei Obdachlosen oder Menschen in Not."

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Gepostet von Caritas Salzburg am Freitag, 3. April 2020

"Nutzt die Nummern und lasst euch helfen"

"Die Unterstützung für Betroffene gibt es, aber es kommt nicht bei allen an oder es gibt Probleme beim Beantragen," zeigt Bayer auf. Die Armutskonferenz hat HIER die Vermittlung von Ansprechpersonen aufgelistet – von Kinderbetreuung bis zu Hilfe bei Kurzarbeit und Jobverlust. "In Salzburg gibt es für Jugendliche und Erwachsene viele gute Angebote mit kompetenten und engagierten Teams", weiß Bayer und appelliert: "Nutzt die Nummern und lasst euch helfen."

Unterdessen begrüßt Bayer das am Mittwoch beschlossene XXL-Gesetzespaket vom Land Salzburg. "Eine sehr erfreuliche Maßnahme ist die Verschiebung des Inkrafttretens des neuen Sozialunterstützungsgesetzes. Tritt das Gesetz erst im Jänner 2021 in Kraft, besteht die Chance, dieses mit ausreichend Vorbereitungszeit und im Dialog mit sozialen Organisationen zu überarbeiten, um es an die gegenwärtigen wirtschaftlichen Problemstellungen anzupassen." Kritik übt die Armutskonferenz im gleichen Atemzug am Sozialhilfe-Grundsatzgesetz. Hier gebe es noch Luft nach oben, so Bayer. Das Sozialsystem müsse auf die Zeit nach Covid-19 mit demselben politischen Engagement unterstützt werden, wie gegenwärtig das Gesundheitssystem, appelliert die Sprecherin der Salzburger Armutskonferenz an Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne.)

(Quelle: SALZBURG24)

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Fragen und Antworten zum Coronavirus

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3D-Modell eines Coronavirus.

Nichts wirft zur Zeit mehr und vielfältigere Fragen auf als das Thema Coronavirus. Um allgemeine Fragen, die den Alltag betreffen, bestmöglich zu beantworten, hat das Land Salzburg die Hotline 0662-8042-4450 eingerichtet. Rund 500 Anrufe gehen hier pro Tag ein, insgesamt sind es bisher mehr als 4.000. Das Landes-Medienzentrum hat die zehn häufigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Das Land Salzburg hat ein Callcenter eingerichtet, an das sich alle Salzburgerinnen und Salzburger wenden können, wenn sie Fragen zum Corona-Virus haben. Können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier nicht weiterhelfen, werden die Bürgerinnen und Bürger an die entsprechenden Stellen weitergeleitet. Die häufigsten Fragen werden zur Gesundheit, zum Alltags- und Berufsleben gestellt. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Ich habe Symptome wie Fieber, trockener Husten. Wie erfahre ich, ob ich an Corona erkrankt bin?

Wenn Symptome – das sind vor allem Fieber und trockener Husten sowie Kurzatmigkeit – auftreten und ein begründeter Verdacht für eine Infektion besteht,  muss man telefonisch Kontakt mit der Hausärztin beziehungsweise dem Hausarzt oder der Gesundheitsnummer 1450 aufnehmen. Insbesondere nach dem Kontakt mit Erkrankten oder eine kürzlich getätigte Reise in ein Risikogebiet sollte unbedingt zuerst telefonisch das weitere Vorgehen abgeklärt werden. Erst dann kann entschieden werden, ob ein Abstrich genommen wird.

Ich habe einen Corona-Test gemacht. Wann und von wem erfahre ich ob ich positiv oder negativ bin?

Wenn der Test positiv (Erreger wurde nachgewiesen) ist, erfolgt eine Kontaktaufnahme durch die Bezirkshauptmannschaft beziehungsweise das Magistrat. Bei einem negativen Test (kein Erregernachweis) erfolgt eine aktive telefonische Verständigung durch die Landessanitätsdirektion. In der jetzigen Situation kann es zu Wartezeiten kommen, es kann derzeit unter Umständen ein paar Tage dauern – hier wird um Geduld gebeten. Während man auf sein Testergebnis wartet, muss man sich verhalten, als ob man infiziert wäre: Soziale Kontakte vermeiden, Husten und Niesen in ein Taschentuch oder in die Ellenbeuge, häufiges Händewaschen mit Seife und einen Abstand vom zwei Metern zu anderen Personen einhalten.

Darf ich spazieren gehen?

Ja, mit dem Hund Gassigehen und Spaziergänge – alleine oder mit Personen, mit denen man zusammen wohnt – sind erlaubt.

Darf ich eine Skitour machen oder Mountainbiken?

Von risikoreichen Sportarten ist derzeit absolut abzuraten. Sollte Ihnen etwas zustoßen, gehen sie für ihre eigene Gesundheit aber auch die Einsatzkräfte ein unnötiges Risiko ein.

Ich wurde aus einem Gebiet, das unter Quarantäne steht, nach Hause geschickt. Wie soll ich mich verhalten?

Grundsätzlich muss man sich freiwillig zwei Wochen in Quarantäne begeben.

Bin ich als Arbeitnehmer verpflichtet, dem Arbeitgeber eine Infektion mit dem Corona-Virus bekannt zu geben?

Ja. Der Arbeitnehmer muss seine Infektion dem Arbeitgeber jedenfalls sofort mitteilen. Ebenso muss er bekanntgeben, ob er unter Quarantäne gestellt wurde.

Darf ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren?

Ja, die Nutzung von Öffis ist erlaubt, sofern sie folgenden Zwecken dienen: Um unbedingt nötige berufliche Tätigkeiten auszuüben, um Verwandte zu versorgen oder Menschen zu helfen, um in einen Supermarkt oder eine Apotheke zu gehen. Dabei muss auch hier jeweils mindestens ein Meter Abstand zu anderen Personen eingehalten werden.

Kann ich über die Grenze zur Arbeit pendeln?

Ja, wenn es sich um einen systemerhaltenden, einen so genannten Schlüsselberuf handelt und man eine Bestätigung des Arbeitgebers mitführt. Zum Beispiel: Pflegekräfte aus dem Pinzgau, die über das Kleine Deutsche Eck nach Salzburg pendeln.

Darf ich, wenn ich in einem ein Quarantänegebiet wohnhaft bin, dieses verlassen?

Nein, grundsätzlich dürfen Quarantänegebiete von niemanden mehr betreten oder verlassen werden. Ausnahmen sind, wenn es um die Deckung der Grundversorgung geht, um die Daseinsvorsorge, sofern dies im Quarantänegebiet nicht gegeben ist. Um außerhalb einen Quarantänegebietes arbeiten gehen zu dürfen, muss ein gültiger Lichtbildausweis und Dienstgeberbestätigung mitgeführt werden.

Folgende Spezial-Hotlines wurden eingerichtet:

  • Alle, die Symptome aufweisen, sollen das Gesundheitstelefon 1450 anrufen. Dort erhalten sie Ratschläge von medizinischen Fachleuten.
  • Die AGES Infoline (0800-555-621) bietet Antworten auf allgemeine Fragen rund um das Coronavirus, zu Übertragung, Symptomen und Tipps zur Vorbeugung.
  • In lebensbedrohlichen Notfällen soll gleich der Notruf 144 gewählt werden.
  • Eine Hotline für Fragen rund ums Reisen bietet täglich von 9.00 bis 15.00 Uhr der Verein für Konsumenteninformation unter 0800-201211.
  • Die Arbeiterkammer (01-501-65-1209) gibt Informationen zu Arbeitsrecht und Reiserecht (Montag bis Freitag von 8.00 bis 12.00 Uhr).
  • Zusätzlich gibt es von Arbeiterkammer und ÖGB eine neue Hotline und Homepage für arbeitsrechtlichen Fragen: www.jobundcorona.at, (Tel: 0800-22-12-00-80, Mo-Fr ab 9.00 Uhr)
  • Die Wirtschaftskammer (0590900-4352) beantwortet Fragen zu Arbeitsrecht, Entgeltfortzahlungen oder internationalen Lieferketten .
  • Gebündelt werden alle Informationen derzeit auf der Website www.oesterreich.gv.at.

Aufgerufen am 10.08.2020 um 11:32 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/corona-krise-in-salzburg-arme-und-obdachlose-stark-betroffen-85769554

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