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Welche Folgen Corona an Salzburgs Schulen hat

Zwölf Klassen in Landeshauptstadt in "Teilquarantäne"

Zum Start der zweiten Schulwoche sind zwölf Klassen an sechs Salzburger Schulen corona-bedingt in "Teilquarantäne". Besteht deswegen Grund zur Unruhe? Wir haben bei der Bildungsdirektion und beim Elternverein nachgefragt.

Schon am zweiten Schultag nach den Sommerferien wurden die ersten vier positiven Covid-19-Fälle an Salzburger Schulen gemeldet. Nach fünf Tagen waren 13 Schülerinnen und Schüler sowie sechs Lehrkräfte infiziert. Am gestrigen Sonntag folgten weitere Fälle an Bildungseinrichtungen, weshalb eine "Verkehrsbeschränkung" angeordnet wurde. Das heißt, die Klassen bleiben für diese Woche geschlossen und Lehrkräfte sowie Schüler dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen oder Gemeinschaftseinrichtungen aufsuchen.

 

Besteht nun Grund zur Unruhe? "Nein", sagt Bildungsdirektor Rudolf Mair auf SALZBURG24-Nachfrage am Montag und beschwichtigt: "Bei rund 73.000 Schülerinnen und Schülern sowie 9.000 Lehrkräften muss das Verhältnis berücksichtigt werden", so Mair im Telefonat mit S24. "Das hat keinen großartigen Effekt auf das Schulsystem." Organisatorisch könnten die Schulen diese Herausforderungen bewältigen, heißt es. Alle aktuell betroffenen Bildungseinrichtungen sind in der Landeshauptstadt.

Elternverein übt Kritik

Sabine Gabath vom Landesverband der Elternvereine hat die große Sorge, dass "das Bildungsdefizit durch 'Teilquarantäne' und Schulschließungen nicht mehr aufzuholen ist. Das zieht sich durch das ganze Leben." Es gebe Eltern, die verzweifelt seien, weil sie entweder keine Urlaubstage mehr haben oder der Dienstgeber nicht fürs Homeschooling freistellt. "Sie fühlen sich im Stich gelassen und der Eindruck entsteht, dass die Probleme auf die Eltern abgewälzt werden", schildert Gabath gegenüber S24. Auch sei noch immer ungeklärt, was bei einer corona-bedingten Schulschließung passiert und welche Konsequenzen das für alle Beteiligten hätte.

Nach einem Gespräch zwischen Elternverein und Bildungsdirektion wurde heute der gemeinsame Konsens gefunden, Volksschulen offen zu halten, "da die ersten Schuljahre von immenser Wichtigkeit" seien. Ein neuerlicher Lockdown soll unbedingt vermieden werden.

Hygiene-Maßnahmen an Schulen

Man tue alles dafür, um den Schulbetrieb aufrechtzuhalten, betont Mair. Dafür wurden zuvor eigens Hygiene-Maßnahmen ergriffen, um das Ansteckungsrisiko in Schulen möglichst gering zu halten und eine Ausbreitung zu verhindern:

  • Regelmäßiges Händewaschen und das Desinfizieren der Hände
  • Abstand halten, unterstützt durch Markierungen in den Eingangsbereichen ebenso wie – wenn möglich – durch eine Verlagerung der Pausen in den Außenbereich der Schule; Pausen können schulautonom gestaffelt werden.
  • Atem- und Hustenhygiene einhalten
  • Regelmäßiges Lüften der Schulräume, auch während des Unterrichts

Was bei einem Corona-Fall passiert

Bei einem positiven Corona-Fall arbeiten die Schuldirektoren eine eigens dafür ausgearbeitete Checkliste der Gesundheitsbehörden ab. Diese regelt die dann zu ergreifenden Maßnahmen und übernimmt die Kommunikation mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern, den Eltern und dem Lehr- und Verwaltungspersonal.

An jeder Schule gebe es außerdem ein Notfallpaket, u.a. mit geeigneten Reservemasken. Ab sofort stehe auch in jeder Schule ein kontaktloses Fiebermessgerät zum Einsatz bereit. Bildungsdirektor Mair appelliert an die Eltern: "Kranke Kinder sollen unbedingt zu Hause bleiben und erst wieder genesen in die Schule zurückkehren." Es liege nicht an den Schulen, sondern an der gesamten Bevölkerung, sagt der Salzburger Bildungsdirektor mit Verweis auf den vor allem mit jungen Menschen gefüllten Rudolfskai am letzten Samstagabend. "Nur wenn alle gemeinsam sich an die Vorgaben halten, können wir weitreichende Folgen verhindern."

Homeschooling und Distance Learning

Mit Homeschooling habe man durch die Erfahrungen aus dem Lockdown im Frühjahr und mittlerweile angeschaffter notwendiger Software einen großen Schritt nach vorne gemacht. "In der Sekundarstufe 2 läuft das recht problemlos, die Durchführung des Lehrplans ist an allen Schulen in Salzburg garantiert", erklärt Mair. Neue Lehrkräfte einzustellen, um das bestehende Personal zu entlasten, sei jedoch aktuell kein Thema. Eher setze man auf die Möglichkeiten des Distance Learnings.

Mit dem neuen Schuljahr startete außerdem das Portal "Digitale Schule", zunächst für die Bundes- und ab Herbst 2021 auch für Pflichtschulen (v.a. Volks- und Mittelschulen). Auf der neuen Plattform sollen mit einem Login alle wichtigen Verwaltungs- und pädagogischen Anwendungen (digitale Notenverwaltung, Kommunikation, Klassenbuch, Lernplattformen etc.) zugänglich sein.

Es gebe zudem einen regelmäßigen Online-Austausch zwischen Direktoren, Lehrkräften und Elternvertretern, um auf aktuelle Ereignisse zu reagieren.

(Quelle: SALZBURG24)

Schulen als mögliche Corona-Infektionsherde

20200525_PD3929.HR.jpg APA/ HERBERT NEUBAUER/Archiv
In der kalten Jahreszeit könnten sich vor allem Schulen zu Infektionsherden entwickeln. (SYMBOLBILD)

Weltweit steigen aktuell die Corona-Zahlen. Die kalte Jahreszeit gilt dabei allgemein als Herausforderung. Wir haben Dr. Richard Greil, Leiter des Salzburger Corona-Krisenstabes, nach seiner Einschätzung gefragt und sind der Frage nachgegangen, warum gerade Schulen als mögliche Infektionsherde gelten könnten.

Im Bundesland Salzburg wurden alleine diese Woche vier Corona-Fälle an Schulen festgestellt. Auch in Deutschland mussten unmittelbar nach dem Ferienende Schulen aufgrund von Covid-19-Fällen wieder geschlossen werden. Können also Infektionen im Herbst und Winter vor allem von Schulen ausgehen?

Greil: "Das wird eine beträchtliche Herausforderung"

Dieser Ansicht ist Dr. Richard Greil, wie er im Gespräch mit SALZBURG24 angibt: "Mittlerweile haben die Infektionen wieder die Heime erreicht, ähnliches werden wir in den Schulen erleben, wo ab Oktober und Anfang November zusätzlich mit der Grippe zu rechnen ist. Es ist völlig klar, dass wir mit einer Zunahme der Infektionen rechnen müssen, auch der schweren Krankheitsbilder. Das wird eine beträchtliche Herausforderung", so der Experte.

Primar Richard Greil VOGL-Perspektive.at
Richard Greil, Leiter der 3. Medizin des Uniklinikums Salzburg, ist im Bundesland der Experte für das Coronavirus.

Kinder als Krankheitsüberträger

Wie der Experte weiter angibt, bestehe bei Kindern ab dem zehnten Lebensjahr eine deutliche Zunahme der Infektiosität, sie können also selbst zu Krankheitsüberträgern werden. "Auf der anderen Seite können auch Lehrer Infektionen einbringen. Das Entscheidende ist also die Kontaktzahl. Und hier muss man schauen, dass man in den Schulen auf unter knapp zwei Kontakte pro Tag kommt", führt Greil weiter aus.

Home-Schooling ein "sinnvolles Instrument"

Doch ist eine solche Einschränkung der Kontakte ohne Home-Schooling überhaupt möglich? Greil will dabei vom Begriff "Lockdown der Schulen" wegkommen, da dieser sehr stark emotional besetzt sei. "Tatsache ist aber, dass selbstverständlich ein Teil der Schüler – einzelne Klassen oder ganze Schulen – wieder auf Home-Schooling umstellen wird müssen. Es ist ein sinnvolles Instrument."

 

Notquartiere im Herbst?

Ob mit weiter steigenden Corona-Zahlen auch im Herbst wieder Notquartiere eingerichtet werden müssen und die Behandlung anderer Erkrankungen aufgrund der Corona-Situation hinten angestellt wird, ist derzeit noch unklar. "Selbstverständlich besteht überall der Versuch, das Wirtschaftsleben wie auch das medizinische Leben in vollem Umfang aufrecht zu erhalten. Aber inwieweit diese Zielerreichung möglich ist, das ist sehr fraglich", gibt Greil an.

Frage um zweiten Lockdown

Ob es zu einem zweiten Lockdown kommen werde, könne man so nicht beantworten. Die Diskussion darüber ist für Greil mittlerweile zu einer politischen Debatte um die Definition des Begriffs verkommen. Würden immer mehr gesellschaftliche Teilstrukturen geschlossen, habe man irgendwann einmal so starke Auswirkungen, dass die Frage nicht mehr relevant sei, wie der Zustand benannt wird. Man habe dann eine Situation, die einem Lockdown sehr nahe komme.

 

Kritik an Corona-Ampel

Des Weiteren befürchtet Greil, dass aufgrund vieler verschiedener Bestimmungen – wie zuletzt das Hin-und-Her bei der Corona-Ampel – die Bevölkerung die Covid-19-Maßnahmen nicht mehr mittragen wird. "Man kann so etwas wie die allgemeine Maskenpflicht nicht alle zwei Minuten anordnen, dann wieder zurückziehen, im Ort A aufrechterhalten, im Ort B wieder abschaffen und eine Woche später wieder anordnen. Das führt zu einer maximalen Verwirrung der Menschen und zu einem nicht mehr Ernstnehmen des Sachverhalts." Die Ampel sorge somit eher für Streit als für Klarheit und Sicherheit.

Coronavirus nicht unterschätzen

Primar Greil warnt zudem davor, das Coronavirus zu unterschätzen. Aufgrund der hohen Testanzahl entstehe der Eindruck, dass die Krankheit unter Umständen weniger gefährlich sei. "Das ist aber überhaupt nicht der Fall. Man sollte nicht den Fehler machen, die Krankheit zu unterschätzen durch Vergleiche mit der Grippe oder anderen Erkrankungen." So ist in Österreich bereits jetzt eine deutliche Zunahme der Hospitalisierungs-Patienten festzustellen.

Die kalte Jahreszeit dürfte in Österreich also noch zur Herausforderung werden. Auf die Frage hin, ob Salzburg für den Herbst gerüstet sei gab Greil an: "Das bleibt abzuwarten."

Aufgerufen am 12.04.2021 um 03:58 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/coronavirus-auswirkungen-auf-salzburgs-schulen-93129103

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