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Corona hat uns verändert

Warum ist der Weg zurück in die Arbeit so schwer?

Homeoffice als mögliches Modell für die Zukunft

Corona verändert unsere Arbeitswelt. Mit dem Shutdown am 16. März 2020 haben Firmen ihre Mitarbeiter von einem Tag auf den anderen über Wochen ins Homeoffice verfrachtet. Zurück im Büro finden viele nur schwer in den gewohnten Arbeitsalltag zurück. Während die Motivation fehlt, wird der Wunsch nach mehr Selbstbestimmtheit immer stärker. Warum das so ist, weiß die Salzburger Arbeitspsychologin Birgit Artner.

„Der Lockdown war eine Zeit der Entschleunigung, man hatte wieder die Möglichkeit, sich auf Freizeit, Gesundheit und Lebensqualität zu konzentrieren“, fasst Arbeitspsychologin Birgit Artner von der Gesellschaft für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Arbeitsmedizin (AMD) im Gespräch mit SALZBURG24 zusammen. Viele Salzburgerinnen und Salzburger hätten Homeoffice überhaupt zum ersten Mal in ihrem Arbeitsleben erlebt und dieses – trotz Mehrbelastung – positiv empfunden. Die so viel angepriesene Work-Life-Balance scheint mit Corona also bei vielen von uns Gefallen gefunden zu haben.

 

Schwieriger Weg in Arbeitsalltag

Das belegen auch erste Studien im Zusammenhang mit Corona und der Arbeitswelt. Fühlten sich vor der Pandemie noch 21 Prozent der Beschäftigten regelmäßig gestresst, waren es während der Corona-Krise nur 15 Prozent, geht etwa aus einer großflächigen Befragung der Forschungsinstitute IGES und Forsa für die deutsche Krankenkasse DAK hervor. Da überrascht es dann auch nicht, dass nach wochenlanger Homeoffice-Zeit der Weg zurück ins Büro schon etwas holprig sein kann.

„Der größte Vorteil des Arbeitens von zu Hause aus ist die Flexibilität und die Selbstbestimmtheit, und das wollen sich die Menschen jetzt nicht mehr so schnell wegnehmen lassen. Daher fällt es im Moment auch vielen so schwer, in ein strukturiertes, starres und fremdbestimmtes System zurückzukehren“, schildert Artner.

 

Homeoffice erhöht Produktivität

Überraschend könnte für viele Arbeitnehmer die Erkenntnis gewesen sein, dass daheim tatsächlich mehr gearbeitet wird als im Büro. „Durch zahlreiche Untersuchungen wissen wir jetzt schon, dass die Menschen im Homeoffice mehr unter dem Druck stehen, beweisen zu müssen, dass sie auch etwas tun“, so Artner. Das Verschwimmen von Arbeitszeit und Freizeit erlaube dem Mitarbeiter außerdem eine freiere Zeiteinteilung, was wiederum zu weniger Stress und somit zu mehr Produktivität führe. Damit verändere sich auch von Seiten des Arbeitgebers die Sicht aufs Homeoffice: „Die Chefs erkennen plötzlich, dass der Mitarbeiter sehr wohl eigenverantwortlich arbeiten kann, Arbeitsaufträge erfüllt und Termine eingehalten werden.“

Homeoffice bald überall?

Könnte Homeoffice also ein Arbeitsmodell der Zukunft werden? „Ja“, sagt Artner – „aber nur, wenn vom Arbeitergeber klar kommunizierte Rahmenbedingungen gesetzt werden.“ So sei es besonders wichtig, im Vorfeld unter anderem folgende Fragen zu klären: Was sind die Arbeitszeiten, wann ist Pause und wann besteht Erreichbarkeit, wann keine. Nicht vergessen dürfe man, dass Homeoffice nicht bei allen positiv empfunden wurde – denke man etwa an alleinerziehende Mütter oder Familien, bei denen beide Partner zu Hause arbeiten mussten. „Hier kam es zu großem Druck und vielen Schwierigkeiten, die nur mit klaren Strukturen auszugleichen sind.“

Eine Fünf-Tage-Woche im Homeoffice könnten sich die meisten ohnehin nicht vorstellen. „Viele wünschen sich ein bis zwei Tage“, weiß die Expertin. Denn ohne Büro fehlen das Team, die Kollegen und der Austausch.

So kann die Arbeitspsychologin einem Hybrid-Modell aus Büro und Homeoffice-Möglichkeiten mit eindeutig formulierten Auflagen durchaus etwas abgewinnen. „Ein solches Modell würde zu einer nachhaltigeren und besseren Arbeitsfähigkeit und somit auch zu einer besseren Gesundheit der Menschen beitragen.“

Corona verlagert unsere Werte

Auch wenn die Auswirkungen von Corona auf die Arbeitswelt noch nicht genau absehbar sind, ist für die Expertin jetzt schon klar, dass sich die Arbeitssysteme über kurz oder lang umstellen und sich flexibler gestalten müssen. „Weil der Mensch immer mehr Wert auf die eigene Zeit legt, auf Freizeit und Familienzeit.“ Corona habe das Potential die Arbeitswelt nachhaltig zu verändern – die ganzen Konsequenzen der Krise würden sich aber erst im ersten oder zweiten Quartal 2021 zeigen.

Motivation durch Routinen

Um mit Schwung und Elan in den neuen Arbeitsalltag zu starten, empfiehlt die Psychologin, sich Ziele zu definieren und zu überlegen, was in der Corona-Zeit als positiv erlebt wurde und was davon im „neuen“ Alltag einzubauen ist. „Motivation gewinnt man mit Routinen und Gewohnheiten, also empfehlen wir den Menschen, zu versuchen, ein neu gewonnenes Hobby weiterhin aufrechtzuerhalten.“ Aber auch die Arbeitgeber seien in der Pflicht, die Sorgen und Bedenken der Arbeitnehmer ernst zu nehmen und zu schauen, mit welchen Maßnahmen eine Unterstützung möglich ist.

Gesundheitszirkel für Salzburger Firmen

Um Arbeitnehmer und Arbeitgeber beim Weg zurück vom Homeoffice ins Büro zu stärken, hat der AMD Salzburg auch einen eigenen Gesundheitszirkel unter dem Namen „Let’s get started – zurück im Betrieb“ entwickelt. Dabei werden sowohl die betrieblichen Stärken und Ressourcen während der Corona-Krise unter die Lupe genommen, als auch Maßnahmen und Verbesserungsvorschläge seitens der Mitarbeiter erarbeitet. So geht es etwa auch um Betriebsvereinbarungen, die zum Beispiel das Homeoffice im Allgemeinen stärker integrieren.

Was macht AVOS/AMD?

Das Leitbild von AVOS/AMD ist ein „Gesundes Salzburg“. Dabei wird seit der Gründung vor 45 Jahren die Gesundheit aller Menschen als Grundrecht verstanden, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion oder sozialer Stellung. Die Mitarbeiter von AVOS/AMD betreuen in Salzburg rund 200 Firmen mit gesamt 50.000 Arbeitnehmerinnen und -arbeitnehmern.

(Quelle: SALZBURG24)

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