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Warum Diäten boomen

"Das Essen ist dein Freund, nicht dein Feind“

Salzburger Ernährungsexpertin schafft Blick auf das Wesentliche

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Dem Körper Zeit geben, sich auf Neues einzustellen, das ist zentral bei jeder Ernährungsumstellung, sagt die Salzburger Diätologin Judith Haudum im Interview mit SALZBURG24. (SYMBOLBILD)

Ernährung, Diäten und Abnehmen sind Themen, mit denen wir immer wieder – auch erinnert durch die anstehende Fastenzeit – in Kontakt kommen. Was ist richtig, was ist falsch? Wie nehme ich am besten ab? Es gibt unzählige Fragen und umso mehr Antworten. Gemeinsam mit einer Salzburger Diätologin wollen wir den Blick aufs Wesentliche schärfen.

Hallein

Wenn in einer Woche die Fastenzeit wieder beginnt, rückt das Thema Ernährung nicht zum ersten Mal in diesem Jahr in den Fokus vieler Salzburgerinnen und Salzburger. Corona und Homeoffice machten es quasi zu einem Dauerbrenner, bestätigt die Salzburger Diätologin und Sportwissenschaftlerin Judith Haudum aus Hallein/Rif (Tennengau) im Interview mit SALZBURG24 eine entsprechende Google-Trends-Abfrage. Dabei scheint es vor allem ein Ziel zu geben: Abnehmen und Gewicht zu reduzieren. Die Peaks vom April 2020 und Jänner 2021 lassen die Motivationsschübe gut erkennen.

Leute wollen mehr abnehmen

„Ich merke im Grunde seit fast einem Jahr, dass die Leute verstärkt abnehmen wollen“, sagt Haudum. "Im Homeoffice wird die Hose schnell enger, weil man sich weniger bewegt, die Wege nur sehr kurz sind und der Kühlschrank immer in Reichweite ist.“

 

Keine Diät ist besser oder schlechter als die andere

Dementsprechend boomen derzeit Diäten wie Intervallfasten, die ketogene oder vegetarisch-vegane Ernährung. Im Netz und auf Instagram gibt es unzählige Beschreibungen, Motivationsseiten, Ratgeber und nicht zuletzt die zahllosen Ernährungs-Apps, von denen jeder von uns in regelmäßigen Abständen eine neue ausprobiert, um sie dann nach wenigen Tagen wieder vom Handy zu löschen.

Von den Schlankheits- oder Fastenkuren, die derzeit im Trend liegen, sei keine über die andere zu stellen, so Haudum. Denn: „Sie funktionieren alle.“ Egal, ob Intervall, Ketogen oder fleischlos – nach einer bestimmten Zeit treffe man sich am selben Punkt. Bei Diäten, die auf eine kohlenhydratarme Ernährung setzen, sei der vermeintliche Erfolg natürlich schneller zu sehen und zu spüren, weil schon nach ein paar Tagen die Kilos purzeln. „Das, was man hier verliert, ist Wasser und nicht Fett, weil sich die Speicher entleeren“, macht die Expertin aufmerksam.

Alles Extreme vermeiden

Generell sollte beim Fasten alles, was extrem ist, vermieden werden, rät die Diätologin. Vor allem aber warnt sie davor, ganze Lebensmittelgruppen einfach aus dem Ernährungsplan zu streichen. „Weil der Körper eben alles braucht.“ Erfolgsversprechender sei es, sich bewusst anzuschauen: Was nehme ich tagsüber zu mir und zu welchen Zwischenmahlzeiten greife ich. „Naschereien gehören zum Leben dazu, aber eben genau diese machen es aus.“ So könnte der Griff zur Schokolade oder Knabbereien etwa mal mit einem Apfel oder einer Karotte ausgetauscht werden. „Wenn wir es schaffen, die sehr energiedichten Zwischenmahlzeiten wegzulassen oder sie zu ersetzen, ist schon viel gewonnen.“

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Gepostet von Sportnutrix am Sonntag, 7. Februar 2021

„Das Frühstück ist wichtig!“

Zudem spiele es eine Rolle, wie das Essen zubereitet wird. „Fertiggerichte haben versteckte Kalorien, weil sie in der Regel deutlich mehr Fett enthalten, als Selbstgemachtes.“ Essen sollte man am besten drei Mal am Tag. Davon – wie es etwa beim Intervallfasten häufig praktiziert wird – das Frühstück einfach wegzulassen, hält eher Haudum wenig. „Niemand weiß tatsächlich, dass das etwas bringt. Ganz im Gegenteil: Studien zeigen, dass der Hunger gegen Mittag größer ist, man im Endeffekt mehr und auch häufiger in den Abend hinein isst.“ Zudem wisse man auch, dass jene, die frühstücken, den gesamten Tag aktiver sind, somit mehr Kalorien verbrauchen und auf lange Sicht gesehen, ihr Körpergewicht besser halten können.

Drei Portionen gleich groß

Und ein weiterer Tipp: Die Portionen beim Frühstück, Mittag- und Abendessen sollten gleich groß sein und immer eine Portion Eiweiß enthalten – das kann der Schinken sein, ein Ei, Fleisch oder Fisch. „Proteine kurbeln die Fettverbrennung an und sind für unseren Stoffwechsel sehr wichtig.“

 

Wenn sich der Körper nicht mehr auskennt

Und schließlich braucht man noch eine gute Portion Geduld. Denn: Jeder Körper ist anders, vorangegangene Diäten würden abgespeichert, weshalb eine Stoffwechselumstellung zwischen wenigen Wochen und in manchen Fällen auch bis zu einem Jahr dauern könne, so Haudum. „Extrem ist das bei Menschen, die von einer Diät zur nächsten wechseln, da kennt sich der Körper einfach gar nicht mehr aus. Man muss ihm Zeit geben und sobald er sich eingestellt hat, klappt das auch mit dem Abnehmen“, motiviert der Ernährungs-Coach im S24-Interview.

 

Ernährung und Bewegung kombinieren

Zur Ernährung gehört Bewegung – auch das weiß eigentlich jeder. Doch es muss hier nicht immer das kraftraubende Ausdauertraining sein. Im Homeoffice könne man gut kleine Einheiten anfangen, 5-Minuten-Pausen nutzen und „einfach mal ganz zügig Treppensteigen, bis man den Puls spürt.“ Auch Spaziergänge oder "einfach mal eine Springseil ausprobieren", sorgen für die notwendige Bewegung. „Wir müssen wieder lernen, weniger kompliziert zu denken und die kleinen Dinge einfach zu tun, alleine das bringt schon sehr viel“, weiß Haudum.

Und zu guter Letzt: „Das Essen ist dein Freund, nicht dein Feind“. Viele würden inzwischen das Essen als eine Art Gefahr sehen, doch das sei fatal. Denn der Körper reagiert darauf mit Angst und Stress. Wenn wir es also schaffen, mit dem Essen „wieder Frieden zu schließen“, kann es uns gelingen, es als solches zu was sehen, das es ist: Die wichtigste Energiequelle für den Körper. Und damit ist das alles doch plötzlich ganz einfach, oder etwa nicht?

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 19.06.2021 um 06:26 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/das-essen-ist-dein-freund-nicht-dein-feind-99648136

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