Jetzt Live
Startseite Salzburg
Das bringt 2020

Wir wagen Blick in die Zukunft

Salzburger Forscher über Einfluss neuer Technologien

Fortschritte auf dem Sektor der Künstlichen Intelligenz (KI) oder der Robotik, zunehmende Globalisierung und neue gesellschaftliche Strömungen wie die Umweltbewegung: Die Welt ist mehr denn je Veränderungen unterworfen, die sich vor unseren Augen abspielen, aber nicht jedem immer gleich ersichtlich sind. Wie sich unsere Arbeitswelt durch neue Technologien verändert, welchen Einfluss diese auf das soziale Gefüge haben und worauf wir uns künftig einstellen müssen, das erklärt der Salzburger Zukunftsforscher Reinhold Popp im SALZBURG24-Interview.

Mit dem 1. Jänner 2020 beginnt für uns alle nicht nur ein neues Jahr, auch ein neues Jahrzehnt bricht an. Ein Blick in die Zukunft ist natürlich nicht leicht, die Zukunftsforschung zudem ein sehr breites Feld. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit haben wir mit Reinhold Popp über Themen gesprochen, die wohl unser Leben in den 2020er-Jahren prägen werden.

Gehen "50 Prozent der Jobs verloren"?

"In den nächsten 20 Jahren gehen 50 Prozent unsere Jobs verloren", mit Aussagen wie diesen sorgen Forscher oftmals für Aufsehen und Aufregung. Reinhold Popp aber relativiert bei Besuch in der S24-Redaktion: "Solche Entwicklungen, die gerne als Revolution beschrieben werden, dauern oftmals Jahrzehnte." Zudem ist er der Ansicht, man solle mit Begriffen wie Revolution vorsichtig umgehen: "Diese Wörter lösen bei den Menschen eine große Zukunftsangst aus. Die Leute haben das Gefühl, dass ein solcher Prozess quasi über Nacht alles über den Haufen wirft. Das ist aber nicht der Fall."

Hindernisse bei der Einführung neuer Technologien

Dass neue Technologien aber einen Einfluss auf unsere Lebensbereiche haben werden, ist auch für Popp unumstritten. Er weist darauf hin, dass es weniger bei der Entwicklung dieser zu Hindernissen kommt, sondern bei deren Implementierung in der Gesellschaft: "Man muss sich nur einmal ansehen, wie lange es gedauert hat, bis auch der älteste Teil der Bevölkerung ein Handy verwendet hat." Die Gewohnheiten der Menschen zu ändern sei also schwieriger als neue Technologien zu entwickeln.

Technologien nicht ohne Begleiterscheinungen

Eine neue Technologie sei zudem nicht gänzlich ohne Probleme, wie Popp am Beispiel der E-Mobilität erklärt: "Man reduziert hier zwar den unmittelbaren Ausstoß von CO2, es ergeben sich aber neue Probleme, wie etwa beim Abbau der dafür nötigen Ressourcen. Somit schafft man wieder Abhängigkeiten." Wichtiger wäre es für Popp deshalb, sich weniger damit zu beschäftigen, was technisch möglich ist, sondern welche Folgen aus der Einführung einer gewissen Technologie zu erwarten sind und wie sich dies wiederum auf das Verhalten der Menschen auswirke.

KI ein "hochspezialisiertes Werkzeug"

Der Zukunftsforscher sieht Künstliche Intelligenz (KI) außerdem nicht als Technologie, die uns in die Arbeitslosigkeit führt. Für Popp ist KI mehr ein "hochspezialisiertes Werkzeug". Damit könne man spezielle Arbeiten, wie etwa der Analyse von riesigen Datenmengen ermöglichen, am Ende stünde aber immer der Mensch: "Man muss hier sehen, was das Besondere an der menschlichen Intelligenz ist. Nämlich das Herstellen von Verbindungen oder Einfühlvermögen. Und Jobs, die diesen Typus von Intelligenz verlangen, werden wohl auch künftig nicht ersetzt werden." Anders verhalte sich dies bei einfacheren Tätigkeiten, wie etwa der Fließbandarbeit. Diese könne und werde von Maschinen übernommen.

Arbeitswelt: "Mensch muss flexibler werden"

Für die Arbeitswelt bedeuten neue Technologien, dass der Mensch künftig flexibler werden muss. Wichtig sei laut Popp deshalb ein Fokus auf Verbesserungen im Bereich der Bildung: "Damit meine ich nicht die schulische Ausbildung, sondern die lebenslange Bildung." Er wünscht sich keine "Bildungsvollzugsanstalten" wie BFI oder Wifi, sondern einen "kreativen Bildungserwerb". Wichtig wäre es zudem, ein Sabbatical-System einzuführen, das Menschen ermöglicht, Auszeit für Bildung zu nehmen. Auch der Arbeitgeber müsse Interesse an der weiteren Ausbildung seiner Mitarbeiter haben.

Umweltbewegung bleibt

Der in diesem Jahr durch die "Fridays for Future"-Bewegung ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückten Umweltgedanken wird sich in den nächsten Jahren weiter verfestigen, glaubt Popp. Dies zeige sich zuletzt auch an den aktuell laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und Grünen. Für den Salzburger Zukunftsforscher sei es dabei allerdings wichtig, eine "Balance zwischen Ökologischem, Ökonomischen und gesellschaftlich-sozialen zu erhalten." Gemeint ist damit, dass einseitige Maßnahmen, wie etwa eine Anhebung der Mineralölsteuern um CO2-Ausstoß zu senken, rasch zu gesellschaftlichen Unruhen führen könne, wie dies etwa aktuell die Gelbwestenproteste in Frankreich veranschaulichen.

Zusammenfassend erwartet Popp für die 2020er-Jahre keine radikalen Umwälzungen. Anders als euphorischere Vertreter seines Faches ist der Salzburger der Ansicht, dass neue Entwicklungen und Technologien immer auch eine gewisse Zeit brauchen, bis sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 11.04.2021 um 01:14 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/das-bringt-2020-wir-wagen-einen-blick-in-die-zukunft-81053071

Kommentare

Mehr zum Thema