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Wie Corona die Liebe stärkt

"Nahe Beziehungen zu erleben ist nicht ersetzbar"

Krise kann Paaren Augen öffnen

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Durch die Corona-Krise können Paare, die in einer Partnerschaft von hoher Qualität leben, über sich hinauswachsen, ist sich Psychotherapeut Friedrich Faltner sicher. (SYMBOLBILD)

Eintönigkeit, Kinder im Distance Learning, wenig Zeit und Raum für sich selbst oder Geldsorgen: Das sind nur einige, wenige Dinge, die viele von uns während der Pandemie beschäftigen – auch Paare. Das könnte sich unter anderem in der Geburtenrate widerspiegeln. Die Covid-Krise kann aber auch positive Effekte auf Beziehungen haben.

Corona fordert. Das bekommen auch jene zu spüren, die in einer Partnerschaft leben. Die größten Hindernisse in den letzten Monaten stellten etwa Geldsorgen dar, die wegen Kurzarbeit oder – im schlimmsten Fall – durch Jobverlust entstanden sind. Auch Kinder im Heimunterricht können eine Zerreißprobe für Beziehungen sein. Das zeigt eine repräsentative Studie der Online-Partnervermittlung Parship.

Kinderbetreuung als Zerreißprobe

Fast 20 Prozent der befragten Österreicher gaben an, sich häufiger zu streiten als früher und sich nach mehr Zeit für sich selbst zu sehnen. Die Salzburger Paarberaterin Vanessa Wagner bestätigt im Gespräch mit SALZBURG24, dass besonders die Kinderbetreuung für Paare herausfordernd sein kann: „Derjenige, der daheim bleibt, muss Haushalt, in manchen Fällen Arbeit, und Kinder unter einen Hut bringen. Der, der arbeiten gehen ‚darf‘, ist damit hingegen weniger konfrontiert. Dieses Ungleichgewicht kommt zum normalen Corona-Wahnsinn noch hinzu.“ Die Belastung sei oft besonders für Mütter hoch, auch für jene, die sonst alles sehr gut „schupfen“, stellt Friedrich Faltner, Vorstand des Salzburger Landesverbandes für Psychotherapie, fest.

Kreativität von Paaren gefordert

Ob man von mehr gemeinsamer Zeit, etwa aufgrund von Ausgangsbeschränkung oder Home-Office profitiert, sei eine Typfrage, sind sich die beiden Experten einig: „Nähe kann sich positiv auf die Beziehung auswirken, für andere ist das dramatisch“, meint Wagner. Da viele Dinge, die Paare häufig gemeinsam unternehmen, wie zum Beispiel Restaurant- und Konzertbesuche, Abstecher ins Museum oder Kino im letzten Jahr so gut wie flach gefallen sind, „müssen sich viele nun etwas am Riemen reißen und neu orientieren. Man kann zum Beispiel öfter bewusst gemeinsam daheim kochen oder gewisse Aktivitäten online ausprobieren“, rät die Paarberaterin.

Weniger Ablenkung wegen Corona

Laut Faltner gibt es zwei Möglichkeiten, die während der Pandemie eintreten können: Weil auch Paare weniger soziale Kontakte haben, bieten sich weniger Ablenkungen. Die Partner begegnen sich also wieder mehr. Im ersten Fall kann dies zu einer Trennung führen, weil sich herausstellt, dass man doch weniger Gemeinsamkeiten hat, als zuerst gedacht. Dann könnte es sinnvoll sein, mithilfe einer "Trennungstherapie", begleitet durch einen Therapeuten, einerseits Regelungen für gemeinsame Kinder oder andere wichtige Angelegenheiten zu finden, andererseits alte, eigene Beziehungsmodelle zu überdenken und zu hinterfragen. "Das kann bei neuen Beziehungen sehr hilfreich sein." Im zweiten Fall aber finde man wieder mehr Gefallen aneinander. "Hier ist aber auch die Bereitschaft gefordert, dem Partner bewusst und intensiv zu begegnen."

 

Pandemie wirkt sich auf Familienplanung aus

Auch auf unsere Sexualität wirkt sich die Pandemie aus. Soziologin und Sexualforscherin Barbara Rothmüller hat die Unterschiede, unter anderem in Hinblick auf Intimität, zwischen den beiden Lockdowns im Frühling und im Spätherbst untersucht. Die Forscherin hat festgestellt, dass das sexuelle Begehren im Vergleich zum April des Vorjahres um ein Drittel zurückgegangen ist: "Mittlerweile gibt es mehr Leute die sagen, dass sie nicht so wirklich viel Lust haben." Die Familienplanung ist ebenfalls betroffen: Ein Fünftel der Befragten hat angegeben, die Familienplanung wegen der Covid-Krise auf Eis zu legen. Die Soziologin rechnet auch mit einem Rückgang der Geburtenrate.

Einigkeit im Umgang mit Covid

Die Pandemie wirkt sich aber nicht nur negativ auf Partnerschaften aus. Laut der Parship-Studie sind sich 93 Prozent der Salzburger Paare einig, wie sie mit dem Virus umgehen wollen. Das betrifft zum Beispiel das Tragen von Masken oder das Einhalten von Ausgangsbeschränkungen.

Partnerschaft durch Krise verbessert

Für 91 Prozent hat sich während der Pandemie gezeigt, dass man sich auch in schwierigen Zeiten auf den Partner verlassen kann. Für 71 Prozent der Befragten im Bundesland hat sich die Partnerschaft sogar verbessert. Paarberaterin Wagner liefert eine mögliche Erklärung: „Viele Paare greifen während der Pandemie auf externe Hilfe zu, und zwar häufig schon frühzeitig. So können wir Probleme rechtzeitig angehen, gemeinsam daran arbeiten und handeln, um gegebenenfalls eine Trennung noch abwenden zu können.“ Vor Corona sei eine Trennung häufig bereits der letzte Ausweg gewesen.

 

Auch Rothmüller hat in ihrer Befragung positive Auswirkungen von Krise und Lockdowns erfasst: Als Glück im Unglück wurden folgende Punkte genannt:

  • Mehr Zeit zum Nachdenken
  • Aufnahme eines neuen Hobbys
  • Den ganzen Tag in Jogginghose verbringen

„Nahe Beziehung nicht ersetzbar“

Eine der wichtigsten Lehren aus der Pandemie ist laut Faltner, dass die Bedeutung, persönliche, nahe und intime Beziehungen zu erleben, nicht ersetzbar sei, etwa durch Parties, Restaurantbesuche oder ähnliches. „Diese Beziehungen kann man mit einem Vitamin vergleichen. Man kann eine Zeit lang ohne leben, aber längerfristig wird es sich negativ auf die Stimmung und letztendlich auch auf die Seele auswirken.“ Zudem sei wichtig zu erkennen, wie viel Vergnügen und externe Dinge wir eigentlich brauchen: „Wir haben einen hohen Unternehmungsdrang, zum Beispiel gehört das Reisen schon zu unserem Leben dazu und ist etwas völlig Normales geworden. Nun muss man sich auch damit zufrieden geben, einmal gemeinsam Brettspiele zu spielen.“

Persönliches Wachstum zentral

In Liebesbeziehungen mit langfristigen, gemeinsamen Zielen, bei denen sich beide Partner auf Augenhöhe begegnen, biete sich die Chance, „Neues zu entdecken und Altes zu verlassen.“ Wer dazu bereit sei, könne alte Muster und Gewohnheiten erkennen und gegebenenfalls ändern. Starke Partner seien in der Lage, das persönliche Wachstum des anderen zu unterstützen: „Wenn sich beide gegenseitig fördern und es nicht nur um ‚Durchhalten‘ und ‚Durchwurschteln‘ geht, können sie etwas aus ihrer Beziehung machen, das sie ohne Pandemie nie geschafft hätten.“

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 17.05.2021 um 05:10 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/corona-und-liebe-nahe-beziehungen-zu-erleben-ist-nicht-ersetzbar-100458928

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