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Überlastung der Spitäler

"Wir stehen vor sehr, sehr schweren Zeiten"

Patienten-Zahl in Salzburg könnte Kapazitäten sprengen

20200323_PD3826.HR.jpg APA/Barbara Gindl/Archiv
Richard Greil ist Vorstand des Uniklinikums Salzburg und Leiter des Corona-Krisenstabes.

Es könnten in Salzburg bald mehr Patienten auf einer Intensivstation liegen, als Plätze vorhanden sind. Das Covid-Prognosekonsortium hat laut Medienberichten eine Bandbreite von 43 bis 82 Personen errechnet, die bis Anfang Dezember wegen einer Corona-Erkrankung eine Intensivversorgung benötigen.

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Am wahrscheinlichsten seien 60 intensivpflichtige Personen - das sind um gut zehn Menschen mehr als in der höchsten Versorgungsstufe (51 Betten).

intensivstation APA/HELMUT FOHRINGER
Die Betten auf den Intensivstationen in Salzburg könnten bald alle besetzt sein. Laut Prognosen reichen die Kapazitäten der Spitäler nicht. (SYMBOLBILD)

Rund 300 Corona-Patienten auf Normalstationen

Auf den Normalstationen rechnete das Gremium in zwei Wochen mit 200 bis 430 Personen, am wahrscheinlichsten seien 300. "Das liegt damit oberhalb der maximalen Bettenzahl der letzten möglichen Stufe unseres Versorgungsplans", sagte Richard Greil, Primar der III. Medizin am Salzburger Uniklinikum. Der Lockdown sei daher längst notwendig gewesen, denn er wirke in den Spitälern erst mit zwei Wochen Verspätung. "Wir stehen darum vor sehr, sehr schweren Zeiten."

Greil rechnet nicht mit Triagierungen

Zu Triagierungen dürfe es trotzdem nicht kommen, so Greil. "Das würde bedeuten, dass die Politik für diese Situation aus der Verantwortung genommen und diese auf die Ärzte übertragen wird. Das ist inakzeptabel", sagte er etwa gegenüber den "Salzburger Nachrichten". Man müsse aber damit rechnen, dass bei einer so großen Zahl von Corona-Spitalspatienten die Versorgung nicht mehr adäquat sein werde. So müsste dann auf Ärzte zurückgegriffen werden, die in Bereichen arbeiten, für die sie nicht ausgebildet seien.

Ärzte über Lockdown erleichtert

Erleichtert über den Lockdown zeigte sich auch Friedrich Hoppichler, der ärztliche Leiter des Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Stadt Salzburg. Auch für ihn wurde die Entscheidung spät getroffen. Eine harte Triage stehe in seinem Haus nicht mehr bevor, sondern sei bereits gelebte Realität, berichtete er am Freitag im "Standard." "Ab jetzt können gewisse Operationen von Karzinompatienten nicht mehr zeitgerecht durchgeführt werden." Die Bettensituation sei aufgrund der Kapazitäten, die für Covid-Patienten benötigt werden, so angespannt, dass keine Intensivbetten mehr frei seien und Personal fehle. Nun werde diskutiert, ob Patienten an andere Bundesländer überwiesen werden.

113 von 135 Intensivbetten in Salzburg belegt

In Salzburg wurden am Freitag 206 Personen wegen einer schweren Covid-Erkrankung im Spital behandelt werden, 32 davon auf einer Intensivstation. Insgesamt gibt es in Salzburg 135 Intensivbetten, davon waren zuletzt (Zahlen vom Donnerstag) 113 mit Covid- und Nicht-Covid-Patienten belegt.

(Quelle: APA)

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