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Feminismus im Lockdown

„Die Frauen werden es schon richten“

Wie sich Corona auf die weibliche Bevölkerung auswirkt

Kinder betreuen und unterrichten, den Haushalt schupfen und nebenbei im Homeoffice glänzen. Oder: Überstunden leisten im systemrelevanten Beruf und dann noch das Homeschooling organisieren. Betroffen hat das im Lockdown hauptsächlich Frauen. Wir haben uns angesehen, welche Folgen das für die Erwerbstätigkeit, aber auch das Frauenbild haben wird.

Frauen, und Mütter im speziellen, waren während des Lockdowns zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung. Demnach geht aus einer Befragung unter 7.677 Erwerbstätigen im April hervor, dass Mütter die Hauptlast tragen, wenn Eltern in Zeiten geschlossener Kindergärten und Schulen einspringen müssen. So haben in Haushalten mit mindestens einem Kind unter 14 Jahren 27 Prozent der Frauen ihre Arbeitszeit reduziert. 16 Prozent der Männer taten das ebenfalls. Die Autoren kommen zu dem Schluss: „Die Corona-Krise trifft Frauen doppelt.“

Auch eine Umfrage des Pinzgauer Frauennetzwerks bringt ähnliche Ergebnisse. 500 Menschen haben teilgenommen. Das Fazit: Arbeit, Haushalt, Schulbetreuung fallen überwiegend Frauen zu, schildert Daniela Wallinger, Sprecherin des Salzburger Frauenrates, gegenüber SALZBURG24: „Der Druck war eher auf den Frauen und man hat gesehen, dass die Entwicklung wieder zurück zu den konservativen Rollenbildern gegangen ist.“

Krise zeigt "schrecklichen Ist-Zustand"

„Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung innerhalb von Familien ist ganz schnell wieder traditionell geworden, wenn sie es nicht schon vorher war“, erklärt auch Birgit Sauer, Professorin für Politikwissenschaften an der Universität Wien, im Gespräch mit S24. Ihr Spezialgebiet ist die Geschlechterforschung. Die Krise habe „den schrecklichen Ist-Zustand“ gezeigt, findet Sauer. „Man hat gesehen, dass sich in den letzten 20, 30 Jahren, in denen Frauen viel stärker erwerbstätig geworden sind, wenig geändert hat.“ Eine einmalige Beobachtung sei das nicht: „Generell würde ich schon sagen, dass in Krisenzeiten ganz schnell auf traditionelle Verhaltens- Gefühls- und Denkmuster zurückgegriffen wird.“

Kann sich die klassische Rollenverteilung wieder etablieren? „Die Befürchtung ist schon groß“, sagt Birgit Thaler-Haag, Leiterin des Salzburger Frauenhauses und Sprecherin beim Frauenrat. "Man sieht ja, wie sich das Erwerbsleben von Frauen entwickelt, sobald Kinder da sind. Dass es ganz schwierig ist, wieder in eine volle Erwerbstätigkeit zu kommen. Da kann schon die Gefahr sein, dass sich Rollen wieder verfestigen." Hinzukomme, dass Fraueneinkommen in der Regel niedriger seien (siehe Grafik). Gehe es um das finanzielle Überleben der Familie, sei es wichtiger, dass der Mann einen Vollzeit-Job habe.

 

Frauenarbeitslosigkeit schnellt in Salzburg in die Höhe

Ines Grössenberger ist Referentin für Frauenpolitik bei der Salzburger Arbeiterkammer (AK) und ebenfalls Sprecherin des Salzburger Frauenrats. Sie fordert im S24-Interview eine aktive Arbeitsmarktpolitik, um dem entgegen zu wirken. „Wenn die Beschäftigung steigt, muss man genau schauen, welche Jobs vergeben werden. Kommen die Frauen wieder in die Arbeit zurück? Wenn nicht, ist diese Verfestigung da – längerfristig.“

Ein Blick auf den Salzburger Arbeitsmarkt zeigt, dass sich die Pandemie bereits deutlich auf die Beschäftigung von Frauen auswirkt. Im April etwa schnellte die Frauenarbeitslosigkeit um 218,6 Prozent (Männer: 118,1 Prozent) in die Höhe. „Zurückzuführen ist das vor allem darauf, dass der Corona-Lockdown zu einem abrupten Ende der Wintertourismus-Saison geführt hat“, erklärt AMS-Sprecher Wilfried Beer in einer schriftlichen Stellungnahme. Eine Branche, in der die Frauenbeschäftigung dominiert. Allerdings wirke sich die Sommersaison seit Juli positiv aus: Die Frauenarbeitslosigkeit sinkt leicht.

Beeinflusst Krise Erwerbstätigkeit von Frauen?

Grössenberger weiß aus Studien, dass Frauen seit der Corona-Krise nicht nur mehr unbezahlte Arbeit geleistet haben, sondern dafür auch die Stunden ihrer Erwerbsarbeit reduziert haben. „Wie lange wird das vom Arbeitgeber geduldet, wenn man immer wieder ausfällt? Ich glaube, das kann durchaus starke Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen haben.“

Für die systemrelevanten und frauendominierten Berufe erwartet sich Birgit Sauer von der Bundesregierung nicht mehr als symbolische Unterstützung. „Das Klatschen vom Balkon ist zwar eine Anerkennung, aber das ist keine nachhaltige Verbesserung der Berufs- oder gar der Lohnsituation.“ Welche Auswirkungen das hat, zeigte der Equal Pension Day am 30 Juli. An diesem Tag haben Männer so viel auf dem Pensionskonto, wie Frauen für das ganze Jahr bekommen. Pensionistinnen müssen im Schnitt mit 42 Prozent weniger Geld auskommen.

 

Abfangen soll solche langfristigen, negativen Auswirkungen ein Frauen-Schwerpunkt in der Corona-Arbeitsstiftung. Diese wurde am 11. August von Frauenministerin Susanne Raab und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (beide ÖVP) vorgestellt. Demnach liegt der Fokus auf beruflicher Weiterbildung und Umschulung. 50 Prozent der AMS-Mittel sollen wieder Frauen zu Gute kommen.

"Inszenierung von Männern und Männlichkeit"

Solche Auftritte der Ministerinnen, die Frauen- und Familienthemen explizit zum Thema machen, haben die vier Expertinnen während des Lockdowns vermisst. „Insgesamt waren die Pressekonferenzen eine Inszenierung von Männern und auch von Männlichkeit“, konstatiert Sauer. Dabei gehören dieser Regierung mehr Frauen an, als jemals zuvor in Österreich. Hat die männlich geprägte Politik die Bedürfnisse von Familien und Frauen vergessen?

„Das würde ich mit ja beantworten. Man sieht die Prioritäten“, sagt Daniela Wallinger. Für Ines Grössenberger hat es „Bände gesprochen, dass die Baumärkte aufmachten und die Eltern mit ihren Kindern weiterhin zuhause saßen.“ Birgit Sauer hätte sich kreative, alternative Möglichkeiten für die Kinderbetreuung gewünscht. Dafür hätte man Geld in die Hand nehmen müssen, ist die Expertin überzeugt. Initiativen dazu habe sie aber nicht gesehen. „Da hat sich die Regierung wohl gedacht: Die Frauen werden es schon richten“, konstatiert die Professorin.

Sichtbarkeit als positive Auswirkung der Corona-Krise

Trotz allem hat die Corona-Krise nicht nur negative Aspekte hervorgebracht. Thaler-Haag hat beobachtet, dass die Menschen zusammengeholfen haben, dass „man vielleicht ein bisschen mehr aufeinander geschaut hat.“ Dass aufgefallen ist, wie wichtig viele Berufe sind, in denen Frauen arbeiten, ist für Sauer eine gute Entwicklung. Dem schließt sich Grössenberger an. Anzeichen für eine Lohnerhöhung seien zwar keine da, „aber zumindest Sichtbarkeit.“

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 11.04.2021 um 01:11 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/corona-krise-und-ihre-auswirkungen-auf-frauen-91712488

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