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"Vorsichtiger Optimismus"

Corona-Impfstoff schon Anfang 2021?

Weltweit vielversprechende Covid-19-Studien

Grippe, Impfung dpa/dpa-Zentralbild/Z1018 Ralf Hirschberger
Weltweit werden aktuell rund 200 Corona-Impfstoffe entwickelt. (SYMBOLBILD)

Eine Impfstoff-Studie in den USA mit 30.000 Teilnehmern und ein vielversprechendes Mittel in Großbritannien: Auf dem Gebiet der Covid-19-Impfstoff-Entwicklung werden rasch Fortschritte gemacht. Wie erfolgreich dabei die aktuellen Studien verlaufen und ab wann man aus derzeitiger Sicht mit einem Impfstoff rechnen kann, hat uns Dr. Richard Greil, Leiter des Salzburger Corona-Krisenstabes, erklärt.

Die Corona-Krise ist noch lange nicht ausgestanden. In vielen Ländern der Welt kommt es derzeit wieder zu einem Anstieg der Covid-19-Fälle, so auch in Österreich. Die Pandemie wird uns wohl noch länger erhalten bleiben. Die Hoffnung liegt nun auf einem Impfstoff, der eine Rückkehr zur Vor-Corona-Normalität ermöglichen soll. Die Forschung auf diesem Gebiet gleicht gewissermaßen der Suche nach dem Heiligen Gral.

Coronavirus: 200 Impfstoffe in Entwicklung

Und es passiert gerade viel, wie der Vorstand des Uniklinikums Salzburg, Richard Greil, im Gespräch mit SALZBURG24 angibt: "Derzeit werden über 200 Substanzen als Impfstoffe getestet. Es werden von Tag zu Tag mehr, das ist auch gut so, weil damit die Wahrscheinlichkeit sehr viel größer wird, dass es am Ende einen verträglichen und breit verfügbaren wirksamen Impfstoff geben wird." Greil weist dabei auf drei laufende Studien hin, die derzeit vielversprechend wirken. Eine britische Studie von Astra Zeneca gemeinsam mit der University of Oxford, eine größere chinesische Studie und eine weitere der Biotech-Firma Moderna in den USA mit rund 30.000 Probanden.

 

Vielversprechende Studie in Großbritannien

In der britischen Studie wird ein Impfstoff an knapp 1.000 Personen im Alter von 18 bis 55 Jahren getestet. "Hier wurden nach einer Impfung bei 95 Prozent der Probanden eine Konzentration von Antikörpern erreicht, die genügt, um das Virus zu deaktivieren“, gibt Greil im Gespräch weiter an. Zudem soll bei der Studie gezeigt worden sein, dass nicht nur neutralisierende Antikörper gebildet wurden, auch die sogenannte T-Zell-Reaktion wurde offenbar aktiviert, was eine Abwehrreaktion bedeutet.

Kaum Nebenwirkungen festgestellt

Diese Reaktion ist insofern wichtig, weil nicht bekannt ist, wie lange wiederum eine Antikörperreaktion vor Covid-19 schützt. "Es gibt Daten aus China und Deutschland, die zeigen, dass bei Menschen, die eine Infektion mit mildem Verlauf durchgemacht haben, teilweise die neutralisierenden Antikörper schon nach 50 bis 60 Tagen nicht mehr nachweisbar sind", erklärt der Leiter des Corona-Krisenstabes . Der Impfstoff habe zudem eine gute Verträglichkeit gez, übliche Nebenwirkungen wie Fieber, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen oder Schwäche würden für einige Tage auftreten.

20200323_PD3826.HR.jpg APA/Barbara Gindl/Archiv
Richard Greil ist Vorstand des Uniklinikums Salzburg und Leiter des Corona-Krisenstabes.

Große Studie in den USA

Eine andere Gruppe von Impfstoffen wird bei der US-Studie der Firma Moderna verwendet. Hier kommt ein RNA-Impfstoff zum Einsatz. "Der Vorteil von diesen Impfstoffen ist, dass sie sehr schnell herzustellen sind, dass sie sehr gut skalierbar sind und man hohe Dosen davon herstellen kann“, erklärt Greil. Allerdings würden hier zwei Dosen benötigt, um eine entsprechende Impfreaktion hervorzurufen, was auch mehr Nebenwirkungen mit sich bringe.

Covid-19-Impfstoff schon 2021?

Aufgrund der einfachen Skalierbarkeit kann der Impfstoff an großen Probandengruppen getestet werden. Aktuell läuft in den USA eine Studie mit 30.000 Menschen. "Die Ergebnisse dürften bis zum Spätherbst vorliegen. Teilweise wird damit gerechnet, dass schon Anfang des nächsten Jahres ein Impfstoff in größerer Zahl verfügbar sein wird. Das sind die optimistischsten Annahmen", sagt der Mediziner. Vorsichtigere Hersteller würden eher mit einer Zulassung durch die Behörden gegen Ende des nächsten Jahres rechnen.

Professor Tobias Welte, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Hochschule Hannover und Pneumologe von Weltformat, hielt...

Gepostet von Uniklinikum Salzburg - SALK am Dienstag, 21. Juli 2020

Impfstoff-Entwicklung: "Die Geschwindigkeit ist enorm" 

Doch wie konnte die Impfstoff-Entwicklung so rasch anlaufen und wie wird die Sicherheit gewährleistet? Aktuell werden häufig vorhandene Mittel auf den SARS-CoV-2-Erreger hin adaptiert. "So kann man auf Erfahrungen in einem zumindest vergleichbaren Bereich zurückgreifen. Es ist also nicht komplettes Neuland", gibt der Salzburger Experte an. Er gehe davon aus, dass die Behörden einen Corona-Impfstoff so streng prüfen, wie das sonst auch der Fall ist. "Die Geschwindigkeit ist allerdings enorm."

Bereitschaft zum Impfen kaum gegeben

Um einen entsprechenden Schutz in der Bevölkerung zu gewährleisten, müssen sich 60 bis 70 Prozent impfen lassen. Greil: "Das würde nicht heißen, dass niemand mehr eine Covid-Infektion entwickelt, aber es würde einen Herdenschutz mit sich bringen." Die Impfbereitschaft sei in Österreich derzeit allerdings kritisch. Aufgrund der unklaren Lage rät der Mediziner aktuell auch von einer Diskussion über eine Impfpflicht ab. "Die sollte man erst dann diskutieren, wenn klar ist, welcher Impfstoff zur Verfügung steht und man weiß, welche Wirkung und Nebenwirkungen dieser hat", rät der Primar.

Greil: "Grund zum vorsichtigen Optimismus"

Abschließend weist Greil darauf hin, dass es im Bereich der Impfstoffentwicklung eine extrem dynamische Entwicklung gäbe: "Es gibt schon einen Grund zum vorsichtigen Optimismus. Der begründet sich durch die Vielzahl unterschiedlicher Technologien und unterschiedlicher Firmen, den hohen Konkurrenzdruck und auch den hohe Ehrgeiz, Impfstoffe zu entwickeln."

(Quelle: SALZBURG24)

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